Katharina Hoffmann als prominentes Gesicht bei der Demo der Kulturschaffenden am Breitscheidplatz: Die Solo-Schauspielerin wurde durch ihre öffentlichen Videos bekannt, in denen sie gegen das bürokratische Hartz IV-Antragsverfahren wetterte. Foto: Sabine Gudath

Katharina Hoffmann (54) kämpft weiter. Für sich, aber auch für ihre Kollegen aus der Künstlerszene. Zuletzt berichtete der KURIER über die Berliner Solo-Schauspielerin aus Friedrichshain, weil sie in den sozialen Netzwerken in einer Video-Botschaft an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) ihren Unmut über das Hartz IV-System deutlich machte. Nun ging sie am Sonntag auf die Straße, um gemeinsam mit ihren Kollegen auf ihre existenzbedrohende Situation in der Corona-Krise aufmerksam zu machen.

Mit lauten Trommelwirbeln und Transparenten, zum Teil wild und bunt kostümiert, versammeln sich Hunderte von Kulturschaffenden bei subtropischen Temperaturen am Breitscheidplatz, um gemeinsam zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor weiter zu ziehen. Unter ihnen Katharina Hoffmann im eleganten altroséfarbenen Sommerkleid und schwarzen Flipflops. Sie bewegt sich rhythmisch zur Musik. Unterkriegen lassen wolle sie sich nicht. Auf gar keinen Fall, so sagt sie den Reportern, die sich auf sie fokussiert haben. Da sie inzwischen schon das zweite Video produziert hat, in dem sie öffentlich auf ihrer Facebook-Seite gegen die in ihren Augen fragwürdige Bürokratie der Arbeitsagentur wettert, ist sie bereits weit über die Grenzen der Hauptstadt bekannt. Zuletzt habe sie vor den Jobvermittlern glaubhaft machen müssen, so sagt sie in dem Video, dass sie mit einem Bekannten, der vorübergehend bei ihr einzog, nicht liiert gewesen sei, da man sie sonst als Bedarfsgemeinschaft eingestuft hätte. In dem Video schlug sie dem Jobcenter vor, dem Mitarbeiter „ein kleines Büro“in ihrem Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer einzurichten, damit er selbst „mal kieken“ könne und sich „ein Bild von ihrem Leben“ machen könne.

Nun ist sie wieder im Mittelpunkt und gibt den Reportern zahlreicher Medien Interviews. Was sie besonders störe, sei die Ungleichbehandlung. „Wenn es schon Regeln gibt, dann müssen sie für alle gelten“, sagt sie. Für Fluggesellschaften, Gastronomen und  sogar für private Prostituierte gebe es Sonderregelungen in einigen Bundesländern. „Die können im Flieger dicht an dicht sitzen und in privaten Puffs sogar Geschlechtsverkehr haben“, sagt sie empört. Nur sie könnten nicht auftreten.

Hoffmann ärgere das, dass für ihre Branche so wenig getan werde. Besonders Künstler an den privaten Theatern, die nicht staatlich subventioniert würden, stehe das Wasser bis zum Hals und könnten nur noch Hartz IV anmelden. „Wir werden vom Staat behandelt, wie die letzten Deppen und offensichtlich sind wir das auch“, so Hoffmann. Die täten so, als würden sie ihrem Hobby nachgehen, dabei sei das ihr Beruf, mit dem sie bis vor dem Lockdown ihren Lebensunterhalt verdient hätten und das auch gern wieder tun würden. Wie lange soll unsere Zwangspause noch andauern? Was machen wir, wenn wir keinen Impfstoff finden, so fragt sich die Schauspielerin, die bis vor Corona noch auf der Kleinkunstbühne Scheinbar und auch im Fernsehen („Soko Wismar“, „Ladies Night“ mit Gerburg Jahnke) zu sehen war. 

Katharina Hoffmann wolle das Virus auf keinen Fall kleinreden, aber sie erhofft sich, dass nicht nur die Regeln einheitlicher gemacht werden, sondern wünscht sich auch einen transparenteren Umgang mit den Infektionszahlen. „Ich möchte genau wissen, warum die Zahlen jetzt wieder steigen. Wurde mehr getestet? Und wie verläuft die Krankheit bei den Betroffenen genau, welche Symptome haben sie?“

Zwar müsse in Deutschland keiner verhungern, aber vom Staat abhängig zu sein, sei keine befriedigende Situation. „Ich habe auch keine Patentlösung, aber ich möchte, dass man uns Künstler endlich ernst nimmt“, sagt Katharina Hoffmann. Und das war bestimmt nicht ihr letzter Auftritt bei der Demo. Gewiss nicht. „Ich kämpfe weiter“, sagt sie und lacht. Dabei ist ihr, wie allen anderen freischaffenden Künstlern, wohl gerade eher nach weinen zumute.