Friederike Hagedorn mit ihren beiden dreijährigen Kindern Connor (3) und Kellan (3) Foto: Volkmar Otto

Wann kehrt wieder Normalität in den Familienalltag ein? In den Schulen herrscht immer noch kein regulärer Betrieb. Immerhin soll jedes jüngere Kind noch in diesem Monat wieder eine Kita besuchen, kündigte die Senatsbildungsverwaltung an.  Der KURIER hat mit der dreifachen Mutter Friederike Hagedorn (36) aus Lichterfelde gesprochen. Sie erzählt, warum ihre Familie momentan von der täglichen Routine noch weit entfernt ist.

„Mein Mann und ich sind am Ende unserer Kräfte“, sagt Friederike Hagedorn. Mit ihrer eigenen Geschichte will sie deutlich machen, wie sehr sie noch immer unter den Auswirkungen der Corona-Krise leidet und warum sie sich als Eltern von den Politikern im Stich gelassen fühlen.

Tage vollgepackt bis oben hin

Der Tag beginnt für Friederike Hagedorn um 5.30 Uhr. Dann weckt sie ihre dreijährigen Zwillinge, wäscht und zieht sie an. „Meistens bringt mein Mann sie danach in die Kita, wenn er keine Nachtschicht hatte.“ Dann fährt sie zur Arbeit, ein Labor, in dem sie als MTA arbeitet. „Eigentlich bin ich  für 38,5 Stunden angestellt, aber ich schaffe nur 35 , da meine Kinder in der Notbetreuung sind“, sagt sie. Die Minusstunden müsse sie binnen 14 Tagen nachholen. „Ich arbeite sie ab, wenn mein Mann frei hat“, so Hagedorn.

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Wenn Friederike um 15.15 Uhr Feierabend macht, fährt sie zur Kita. Danach geht sie mit den Kindern einkaufen und auf den Spielplatz. Wenn die Kleinen nach dem Abendessen im Bett sind, müssten sie noch die Aufgaben ihres älteren Sohnes (13)  kontrollieren, der gerade nur einmal pro Woche in die Schule geht. „Er arbeitet schon selbständig, aber benötigt auch noch unsere Hilfe“, so die Mutter. Anschließend würden Hausarbeiten wie Abspülen, Wäschewaschen und Putzen erledigt. Ihr Tag ende gegen 23 Uhr. Oft schlafe sie dann mit dem Gedanken ein, was wäre, wenn ihre Kinder wieder krank würden. Denn schon mit leichten Erkältungssymptomen dürften sie nicht in die Kita.

Ihren Jahresurlaub haben die Hagedorn fast aufgebraucht, als sie die Notbetreuung noch nicht  in Anspruch nehmen konnten. „Wenn die Kita in den Sommerferien schließt, haben wir ein Problem“, sagt Friederike Hagedorn.

„Was wir brauchen, ist kein Geld, sondern Betreuung“

300 Euro Corona-Kindergeld würden all das, was sie gerade durchmachten, nicht entschädigen. „Ich begreife nicht, warum die Politiker uns Eltern nicht mal zuhören können? Was wir brauchen, ist kein Geld, sondern Betreuung“, sagt sie. Friederike Hagedorn befürchtet, dass die Erkrankungen zunehmen könnten. Der Dauerstress mache die Familien kaputt. In ihrem Umfeld würden deshalb schon starke Frauen und auch Männer in der Psychiatrie behandelt. Sie glaube auch nicht an eine Normalisierung, bevor kein Impfstoff vorhanden sei.

Friederike Hagedorn habe die Situation so zugesetzt, dass sie nicht wisse, ob sie noch einmal Kinder in die Welt setzen würde. „Ich fürchte, damit bin ich nicht allein. Diese Krise wirkt abschreckend für künftige Familienplanung“, glaubt sie. Oft habe sie schon nach dem Aufwachen Angst, weil sie nicht wisse, wie sie den Tag schaffen soll. Sie sagt: „Wir haben noch längst keine Normalität. Die Folgen der Krise werden sich noch zeigen.“