Feiner Zwirn, freche Sprüche: Rias-Legende Lord Knud. Foto: adolph-press

Seine Stimme im Radio einte einst das geteilte Berlin. Die von Rias-Legende Lord Knud, der bereits am Sonntag mit 76 Jahren starb. Vor allem die Berliner aus dem Osten liebten ihn für die Musik, die er spielte, und für die Honecker-Witze, die er erzählte. Weniger bekannt war das wilde Leben, dass der „Lord“ führte.

Seine Sendungen sind bis heute unvergessen. Die „Schlager der Woche“, die Lord Knud (bürgerlich Knud Kuntze) von 1968 bis 1985 jeden Freitag- und Montagabend präsentierte. Einer seiner Stamm-Hörer war Ex-Puhdy Dieter „Quaster“ Hertrampf (75). „Mit dem Tonband nahm ich in den 60ern die aktuellen Hits auf, die Lord Knud brachte, um sie nachspielen zu können“, sagt der Gitarrist dem KURIER.

Kultstatus hatte auch „Evergreens a Go Go“. In der Sendung spielte Lord Knud nicht nur die Hits der Stones und den Beatles. Er kalauerte über Honi, machte die legendären Häschen-Witze („Hat du Möhren?“) populär. Wegen der Sendung schwänzte so mancher DDR-Jugendliche die Schule. Denn sie lief immer sonnabends ab 9 Uhr im Rias. Zu der Zeit, wo man im Osten wie im Westen Berlins noch zum Unterricht musste.

So sah die Autogrammkarte von Lord Knud in den 60er-Jahren aus, als er beim Rias die „Schlager der Woche“ moderierte. Foto: Rias/privat

Lord Knud, gelernter Schuhverkäufer, begann als Bassist bei den deutschen Beatles, den The Lords. Mit der Karriere war es recht schnell aus. Das Ende für ihn kam 1964, als bei einer Tournee die Band einen Bus-Unfall hatte und er dabei sein rechtes Bein verlor.  Knud fing beim Rias an. „Er gehörte zu den DJs, die unter anderem neben Gregor Rottschalk und mir den Sender aufpeppen sollten“, erinnert sich Rias-Legende und Moderator Nero Brandenburg (78). „Seine frechen Sprüchen durfte er mit Erlaubnis des Programmchefs kloppen. Der drückte beim Lord oft ein Auge zu.“

Denn der Radiomann machte öffentlich keinen Hehl daraus, dass er Haschisch rauchte. In Lokalen wie dem „Diener“ in Charlottenburg sah man Lord Knud öfter, wie er sich dort einen Joint anzündete. Dabei war der Moderator im Grunde recht konservativ, zeigte stets seine Nähe zur CDU. Im Wahlkampf 1971 legte  Lord Knud sogar als Star-Gast bei Wahlpartys der Westberliner Christdemokraten Platten auf. Die Partei wollte so Jungwähler für sich gewinnen.

Lord Knud machte mit Udo Jürgens das Berliner Nachtleben unsicher

Wild zeigte sich der Lord auf ganz anderen Bühnen. Etwa in der legendären Diskothek „Dschungel“, in der auch Weltstars wie David Bowie zu Gast waren - und auch Udo Jürgens. „Lord Knud war mit dem Schlagersänger sehr gut befreundet“, sagt Brandenburg. „Ich erinnere mich, wie wir zusammen das Berliner Nachtleben eroberten, im Schlepptau paar Mädels dabei hatten. Die erschreckte der Lord damit, in dem er sich ein Messer ins Holzbein stieß.“

In seinem Dahlemer Bungalow, in dem Lord Knud bis zum Tod wohnte, komponierte Udo Jürgens übrigens auf dem Klavier des Radio-Moderators den Hit „Aber bitte mit Sahne“ (1976). Später schenkte der Sänger dem Freund sein Bühnenshow-Intro, das  dann als Musik-Trailer in den „Evergreens a Go Go“-Sendungen erklang.  Sogar ein neues Holzbein bekam Lord Knud von Udo Jürgens, als es dem Moderator finanziell nicht mehr so gut ging.

Sein Absturz kam 1985. Mit dem Spruch „Ich mag Frauenbewegung, nur rhythmisch muss sie sein“, sorgte Lord Knud für einen Radio-Skandal. Laut Gerüchten soll damals Berlins Regierender Richard von Weizsäcker dafür gesorgt haben, dass der Rias den Moderator rauswarf. Weizsäcker dementierte dies stets. Dennoch, nach dem Jobverlust wurde es um Lord Knud recht still.

Der spätere Radio-Mann Oliver Dunk durfte als Schüler Lord Knud im Rias-Studio besuchen. Foto: privat

Aber ein Teil der Radio-Legende lebt weiter. Seit 2012 gibt es wieder „Evergreens a Go Go“. Beim Sender „Schlager Radio B2“, der die Sendung, wie einst das Original, immer sonnabends ab 9 Uhr ausstrahlt. Eine Hommage des Sender-Chefs Oliver Dunk (56) an Lord Knud, der unter anderem der Rias-Legende seine Liebe zum Radiomachen verdankt. „Als Schüler war ich Fan der ‚Schlager der Woche‘, rief beim Sender an, bekam Knuds private Telefonnummer. Am Ende durfte ich ihm bei einer Sendung zuschauen“, sagt Dunk, der dann 1978 beim Kinder- und Jugendfunk des Rias seine Radio-Karriere startete.

Freunde fürs Leben wurden Lord Knud und Ben Wagin (90). Der Moderator setzte sich in seinen Sendungen stets für das „Parlament der Bäume“ des Künstlers ein. Die drei Ginko-Bäume, die Lord Knud und Ben Wagin einst vor dem Rias-Gebäude an der Kufsteiner Straße in Schöneberg pflanzten, stehen heute noch.