Zack. Nicht nur die Hausärzte haben viel mit Corona und Impfung zu tun, die Planung der Arztverteilung fällt deshalb seit vielen Monaten flach.
Zack. Nicht nur die Hausärzte haben viel mit Corona und Impfung zu tun, die Planung der Arztverteilung fällt deshalb seit vielen Monaten flach. dpa

Wenn man ewig einen Termin sucht und dann noch im Wartezimmer rumlümmeln muss, mag man es nicht glauben: Berlin hat zu viele  niedergelassene Mediziner. Ihre Verteilung über die Stadt ist aber trotz vielfältiger Versuche, das zu ändern, immer noch ungleichmäßig – und wegen Corona hat sich in den letzten beiden Jahren niemand richtig darum kümmern können. Das geht aus der Antwort von  Gesundheitsstaatsekretär Thomas Götz auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Jan Lehmann hervor.

Charlottenburg-Wilmersdorf ist „Doktorshausen“ mit den meisten Arztpraxen

Statistiken über die Arztverteilung gibt es für Hausärzte, Internisten, Urologen, Frauenärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Hautärzte, Augenärzte, Radiologen, Nervenärzte, Chirurgen, Kinderärzte, Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendpsychiater und Orthopäden.

Lesen Sie auch: Die Corona-Regeln, die von Sonnabend an in Berlin gelten >>

Den besten Versorgungsgrad beispielsweise bei Hausärzten hat Charlottenburg-Wilmersdorf mit 131,5 Prozent. Hier sollte es 201 Hausärzte geben, tatsächlich waren es (mit Stand 31. Juli 2021) aber 264. Am schlechtesten ist Lichtenberg mit 80,8 Prozent ausgestattet: 173 Hausärzte sollte es geben, es waren aber nur 149.

Einen Wert für Gesamt-Berlin gibt es nicht. Das liegt daran, dass die Stadt zwar grundsätzlich als ein Planungsraum für die Niederlassungserlaubnis von Ärzten gilt, bei den Hausärzten gibt es dagegen eine Dreiteilung: Treptow-Köpenick macht einen Planungsbereich aus, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg den zweiten, und alle anderen Bezirke den dritten.

Lesen Sie auch: Wie Bundeskanzler Olaf Scholz im Netz veräppelt wird >>

Bei den Internisten sieht die Versorgung komplett anders aus als bei den Hausärzten: Hier ist Lichtenberg mit einem Versorgungsgrad von 197,8 auf Platz 4 der Rangliste, die allerdings wieder von Charlottenburg-Wilmersdorf angeführt wird. Kein Bezirk ist unterversorgt. Über ganz Berlin liegt der Versorgungsgrad bei 168,2 Prozent, 409 Internisten gibt es, 243 sollte es geben.

Ohnehin hat es in nahezu allen Fachrichtungen die meisten Ärzte nach Charlottenburg-Wilmersdorf gezogen, nur bei den Kinderärzten liegt Steglitz-Zehlendorf vorn. Mehrfach unter 100 Prozent liegt vor allem Marzahn-Hellersdorf, das nur bei den Radiologen einen deutlichen Überschuss verzeichnet: Mäßig ist der Ostbezirk bei Urologen, Nervenärzten, Chirurgen / Orthopäden, HNO- und Frauenärzten versorgt.

Senat: Der nächste Arzt ist ausreichend schnell erreichbar

In keinem Berliner Bezirk und in keiner Fachgruppe gibt es eine Unterversorgung, die bei Hausärzten generell unter 75 Prozent beginnt, bei allen anderen unter 50 Prozent der ermittelten Versorgungsgröße. Laut Senat gibt es in Berlin auch keinen Ort, der in Sachen Erreichbarkeit der nächsten Praxis durchfällt. Danach muss ein Hausarzt binnen 20 Minuten mit dem Auto erreichbar sein, Kinder- und Jugendärzte spätestens nach 30 sowie Augen- und Frauenärzte nach maximal 40 Minuten.

Der Staatssekretär verweist in seiner Antwort darauf, dass Berlin das Recht habe, in seinen „strukturschwachen Teilgebieten“ neue Arztsitze zu genehmigen, auch wenn es insgesamt zu viele gibt. Nur sei es so, dass die Beratungen der zuständigen Fachgremien„ infolge der Covid-19-Pandemie vorerst zum Erliegen gekommen“ seien. Man strebe an, sie zügig wieder aufzunehmen.