Nationalspieler Manuel Wiederer nahm ein halbes Jahr Auszeit und unterschrieb jetzt bei den Eisbären. Imago Images

Er hat in den USA gespielt, er ist deutscher Eishockey-Nationalspieler. Das klingt alles glanzvoll. Doch der neue Eisbären-Stürmer Manuel Wiederer (24) hat auch die Schattenseiten in seiner Karriere erlebt. Schmerzen im Körper und Qualen im Kopf. Vor einem halben Jahr zog der Bayer die Notbremse und machte Pause.

Offen und ehrlich spricht er über seinen Karriereknick. Vor sechs Jahren gehörte er zu Deutschlands vielversprechendsten Talenten, die NHL lockte ihn über den großen Teich. Er spielte beim Draft-Team der Moncton Wildcats im kanadischen Quebec, dann bei den Huskies de Rouyn-Noranda (ebenfalls in Kanada). 2017 ging es in die USA zu San Jose Barracuda, einem Farm-Team des NHL-Klubs San Jose Sharks. Den Sprung dahin schaffte Wiederer nie. Er hatte immer wieder Schmerzen im Knie oder Ellbogen. Im Winter auf dem Eis, im Sommer bei Ärzten und Physiotherapeuten. Sechs Jahre lang Leiden.

„Ich habe mich gefühlt wie ein alter Mann“

Im Oktober 2020 ging er wegen der in den USA tobenden Corona-Pandemie auf Leihbasis zurück zu seinem Heimat-Klub Deggendorfer SC, doch auch da wurde er nicht glücklich. „Ich habe seit sechs Jahren bei jedem Spiel unter Schmerzen gespielt. Das Körperliche war das eine, das Mentale das andere. Ich habe mich gefühlt wie ein alter Mann, dabei bin ich erst 24“, erklärte er in einem Interview bei „heimatsport.de“.

Wiederer holte für sich selbst das Stoppschild im Januar 2021 heraus. Er spielte nicht mehr für Deggendorf und ging auch nicht mehr zurück nach San Jose. Den Vertrag beim Ami-Klub löste erauf. „Ich habe gespürt, dass ich überhaupt nicht bereit dafür war. Ich bin stolz darauf, dass ich für mich und meine Gesundheit eingestanden bin“, erklärt Wiederer.

Endlich keine Schmerzen mehr

Der Akku ist jetzt wieder aufgeladen. Die Eisbären fragten an und Wiederer unterschrieb für ein Jahr. Wiederer freut sich auf den Neustart in Berlin: „Ich bin so glücklich und so gesund wie nie, und ich kann endlich ohne irgendwelche Schmerzen auf dem Eis stehen. Das hatte ich seit 2015 nicht!“ Bei den Sätzen spürt man die wiederentdeckte Lust an seinem geliebten Sport und er ergänzt kämpferisch: „Ich freue mich ehrlich gesagt auch darauf, wenn dann im Herbst ein paar Leute sagen: Boah, den habe ich ja brutal unterschätzt.“

Da ist sich auch Eisbären-Sportdirektor Stephane Richer sicher: „Manuel ist ein talentierter, deutscher Stürmer. Er ist bereits sehr erfahren, besitzt aber weiterhin noch Entwicklungspotenzial. Er hat bereits bewiesen, dass er verlässlich punkten kann.“

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