Attila Hildmann auf einer Corona-Leugner-Demo vor dem Bundestag. Imago/F. Bungert

Noch vor gut einem Jahr war Attila Hildmann schlicht ein prominenter Vegan-Koch, der es durch seine impulsive Art immer wieder in die Medien schaffte. Inzwischen ist er einer der bekanntesten Verschwörungsideologen Deutschlands. Seit Beginn der Corona-Pandemie, die der Berliner eifrig leugnet, äußert er sich immer wieder antisemitisch, sieht überall den Thron Satans (u.a. im Pergamonmuseum) und zeigt sich gerne mit Rechtsextremisten jeglicher Couleur. Seit Februar gibt es einen Haftbefehl gegen ihn, doch dem konnte sich der 40-Jährige entziehen. Und das wirft die Frage auf: Gibt es bei der Berliner Justiz einen Maulwurf?

Berliner Staatsanwaltschaft sucht den rechtsextremen Maulwurf

Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft jedenfalls laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung (SZ) und des WDR, ob eine Person aus dem Justizwesen den rechtsextremen Verschwörungsideologen Attila Hildmann gewarnt habe. Aus dem Bericht geht hervor, dass die Behörde ein Ermittlungsverfahren wegen „Verrat von Dienstgeheimnissen“ eingeleitet hat. Bislang allerdings gegen „Unbekannt“.

Laut den Recherchen von WDR und SZ habe sich die zuständige Haftrichterin am Amtsgericht Tiergarten am Nachmittag des 19. Februar für einen Haftbefehl gegen Attila Hildmann entschieden. Zuvor war bereits länger wegen Volksverhetzung, öffentlicher Aufforderung zu Straftaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gegen den Koch ermittelt worden. 

Lesen Sie auch: Neuer Ärger für flüchtigen Vegan-Koch Attila Hildmann: Rausschmiss bei Amazon und Lieferando >>

Informiert wurde die Staatsanwaltschaft über diesen Haftbefehl allerdings erst am darauffolgenden Montag. Bereits am Wochenende soll allerdings Hildmann selbst von dem Haftbefehl gegen ihn erfahren haben. In der Nacht auf Sonntag verbreitete er in seinem Telegram-Kanal die Nachricht eines anderen Verschwörungsideologen, wo es heißt: „Uns wurde heute sicher bestätigt, dass für Attila Hildmann ein Haftbefehl wegen des Aussprechens der Wahrheit vorliegt.“ Zudem heißt es, dass Hildmann „dringend untertauchen“ müsse. 

Attila Hildmann demonstrierte im vergangenen Sommer oft zusammen mit Rechtsextremisten verschiedener Lager. Imago/Christian Thiel

Das Problem: Da die Staatsanwaltschaft da noch nicht über den Haftbefehl informiert gewesen ist, sei der die Gruppe die Kenntnis davon gehabt habe, noch recht klein gewesen. Laut der Recherche waren darunter mit Sicherheit die Haftrichterin, deren Mitarbeiter, eine Sekretärin der Geschäftsstelle und ein Sicherheitsmann, der die Akte transportierte. Hildmann sagte später, Polizisten hätten an dem Wochenende seine Mutter besucht und ihr gesagt, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorliege.

Was an alledem dran ist, ist unklar. Es ist durchaus möglich, dass die Hildmann und seine verschwörungsideologischen Komplizen nur einen Glückstreffer mit ihrer Haftbefehl-Prognose gelandet haben. Sicher ist aber auch: Immer wieder werden rechtsextreme Strukturen in Polizei und Justiz aufgedeckt – auch in Berlin. Es wäre nicht unvorstellbar, dass Hildmann über diese Strukturen tatsächlich Einblick in die Ermittlungen gegen ihn hatte. 

Lesen Sie auch: Nach seiner Flucht vor der Justiz: So heftig verhöhnt Attila Hildmann die Berliner Staatsanwaltschaft >>

Denn der Vegan-Koch hatte sich bereits rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Schon seit Mitte Dezember 2020 soll Hildmann nicht mehr an seinem Wohnsitz in Wandlitz bei Berlin gewesen sein. Aktuell soll er sich in der Türkei aufhalten. Schon im vergangenen Jahr pflegte Hildmann Kontakte zu den türkischen Rechtsextremisten der Grauen Wölfe.