Die Eisbären wussten am Sonntag noch nicht, dass es der letzte große Auftritt in dieser Saison war. Foto: Mathias Renner/City-Press

 Es ist der sudden death fürs deutsche Eishockey. Um Gestern um 18 Uhr verkündet die DEL: Play-offs abgesagt. Aus die Maus für diese Saison, antreten zum ewig langen Zwangs-Sommerurlaub. Landauf, landab gab es bei den Fans nur einen Fluch: Scheiß-Corona!

Auch wenn sie gern gewollt hätte, die DEL konnte gar nicht anders entscheiden. Als diverser Bundesländer Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern untersagten, war das der Todesstoß. „Dass wir die Entscheidung so treffen müssen, tut uns für alle Klubs, Partner und insbesondere Fans in ganz Deutschland unheimlich leid. Wir haben aber angesichts der aktuellen Entwicklungen die Pflicht, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen. Wir als DEL stellen die Gesundheit von unseren Fans, Spielern und Mitarbeitern in den Fokus“, ließ DEL-Boss Gernot Tripcke mitteilen.

Die Champions League ist kein Trost

Überraschend wurde München als Hauptrunden-Erster nicht zum Champ gekürt. Somit bleibt die 100. Meisterschaft ohne Meister. Dass die Eisbären in den kommenden Saison zusammen mit München, Mannheim und Straubing Champions League spielen, tröstet natürlich keinen.

EHC-Nationalverteidiger Jonas Müller ist während des Teammeetings kurz erreichbar: „Ich finde es echt scheiße. Man spielt ja die ganze Saison Eishockey, um in die Play-offs zu kommen.“ Anstatt sich auf die Play-offs einzuschwören, müssen sich die Bärenbrüder voneinander verabschieden. Manche werden in der kommenden Saison nicht mehr zum Team gehören.

Das Team hatte das Zeug zu Großem

Besonders bitter ist die Absage aus EHC-Sicht auch, weil die Eisbären nach vielen durchwachsenen Jahren endlich wieder ein Team waren, das das Zeug zum ganz großen Wurf hatte. „Wir hatten in diesem Jahr eine echt gute Mannschaft zusammen“, sagt Müller. Die Stimmung war gut, der Stil spektakulär. Selbst bei Niederlagen bekamen die Fans, die genauso sauer über die Absage-Nachricht sind, meist jede Menge geboten. Kein Wunder, dass die MB-Arena regelmäßig ausverkauft war.

Müller hätte sich auch vorstellen können, zur Not ohne Fans zu spielen. Aber wirtschaftlich hätte das viel mehr geschadet als genutzt. Denn anders als beim Fußball, wo jede Menge Kohle durch die TV-Gelder fließt, brauchen die EishockeyklubsTicketeinnahmen, um das Budget im Rahmen zu halten. Die Hallen zu öffnen, ohne Einnahmen zu haben, hätte keinen Sinn gemacht.

Manager Lee hat jetzt viel Arbeit

Bei allem Frust: Natürlich ist bei den Eisbären allen klar, dass Gesundheit vorgeht. Trotzdem muss Manager Peter John Lee, auf den nun viel früher als erwartet Vertragsgespräche und Saison-Bilanzen zukommen, erst mal schlucken: „Wir wissen um unsere gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Wir werden uns jetzt sammeln und alle wichtigen Informationen zusammentragen."