Yasin und seine Freundin Jessica auf dem Benjamin Franklin-Campus in Steglitz. Sie unterstützt ihm bei seinem schweren Kampf ums Überleben. Foto: Volkmar Otto

Yasin (24) und Jessica (24) stehen auf einer Brücke in Verona und lachen fröhlich in die Kamera. Sie sind jung und frisch verliebt und haben noch viele Pläne. Doch drei Monate nach dieser Aufnahme, die in ihrem ersten gemeinsamen Urlaub in Italien entstanden ist, legen sich Schatten auf ihr Glück. Yasin ist zum dritten Mal an Leukämie erkrankt und wird bald sterben, wenn er keinen geeigneten Stammzellenspender findet. Deshalb sucht er verzweifelt nach einem Lebensretter. Viel Zeit dafür bleibt ihm allerdings nicht. 

„Wir haben uns auch noch so viel vorgenommen. Wir wollen die Tempel in Japan anschauen und durch das Camino-Gebirge in Spanien wandern“, sagt Yasin. Gerade holt er nach einer Lehre als Einzelhandelskaufmann in der Automobilbranche, die er trotz seiner ersten und zweiten Krebserkrankung abgeschlossen hat, sein Abitur am Charlotte Wolff Kolleg in Wilmersdorf nach. Yasin möchte danach Lehramt studieren. 

Doch gerade hat der böse Krebs seine Pläne zum dritten Mal durchkreuzt. Es war der 27. Januar 2017 als Yasin zum erste Mal die niederschmetternde Diagnose Leukämie (Blutkrebs) bekam. „Ich fühlte mich schon davor viele Wochen schlapp, hatte keinen Appetit und ständig Herzrasen“, erinnert er sich. Zunächst habe er es beim Sport bemerkt, dass er nicht mehr so viel Kraft wie früher hatte, später auch bei kleinsten Anstrengungen wie Treppensteigen. „Ich war nachher noch nicht mal mehr in der Lage die 100 Meter von der Bushaltestelle zu meiner Ausbildungsstätte zu laufen, ohne dass ich eine Verschnaufpause einlegte“, sagt er. Sein Hausarzt habe ihm nach einem Bluttest, der schlechte Werte aufzeigte, sofort in eine Klinik überwiesen. Dort erfuhr er, was hinter seiner Kraftlosigkeit steckte.

Neun Monate Chemotherapie

„Es hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt Yasin. Doch er kämpfte sich tapfer durch neun Monate Chemotherapie, während der er aufgrund des hohen Infektionsrisikos isoliert in seinem Zimmer an der Charité liegen musste.  Besucher mussten sich vorher eine Maske aufsetzen und einen Schutzanzug überstreifen, wenn sie ihn sehen wollten. Dann bekommt Yasin auch noch eine schwere Hirnhautentzündung, die seinen Körper noch mehr schwächt. Im Oktober bekam er von seinem älteren Bruder Daniel Stammzellen gespendet, da es seine einzige Chance auf Heilung war. 

Nach der Tortur kämpfte sich Yasin Schritt für Schritt zurück ins Leben. „Ich konnte anfangs noch nicht einmal mehr geradeaus laufen, weil ich solange nur im Bett gelegen hatte“, sagt er. Aber er gab nicht auf und schaffte es sogar, seine Ausbildung zu beenden, obwohl er so viel Lehrstoff aufgrund seiner Fehlzeiten verpasst hatte. Der Schüler glaubte, alles überstanden zu haben, bis seine Ärzte bei ihm im Januar 2019 ein Rezidiv entdeckten. Abermals warf es Yasin, der gerade auf dem zweiten Bildungsweg seine Hochschulreife nachholen wollte, zurück. Die Mediziner versuchten, ihm diesmal mit einer neuartigen Krebsimmuntherapie im Rahmen einer Studie zu helfen, einer so genannten Car-T-Zell-Therapie. Dazu musste Yasin nach Würzburg reisen und dort wochenlang im Universitätsklinikum verbringen. Doch auch die versprach nicht den nötigen Erfolg, denn im Juni 2020  wurde bei ihm nach einer Knochenmarkpunktion ein zweites Rezidiv fest gestellt. Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sich Yasin nur wenige Monate zuvor in seine Mitschülerin Jessica verliebt hatte und sie auch in ihn.

Nur noch einen Hoffnungsschimmer

Für das Paar bedeutet das, dass es nur noch einen Hoffnungsschimmer gibt: Yasin muss so schnell wie möglich einen Stammzellenspender finden, damit er überlebt und der kann diesmal nicht aus der Verwandtschaft kommen. Da Yasin sowohl türkische als auch kroatische Wurzeln hat, ist die Suche noch schwerer als sie ohnehin schon ist, da bestimmte Merkmale überein stimmen müssen. Deshalb hat seine Familie gemeinsam mit der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine Typisierungsaktion online www.dkms.de/yasin ins Leben gerufen. Online, weil im Rahmen der Corona-Pandemie keine größeren Veranstaltungen stattfinden dürfen. Am Rechner, Tablet oder Smartphone ist die Registrierung ganz einfach: Mit ein paar Klicks könnend die Unterlagen nach Hause bestellt werden. „Es ist mit so wenig Aufwand verbunden, ein Leben zu retten.  Selbst wenn er mein eigenes nicht retten kann, kann er auch anderen Betroffenen helfen“, sagt Yasin.

Yasin hat während seiner zahlreichen Klinikaufenthalte viele kranke Menschen gesehen. „Sie haben so viel durchgemacht und so gelitten. Sogar eine Mutter mit einem neugeborenen Baby war darunter. Sie durfte wegen der Infektionsgefahr ihr eigenes Kind nicht in den Arm nehmen. Es war sehr traurig anzusehen“, sagt er. Manche von ihnen hätten den Kampf gegen den Krebs verloren. 

Yasin hat noch eine Chance zu überleben, aber er schafft das nicht allein. „Bitte helft mir, liebe Berliner diesen erneuten Kampf zu überstehen und lasst euch registrieren“, fleht er. Aufgeben ist für den jungen Mann keine Option. Seine Freundin Jessica, seine Eltern Hanim und Stevo, sein Bruder Daniel und seine Schwester Yasemin sind fest an seiner Seite. „Er ist das jüngste Kind, wir lieben ihn alle, ihm darf einfach nichts passieren. Er hat gerade erst seine große Liebe gefunden und möchte dieses Glück nicht sofort wieder verlieren“, sagt Yasemin.