Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler Foto: Felix Peter/MDC

Berlin - Das gesellschaftliche Leben in Berlin ruht. Wie lange wird dies dauern? Wie können wir die Corona-Krise meistern? Der KURIER sprach darüber mit Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

Alles hat irgendwann ein Ende - auch Corona?

Ja. Die Menschheit hat schon viele neue Viren erlebt, und sie ist bisher immer damit zurechtgekommen. Mit dem richtigen sozialen Verhalten und mit Hilfe der Wissenschaft und Medizin können wir auch diese Krise bewältigen.

Wann sehen Wissenschaftler dieses Ende?

Das kann man noch nicht sagen. Aber wir wissen ungefähr, was wir tun können, damit es schneller geht: Das Wichtigste zur Zeit ist, und da können alle mitmachen: Solidarität und Disziplin üben. Das bedeutet, soziale Kontakte zu minimieren und auf die Mitmenschen zu achten. Rausgehen bitte nur, wenn es unbedingt nötig ist, also zum Beispiel zum Einkaufen oder zum Arzt. Jeder und jede kann beitragen, um die Pandemie zu verlangsamen und zu stoppen.

Was haben vergangene Epidemien gezeigt, wie lange dauerten diese?

Wenn ein neues Virus kommt, ist die erste Welle der Epidemie immer die heftigste. Über die nächsten Monate und Jahre wird die Immunität in der Bevölkerung zunehmen, und das Virus sich immer weniger ausbreiten.

Wie lange müssen wir in Isolationen ausharren?

Noch steigt die Anzahl infizierter Menschen in Berlin exponentiell, d.h. an jedem Tag kommen mehr neue Fälle hinzu als am Vortag. Erst wenn sich das ändert, kann man über eine langsame Lockerung der Maßnahmen nachdenken.

Was können wir aus der jetzigen Corona-Krise lernen?

Wir haben gesehen, wie schnell es gehen kann. Zuerst dachen sicherlich viele, dass das Virus nur Menschen in China infiziert. Dann haben wir erlebt, was in Italien und Südkorea geschieht. Und jetzt betrifft es viele Menschen weltweit, auch hier bei uns. Globale Probleme lassen sich nur mit internationaler Zusammenarbeit lösen.