Windows 7 hat längst ausgedient, ist aber noch auf 492 Rechnern der Berliner Verwaltung zu finden. Foto: dpa

Auf Computern in Firmen und Behörden arbeitet noch immer ein digitaler Dinosaurier. Das veraltete Betriebssystem Windows 7, das vor genau einem Jahr vom IT-Konzern Microsoft weltweit eingestellt wurde und seitdem nicht mehr technisch unterstützt wird. Zu den Behörden in Deutschland gehört auch die Berliner Verwaltung, die vor einem Jahr den Umstieg auf das modernere Betriebssystem Windows 10 nicht rechtzeitig schaffte. Die Lizenzen zur Weiterführung von Windows 7 musste sich der Senat teuer erkaufen. Erst jetzt stehe man kurz vor der Vollendung der Umstellung der Rechner, heißt es.

Keine Sicherheits-Updates mehr

Es galt, über 85.000 Rechner bei Polizei, Feuerwehr und in den Ämtern der Landes- und Bezirksbehörden umzurüsten. Noch Anfang des vergangenen Jahres liefen etwa 15.300 Computer mit dem alten Betriebssystem, als der Service für Windows 7 am 14. Januar 2020 eingestellt wurde. Seitdem gab es keine Sicherheits-Updates mehr. Zum Jahrestag teilt die Innenverwaltung mit, dass nun 99,9 Prozent aller Rechner auf Windows 10 liefen. „Es gibt nur noch 492 alte Computer, die noch umzustellen sind“, sagte Behördensprecher Martin Pallgen dem KURIER.

Blick in eine Amtsstube: Bei der Umstellung waren nicht nur die Rechner das Problem, auch spezielle Behördenprogramme mussten dem neuen System angepasst werden. Foto: dpa

Was die Innenverwaltung als einen Erfolg sieht, wertet die Opposition als Bummelei. Die Umstellung hätte schon längst beendet sein können, so Bernd Schlömer, Abgeordneter und IT-Experte der Berliner FDP. „Schließlich war schon Jahre vorher bekannt, dass Microsoft den Dienst für Windows 7 im Januar 2020 beenden wird“, sagt er. „Dass die Umstellung schleppend verlief, ist aus meiner Sicht ein Organisationsproblem.“ Dies sei darin begründet, dass der Prozess nicht zentral gesteuert wurde, sondern jede Verwaltung für sich dafür verantwortlich war, so Schlömer.

Um die Rechner mit dem alten System am Laufen zu halten, mussten Lizenzen verlängert werden. „Dafür werden etwa 25 bis 50 Euro pro Jahr und pro IT-Arbeitsplatz verlangt“, sagt Schlömer; er beruft sich dabei auf Experten-Angaben. Damit kostete die Verzögerung bei der Umstellung der Windows-7-PCs in Berlin einen sechsstelligen Betrag im oberen Bereich im Jahr 2020 allein für die Support-Verlängerung bei Microsoft.

Ziel von Hackerangriffen

Das Hauptproblem bei der Umstellung sei nicht der Kauf von mehreren neuen Rechnern gewesen. So manche Behördenprogramme mussten auf das Windows-10-System angepasst werden, etwa das für das Kindergeld, so der FDP-Abgeordnete. „Auf solche Probleme wurde noch bei einer Ausschusssitzung im vergangenen September hingewiesen.“

Laut Experten gehen Firmen und Behörden beim Ignorieren des Support-Endes für Windows 7 ein hohes Risiko ein, weil dies Cyberangriffe erleichtert. So war die Berliner Verwaltung mehrfach Ziel von Hackerangriffen. Auch das Kammergericht Berlin und Computer an der Humboldt-Universität wurden von Trojanern infiziert. (mit dpa)