Roger Waters im Juli bei einem Konzert in Kanada
Roger Waters im Juli bei einem Konzert in Kanada imago

Pink Floyd ist eine der erfolgreichsten Bands der Musikgeschichte. Seit der Auflösung der von ihm mitgegründeten Band tourt Sänger und Bassist Roger Waters (79) unermüdlich durch die Welt – und verbreitet umstrittene Ansichten zu Israel und dem Judentum. In mehreren Statements verglich er das Vorgehen israelischer Sicherheitskräfte gegen Palästinenser mit dem Holocaust, dem rund sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Statt von der Ermordung der Juden unter dem Naziregime sprach er in einem dieser Statements von deren „Unterdrückung“. Darüber hinaus unterstützt Waters die israelfeindliche Organisation Boycott, Divestment and Sanctions (BDS), die den Staat Israel isolieren will.

Im Mai 2023 tourt Roger Waters durch Deutschland, wird am 17. Mai in der Berliner Mercedes-Benz-Arena erwartet. Im Vorfeld dieses geplanten Auftritts hagelt es nun Kritik, der sich sogar sein eigener Tourveranstalter anschließt. In der B. Z. fordert Berlins Antisemitismusbeauftragter Samuel Salzborn jetzt, das Konzert abzusagen. Waters sei „eine der lautesten Stimmen im Musikgeschäft, die antiisraelischen Antisemitismus verbreiten“. Wenn man es ernst mit dem Kampf gegen Antisemitismus meine, dürfe man Waters keine Bühne geben.

Konzertveranstalter distanziert sich von Roger Waters

Zuvor waren gleichlautende Forderungen von den Antisemitismusbeauftragten in Bayern und Hessen gekommen, wo ebenfalls Konzerte geplant sind. Sogar der Veranstalter der Tour distanzierte sich am Dienstag von den politischen Positionen des britischen Musikers.

„Unsere Vertragsunterzeichnung und die damit verbundenen Verpflichtungen für die betreffenden Shows von Roger Waters fallen in eine Zeit, bevor der Künstler Aussagen getätigt hat oder wir Kenntnis über einzelne Statements hatten, die wir selbst problematisch finden und keinesfalls unsere eigenen Ansichten widerspiegeln“, sagte ein Sprecher des in Hamburg ansässigen Konzertveranstalters FKP Scorpio der dpa. „Wir stehen darüber auch in engem Dialog mit dem Management, das über den berechtigten Diskurs informiert ist und unsere eigenen Ansichten kennt.“

Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker hatte Waters am Montag scharf kritisiert: Waters habe sich „immer mehr zu einem hasserfüllten Gegner des Staates Israel entwickelt“. Er trete „mit zunehmender Aggressivität“ für die antisemitische Boykottbewegung BDS ein, sagte Becker. Deren Ziel ist laut Kritikern, den Staat Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch zu isolieren.

Boykott-Forderungen gegen Waters’ Konzerte in Frankfurt und München

„Waters nutzt seit Jahren seine Bekanntheit, um in diffamierender Weise gegen den jüdischen Staat zu hetzen und dessen Legitimation infrage zu stellen“, sagte Becker. „Waters ist ein schlimmes Beispiel für aggressiven, israelbezogenen Antisemitismus und er sollte daher in Hessen keine künstlerische Plattform erhalten.“ Er rief die Konzertveranstalter auf, das für den 28. Mai 2023 in der Frankfurter Festhalle geplante Konzert nicht durchzuführen.

Anfang Oktober hatte bereits der Antisemitismusbeauftragte Bayerns, Ludwig Spaenle, die Stadt München aufgefordert, den Vertrag für das Konzert in der Olympiahalle zu kündigen, sollte Waters sich nicht von der Boykott-Bewegung distanzieren.

Laut Becker habe Waters auf Konzerten unter anderem Ballons in Schweineform mit dem Davidstern aufsteigen lassen. „Hier hetzt ein bekannter Künstler mit all seiner medialen Wirkung gegen Israel und gegen jüdisches Leben“, sagte Becker. „Roger Waters ist mit seinem antisemitischen Weltbild in Hessen nicht willkommen.“