Leon packt gemeinsam mit seiner Mutter Leon das Geschenk aus, das er sich so sehnlichst zu Weihachten gewünscht hat. Foto: Sabine Gudath

Das große Paket passt kaum in Leons kleine Hände. In Windeseile reißt er das Papier herunter und lacht vor Freude, als er die Polizeistation aus Lego sieht, die er sich so sehr gewünscht hat. Für den schwer kranken Dreijährigen aus Zepernick und seine Mutter Julia ist das ein besonderer Moment, weil er sie für kurze Zeit aus ihrem Klinikalltag heraus holt. In Zeiten von Corona ist er wegen der Besuchsbeschränkungen noch trister als sonst. Ermöglicht hat ihnen und etwa 59 weiteren Patienten der Kinderonkologie aus dem Helios-Klinikum Berlin-Buch diese vorweihnachtliche Überraschung, der European Police Car Unit e.V. (EPCU) gemeinsam mit dem Verein Kolibri e.V. und die freiwillige Feuerwehr Pankow und Blankenburg. 

Die Blaulichter funkeln in der Dämmerung, weihnachtliche Musik tönt aus den Lautsprechern, als die Streifenwagen, Feuerwehren und Polizei-Motorräder am Dienstagabend in Kolonne auf das Klinikgelände fahren.  „Ich habe wirklich Gänsehaut. So eine Veranstaltung habe ich noch nie erlebt“, sagt Andreas Landgraf vom Verein Kolibri - Hilfe für krebskranke Kinder e.V. In Tagen wie diesen ist auch bei den ehrenamtlichen Helfern noch einmal mehr Improvisation und ihr Organisationstalent gefragt. Da die Weihnachtsfeier auf der Kinderonkologie erstmals wegen der Pandemie ausfallen muss, ist diese außergewöhnliche Idee entstanden. Statt auf die Station, kamen die rettenden Helfer in diesem Jahr vor das Krankenhaus gefahren. 

Leon mit seinem Vater Sven (32) und Mutter Julia (30) vor dem Helios-Klinikum Berlin-Buch
Foto: Sabine Gudath

Das Geschenk von Leon ist eines der 60 Wünsche der krebskranken Kinder, die Andreas Landgraf und sein Team noch vor Weihnachten erfüllen wollen. Darunter sind Laptops, Fahrräder, Carrera-Bahnen und Spielkonsolen. Die restlichen Präsente sollen am kommenden Donnerstag gemeinsam mit Hertha-Profi Maximilian Mittelstädt überreicht werden. „Meinem Mann sind die Tränen gekommen. Wir haben nicht gewusst, dass es Menschen gibt, die so viel Gutes tun“, sagt Leons Mutter Julia V. Momentan ist sie mit ihrem Kind zwei Mal in der Woche ambulant in der Klinik, da Leon Chemotherapien bekommt. Er leidet an der seltenen Erkrankung Langerhans-Zell-Histiozytose mit einem schlimmeren Verlauf, bei der gleich mehrere Organe befallen werden können. „Leon erkrankte Ende August und sein Gesicht schwoll plötzlich über Nacht stark an. Es ging um Leben und Tod“, erinnert sich Julia V. 

Das Schicksal von Leon und all der anderen schwer kranken Kinder hätten ihn sehr bewegt, so sagt Christian Böhm vom EPCU dem KURIER. Der European Police Car Unit e.V., ein Zusammenschluss aus Privatpersonen, die eine Leidenschaft für ausgediente US-Einsatzfahrzeuge verbindet, engagiert sich in der Freizeit regelmäßig für soziale Einrichtungen und Hilfsprojekte. „Einer unserer Helfer ist heute extra aus Stade (bei Hamburg) gekommen und 800 Kilometer in seinem Ford Expedition gefahren, um den Kindern eine Freude zu machen“, so Böhm.

Die Kinder, die zu krank sind, um das Spektakel draußen mitzuerleben, beobachten das Geschehen an diesem Abend gespannt aus den Fenstern der Station. Sie winken den Einsatzkräften und Helfern zu und zücken abwechselnd ihre Kameras und Handys. Draußen stimmen die Patienten und Mitarbeiter völlig losgelöst zur Weihnachtsmusik mit ein. Beinahe vergessen sind all ihre Sorgen und Schmerzen. Wenigstens für einen kurzen Augenblick.