Die Zeugnisse sind geschrieben, obwohl es wegen Corona kaum einen richtigen Unterricht gab. Foto: imago-images/McPhoto

In der kommenden Woche ist es soweit. Etwa 350.000 Schüler erhalten in Berlin ihre Zeugnisse. Doch diese werden für dieses Schuljahr anders als in den Jahren zuvor ausfallen. Der Grund ist die Corona-Krise, wo Schulen wochenlang zu blieben, die Schüler zuhause lernen mussten.

Die Besonderheiten beginnen mit der Zeugnisvergabe. Normalerweise hätte sie am 24. Juni, einen Tag vor Ferienbeginn, stattgefunden. Um zu verhindern, dass alle Schüler gleichzeitig in einer Schule sind und die geltenden Abstands- und Hygieneregelungen nicht eingehalten werden, sollen die Zeugnisse nun klassenweise über mehrere Tage ausgeteilt werden. Ab Montag geht es los, so die Senatsbildungsverwaltung.

Es werden Zensuren in den Zeugnissen stehen. Schließlich gab es Noten für Projekt- und Hausarbeiten, die die Schüler daheim erledigten, als die Schulen zwischen März und Mai wegen Corona dicht waren. Allerdings wurden aufgrund der Ausnahmesituation für die Lernenden nur deren gute Leistungen bewertet. Die Bildungsverwaltung gab vor, dass sich im Homeoffice kein Schüler verschlechtern darf. In Brandenburg fließen dagegen nur die Noten in die Zeugnisse ein, die dort bis zur Schulschließung (28. März) vergeben wurden.

Anders in Berlin, wo sogar Klassenarbeiten und Tests bewertet werden, die nach der Schulöffnung im Mai an einigen Schulen noch rasch geschrieben wurden. Dies wird vom Landeselternausschuss kritisiert. Sprecher Norman Heise spricht von einer „unterschiedlichen Behandlung“ der Schüler. „Während die einen Schulen auf Leistungskontrollen verzichteten, wurden an anderen bis zu drei Tests in der Woche geschrieben“, sagt er dem KURIER. Heise rät Eltern, Widerspruch gegen Zeugnisse einzulegen, wenn sie Zweifel an der Leistungsbewertung ihrer Kinder haben.

Auf den Zeugnissen wird die Corona-Krise verschwiegen

Dass Schulen wegen Corona geschlossen waren, wird auf den Zeugnissen verschwiegen. „Die Zeugnisse erhalten grundsätzlich keine Bemerkung, dass der reguläre Unterrichtsbetrieb aus Gründen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zeitweise nicht stattfinden konnte“, steht in einer Anweisung der Bildungsverwaltung, die dem KURIER vorliegt. Behördensprecher Martin Klesmann: „Wir wollen diesen Jahrgang nicht stigmatisieren.“  Es solle nicht der negative  Eindruck entstehen, dass eine Leistung unter besonderen Bedingungen erbracht wurde. 

Der Corona-Hinweis fehlt auch bei Fächern, wo der Unterricht ausfiel. Es gibt nur die Bemerkung „nicht erteilt“. In Sonderfällen, wie beim Schwimmunterricht, wird nur auf die Schließung der Schwimmbäder hingewiesen.

Eine Ehrenrunde dreht kaum ein Schüler. Das Sitzenbleiben wurde in Berlin 2010 abgeschafft. Aber es gibt Ausnahmen. Nach Absprache mit dem Lehrer können leistungsschwache Schüler ein Jahr länger an Sekundarschulen oder Gymnasien „verweilen“. In Brandenburg werden wegen Corona erstmals alle Schüler versetzt.