Tierpark-Chef Andreas Knieriem leitet seit fast sechs Jahren den größten Landschaftszoo Europas. Foto: Otto

Der Tierpark ist 65 Jahre alt geworden. Für Andreas Knieriem (54) sind es nun fast sechs Jahre, in denen er neben dem Zoo auch den größten Landschaftstiergarten Europas in Friedrichsfelde leitet. Der KURIER traf ihn zum Interview im Café Kakadu. Knieriem hat sich die Zeit genommen, obwohl es für ihn viel zu tun gibt. Neue Projekte stehen an, die Corona-Krise hat auch stark den Tierpark getroffen. Themen, über die wir nun sprechen wollen.

KURIER: Herr Knieriem, wer Glück hat, kann Sie sonntags im Tierpark mit ihrem Hund spazieren gehen sehen …

Knieriem: Ja, wir lieben ihn. Diesen weiten Landschaftspark, seine wunderschöne Natur, man merkt gar nicht, dass man mitten in der Stadt ist. Alles ist hier gepflegt. Man merkt, dass Dathe, der dieses Areal gestaltet hat, ein Ästhet war. Er wollte den Tierpark sehr, sehr schön haben. Von diesem Gedankenbild bin ich nicht weit weg. Der Park bietet heute viel Potential, um Tiere in dieser Landschaft zeitgemäß und artgerecht zu präsentieren.

Was bedeuten 65 Jahre für den Tierpark? In diesem Alter geht man doch in Rente.

Der Tierpark nicht. Sicher, Menschen denken bei diesem Alter an den wohlverdienten Ruhestand. Der Tierpark ist dagegen noch sehr jung. Verglichen mit einem Menschenleben ist er vielleicht gerade 25 Jahre alt. Seine Geschichte, die bis heute geschrieben wurde, ist die Blaupause für seine Zukunft. Der Tierpark entwickelt sich weiter. Wir haben noch viel vor.

Dromedare dürfen sich über eine Torte aus Heu, Melonen und Paprika zum 65. Tierpark-Geburtstag freuen. Foto: dpa

Was kommt denn da auf uns zu?

Es gilt, die traditionellen Anlagen in die Zukunft zu führen. Da wäre der Umbau des Dickhäuterhauses, das zum Mittelpunkt der neuen Afrika-Welt im Tierpark wird. Die Planungen sind fertig, wir benötigen nur noch die behördlichen Bescheinigungen. Und einige Elefanten, wie unser Edgar, müssen noch in andere Zoos untergerbracht werden. Spätestens im September geht es los, der Umbau wird zwei Jahre dauern.

Der Umbau ist Teil des Planes, den Tierpark bis 2030 neu zu gestalten. Haben Sie schon die dafür kalkulierten 92 Millionen Euro?

Wir haben inzwischen über die Hälfte der Summe aus Fördermitteln des Bundes, des Landes Berlin oder aus Eigenmitteln des Tierparks zusammen bekommen. Knapp 50 Millionen Euro, die wir in viele Projekte investiert haben. Wie der künftigen Himalaya-Anlage, mit deren Bau wir schon im kommenden Jahr beginnen wollen. Das Geld wurde auch für die Sanierung der Sanitäranlagen verwendet. Bald sind alle fertig, einige müssen innen noch dekoriert werden.

Dekoriert?

Ja, unsere Besucher sollen sich überall im Tierpark wohl fühlen – auch auf den Toiletten. Auch das ist wichtig. So einen Tierpark zu betreiben, der quasi wie ein großes Dorf ist, ist schon aufwendig. Als ich hier vor sechs Jahren anfing, haben wir als erstes die Schwächen in der Infrastruktur behoben. Zum Beispiel die Wasser-, Heizungs- und Elektrosysteme, die im Park dringend saniert werden mussten.

Baumkänguru Nunsi gibt es im Juli zu sehen, wenn das Alfred-Brehm-Haus wiedereröffnet wird. Foto: Tierpark Berlin

Zur Neugestaltung gehört auch das Alfred-Brehm-Haus. Wann dürfen wir die dort neu entstandene Regenwald-Welt sehen?

Noch im Juli werden wir eröffnen.

Der Tierpark-Geburtstag wäre ein schöner Anlass gewesen. Warum gab es kein großes Fest?

Eigentlich feiert man Jubiläen alle zehn Jahre. Aber wir wollten auch nicht den 65. Geburtstag übergehen, den wir nun mit der Eröffnung der wunderbaren Buddy-Bear-Ausstellung begangen haben. Das Problem war die fehlende Planbarkeit für ein Fest. Wir wussten ja vor Wochen noch nicht einmal, wann wir in der Corona-Krise wieder Tierpark, Zoo und Aquarium öffnen können. Zum Glück haben wir wieder auf, öffnen auch die Tierhäuser wieder.

Kritisiert wurde, dass es beim Online-Ticketkauf keine Ermäßigungen etwa für Sozialschwache gab.

Der Erwerb der ermäßigten Karten muss vor Ort zusätzlich geprüft werden. Dies hätte zu Schlangen an den Eingängen geführt. Eine größere Menschenansammlung war durch die Corona-Verordnung des Senats untersagt, an die sich auch Tierpark und Zoo halten müssen, schon allein aus der Fürsorgepflicht gegenüber allen Besuchern. Auch wir haben mit der Corona-Krise Neuland betreten, bessern kontinuierlich nach. Wir haben nun einen Extrazugang geschaffen, wo Besucher ermäßigte Tickets erwerben können. Auch Besucher ohne Internetzugang haben ab Sonnabend wieder die Möglichkeit, Tagestickets vor Ort zu erwerben.

Wie schwer hat Corona Tierpark und Zoo geschadet?

Es hat uns sehr geschadet. Wenn wir über Verluste sprechen, rechnen wir mit Millionen. Es werden vielleicht Gespräche mit der Politik nötig sein. Wie ich das Land Berlin kenne, wird man uns auch helfen. Aber erst einmal müssen wir es aus eigener Kraft schaffen, die Krise zu meistern. Für das Land Berlin ist Corona schon teuer genug.