In Grunewald hat ein umstürzender Baum einen Mercedes-SUV zerstört. Imago/Zeitz

Das ganze Ausmaß der von „Ylenia“ und „Zeynep“ verursachten Schäden ist noch gar nicht erfasst, da droht bereits neues Ungemach: „Antonia“. Zum Wochenwechsel rauscht der dritte Sturm über Berlin und Brandenburg – so schlimm wie in den vergangenen Tagen wird es aber voraussichtlich nicht.

Nach einem verregneten und windigen Sonntag soll Sturmtief „Antonia“ ab dem späten Abend Böen mit einer Windgeschwindigkeit zwischen 65 und 90 Stundenkilometern mit sich bringen, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Sonntag sagte. In der Nacht ist demnach mit Gewittern zu rechnen, die zeitweise auch für schwere Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde sorgen könnten.

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Auch am Montagvormittag wird es zunächst stürmisch, bis der Wind am Nachmittag voraussichtlich abflaut. Einzelne Gewitter und Graupelschauer setzen dann nach den Angaben vom Sonntag den Ton für das Wetter in der kommenden Woche: Es bleibt wechselhaft und windig bei Spitzentemperaturen zwischen sechs und neun Grad.

Große Teile des Daches vom Charité-Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in der Aßmannshauser Straße liegen auf dem Gehweg. dpa/Carstensen

Nach Sturmtief „Zeynep“ dauert der Ausnahmezustand bei der Berliner Feuerwehr an. Nach Angaben eines Sprechers waren am Sonntagmorgen gegen 9 Uhr noch 35 Einsätze abzuarbeiten, die im Zusammenhang mit dem Sturm standen. Ausnahmezustand bedeutet in diesem Fall, dass so viele Alarmrufe eingehen, dass sie nicht mehr – wie sonst üblich – nacheinander abgearbeitet werden können, sondern andere Prioritäten gesetzt werden.

Von Freitagabend bis Samstagabend musste die Feuerwehr 2033 Mal wegen des Sturms ausrücken

Die Berliner Feuerwehrleute sind seit vergangenen Donnerstag wegen heftiger Stürme im Dauereinsatz. Sturmtief „Zeynep“ bescherte den Feuerwehrleuten von Freitagabend bis Samstagabend 2033 wetterbedingte Einsätze. Das waren noch mehr Fälle als knapp zwei Tage zuvor bei Sturmtiefs „Ylenia“, wo die Feuerwehr 1366 wetterbedingte Einsätze verzeichnete

Bei dem heranziehenden Sturm geht besondere Gefahr von Bäumen aus, wie DWD-Meteorologe Adrian Leyser erklärt. „Die ohnehin durch die vorangegangenen Stürme in Mitleidenschaft gezogenen und in teilweise stark aufgeweichten Böden stehenden Bäume können dabei leicht umstürzen.“

Zum Glück kam gerade niemand vorbei: Ein alter, knorriger Baum ist auf dem Gehweg an der Warschauer Brücke umgestürzt. dpa/Riedl

„Zeynep“ sorgt für Schäden von über 900 Millionen Euro, dazu kommen 500 Mio. für  „Ylenia“

Orkantief „Zeynep“ hatte zum Start ins Wochenende für Sturmflut im Norden, Ausfälle im Bahnverkehr und Unfälle auf den Straßen gesorgt. Mindestens drei Menschen starben. Nach einer ersten Schätzung verursachte „Zeynep“ versicherte Schäden von über 900 Millionen Euro. Der Sturm sei der intensivste seit „Kyrill“ im Jahr 2007 gewesen, teilt die auf Versicherungsmathematik spezialisierte Unternehmensberatung Meyerthole Siems Kohlruss mit. Die versicherten Schäden des vorangegangenen Sturms „Ylenia“ hatte das Unternehmen auf 500 Millionen Euro geschätzt. Die Gesamtschäden sind bei Stürmen in aller Regel höher, zum Teil ganz erheblich.

Hunderte Züge fielen aus, auch noch bis in den Montag hinein. Auf über 1000 Streckenkilometern gibt es Schäden an der Bahninfrastruktur. dpa/Weihrauch

Immense Folgen hatten die Sturmtage auch für den Reiseverkehr. Die Deutsche Bahn (DB) hatte den Zugverkehr am Freitag teilweise eingestellt, die vor allem den Norden betreffenden Ausfälle hielten am Wochenende vielfach an. „Die Prognose für den Sonntag und auch den Montag bleibt schwierig“, erklärt DB-Sprecher Achim Stauß. Auf über 1000 Streckenkilometern gibt es Schäden an der Bahninfrastruktur. Räumtrupps sind rund um die Uhr im Einsatz, um umgestürzte Bäume zu beseitigen und Oberleitungen zu reparieren.

Zugausfälle wird es bis in den Montag hinein geben

Aufgrund der Unwetterschäden ist im Norden Deutschlands und in Nordrhein-Westfalen bis mindestens Montagnachmittag mit Verspätungen und Zugausfällen zu rechnen, teilt die DB mit. Weiterhin verkehren keine Fernverkehrszüge nördlich von Dortmund und Berlin. Zwischen Berlin, Hannover und Köln sowie München, Hannover, Bremen und Hamburg fahren vereinzelt ICE-Züge.

Feuerwehrleute retten in der Speicherstadt Hamburg einen Mann aus seinem Auto, der von der Sturmflut beim Hochwasser der Elbe überrascht wurde. dpa/Bockwoldt

Hamburg erlebte beim „Zeynep“-Durchzug erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In Bremen krachte ein 55 Meter großer Baukran in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude, in Hamburg stürzten bei einem viergeschossigen Wohnhaus Teile der Fassade ein. In Bad Zwischenahn (Niedersachsen) kippte eine rund neun Meter hohe Fichte auf ein Klinikgebäude, verletzt wurde niemand. Die Nordseeinseln Wangerooge und Langeoog büßten erhebliche Teile ihres Badestrandes ein.

Auch wenn der Start in die Woche womöglich noch einmal wild wird: Zum Dienstag soll sich das Wetter endlich beruhigen.