Leo Pföderl spielte die Saison trotz Knöchelbruchs zu Ende, gewann mit den Eisbären den Titel und fuhr sogar noch zur WM. Imago

Das steht wohl wirklich nur ein eisenharter Bayer durch. Eisbären-Stürmer Leo Pföderl (28) humpelt zurzeit im heimatlichen Bad Tölz mit einem geschienten Fuß durch die Gegend und verrät, was bisher keiner wusste: „Ich habe mir im Viertelfinale gegen Köln den Knöchel gebrochen. Ab da waren da etwas Schmerzen, aber sonst habe ich nichts gespürt.“ Hart, härter, Pföderl.

Verrückt, der gelernte Maurer zog trotzdem die Play-offs durch, trug da mit sechs Toren entscheidend zum Meisterschaftsgewinn bei. Damit nicht genug: Im Anschluss mischte er auch noch bei der WM in Finnland mit. „Nach dem Turnier habe ich mich in Berlin noch mal durchchecken lassen. Da stellten die Ärzte dann nach dem Röntgen den Bruch fest“, erklärt Pföderl.

Eisbär Leo Pföderl erholt sich in Bad Tölz

Natürlich muss sich der Star-Stürmer jetzt erholen. „Da bin ich hier zu Hause bei meinen Eltern gerade richtig. Ich muss im Moment Ruhe bewahren. Ich nutze die Zeit, um zahlreiche Freunde aus meiner Schüler- und Jugendzeit beim EC Tölz zu besuchen. Es gibt unter uns immer viel zu erzählen.“

Zum Beispiel von den Olympischen Spielen in Peking. Aus China kam Leo nämlich mit einer „Unterkörperverletzung“ zurück. „Da ziemlich klar war, dass wir als Tabellenführer die Hauptrunde abschließen, ließ ich mir nach Olympia etwas Zeit, um wieder voll ins Training einzusteigen“, schaut Leo zurück.

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Etwas Zeit ist gut. Nur zwei Wochen später lief Pföderl gegen die Kölner Haie wieder auf. Mit den bereits erwähnten Folgen.

EHC-Stürmer Leo Pföderl hat besonderes Blut

Nicht die ersten Rückschläge in der Karriere, in der Pföderl es in der DEL für Nürnberg (373 Spiele/159 Tore) und ab 2019 für die Eisbären (136/66) krachen ließ. Und natürlich gehörte er auch zum olympischen Silberteam von 2018. „Darüber zu reden und auch mal in meinem Privatarchiv zu blättern, habe ich jetzt Zeit“, sagt Leo, der eigentlich Leonhard heißt.

Bei der WM im Mai in Finnland spielte Leo Pföderl (l.) auch gegen Tschechien mit gebrochenem Knöchel. Foto: Imago/ActionPictures

Seine Stimme klingt dabei etwas traurig. Der stämmige Bayer bangt nämlich nicht zum ersten Mal um seine Form und Einsatzfähigkeit. Auch 2021 war das so. Beim Spiel gegen Schwenningen am 10. April humpelte Pföderl in die Kabine und kam nicht zurück auf das Eis. Später erklärte Eisbären-Sportchef Stéphane Richer: „Pföderl hat sich eine Teilruptur des Innenbandes zugezogen. Er muss vier bis sechs Wochen behandelt werden und fällt damit für den Rest der Saison aus. Er ist einer unserer besten Spieler, das ist ein schwerer Schlag für uns.“

Umso größer war das Erstaunen, als die Nr. 93 beim Warmlaufen zum ersten Play-off-Halbfinale gegen Ingolstadt wieder dabei war. Hatte er einen Wunderheiler gefunden? Pföderl: „Das nicht, aber eine sehr engagierte medizinische Abteilung. Dr. Ziesche und unsere beiden Physios Thomas Wöhrl und André Kreidler haben sich ganz intensiv um mich gekümmert. Ich habe mich nach der Verletzung 14 Tage nur auf meine Reha konzentriert. Das Eis habe ich gemieden, bin auch nicht auf ein Fahrrad gestiegen. Außerdem habe ich im Sommer hart gearbeitet, das kommt mir jetzt zugute.“

Eisbär Pföderl: „Das Wunder ist der Pott“

Und dann grinste Leo: „Die relativ schnelle Genesung liegt sicher auch an meinem oberbayrischen Blut.“ Das wiederum entlockte Dr. Jens Ziesche ein Lächeln: „Das mit dem Blut lasse ich mal beiseite, aber die Zähne zusammenbeißen, das kann Leo.“ Mit zwei Play-off-Toren gegen Ingolstadt führte sich der Vollblutstürmer gleich wieder gut ein.

Psychotricks sind überhaupt nicht die Sache von Dr. Ziesche. Deshalb stellt er klar: „Wir wollten die Konkurrenz mit unserer Nachricht in keiner Weise auf die falsche Fährte locken. Wir hatten die Diagnose und mussten vorsichtig sein. Leo Pföderl ist unwahrscheinlich fleißig und hat die äußerst intensive Betreuung unserer beiden Physiotherapeuten richtig gut angenommen.“

Leo Pföderl freut sich auf die neue Saison

Trotzdem grenzte die relativ schnelle Genesung schon an ein kleines Wunder. „Wunder?“, fragt Pföderl und meint dann: „Das Wunder ist der Pott. Wenn du die Chance bekommst, Deutscher Meister zu werden, steckst du vieles weg und spürst die Schmerzen erst abends im Bett. Das war im vorigen Jahr, als wir die 100. Meisterschaft gewonnen haben, genauso wie diesmal.“

Jetzt will Leo in im heimischen Bad Tölz, wo andere Urlaub machen, erst mal gesund werden. Spätestens zu seinem 29. Geburtstag am 1. September will er wieder im Eisbären-Fell stecken und auf Torjagd gehen. Heiß ist Leo jetzt schon: „Wir haben wieder viel vor.“

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