Mitarbeiter des Landesbetriebes Forst Brandenburg errichten nahe der Neiße einen festen Zaun, damit Wildschweine die Afrikanische Schweinepest nicht aus Polen einschleppen. Solche Zäune sind auch in Berlin angeschafft worden für den Fall, dass die Seuche die Stadt erreicht.   Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Berlin bunkert Zäune. Nicht, um Menschen aus- oder einzusperren, sondern um die Afrikanische Schweinepest (ASP) in dem Fall zu bremsen, dass Wildschweine aus Brandenburg die für sie und für Hausschweine tödliche Seuche in die Stadt tragen.

Die Berliner Forsten haben bereits fünf Kilometer Wildzaun und einen Kilometer Elektrozaun für 24.000 Euro gekauft und weitere zehn Kilometer bestellt. Die Bezirke haben unter der Federführung Reinickendorfs (Stand Mitte September) für 30.000 Euro weitere fünf Kilometer Wildzaun und neun Kilometer Elektrozaun erworben, teilte Ordnungsstadtrat Sebastian Maack (AfD) mit. Mit diesen Kosten liege man weit unter den 900.000 Euro, die laut Maack bei einem externen Anbieter angefallen wären. 

Wildschweine wagen sich weit in Dörfer und Städte hinein. Mit der Afrikanischen Schweinpest infiziert, können sie auch Hausschweine mit der tödlichen Krankheit anstecken. Foto: Steffen Rasche dpa/lno

Maack schildert, was geschehen soll, wenn ein Fall von ASP in einem Berliner Waldgebiet auftritt: „Zunächst kommt im betroffenen Bezirk der Krisenstab zusammen, beurteilt die Lage und entscheidet dann, ob beziehungsweise wo ein Zaun gezogen wird. Die Einzäunung soll verhindern, dass infizierte Tiere ihr angestammtes Gebiet verlassen und die Seuche verbreiten. Anschließend werden weitere, infizierte Tiere gesucht und geborgen. Eine wesentliche Stütze ist dabei das Technische Hilfswerk, welches den Zaun aufbauen und in der Anfangszeit auch die Beräumung der Kadaver übernehmen wird."

Der Krisenstab besteht beispielsweise in Reinickendorf aus dem Leiter des Ordnungsamts, der Amtsärztin und ihrer Stellvertreterin als Leiterinnen der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht, dem Chef des Forstamts Tegel,  einem Vertreter des Straßen- und Grünflächenamts, Stadtjägern und Jagdpächtern sowie dem Stadtrat. Die Gesamtverantwortung liegt bei der Amtsärztin.

Das THW Reinickendorf werde gegebenenfalls in allen Bezirken tätig werden, erklärte Maack. Es wurde bereits auf 50 Metern der Zaunbau geübt.

Bei den Zäunen, die um den Fundort eines toten Tiers herum gezogen werden sollen, handelt es sich um einen doppelten Schutz. Innen läuft der Elektrozaun, dahinter der Wildzaun.  Um einen Sperrkreis beispielsweise von drei Kilometer Durchmesser zu umstellen, brauche man zehn Kilometer Zaun.  Damit wäre der Berliner Vorrat aber auch schon erschöpft.

In Brandenburg, wo das erste an ASP verendete Wildschwein vor drei Wochen gefunden worden war, wird der Kampf gegen die Seuche unterdessen  verstärkt. Bisher wurde in Brandenburg die Krankheit bei 50 Wildschweinen nachgewiesen, in den Landkreisen Spree-Neiße, Oder-Spree und Märkisch Oderland. Seit vergangener Woche baut der Kreis Spree-Neiße an einem Zaun zu Polen.

Jäger sollen viel jagen

Landesweit -mit Ausnahme der ASP-Sperrgebiete - sollen Jäger die Bejagung der Wildschweine forcieren, teilte das Verbraucherschutzministerium  mit. Ziel sei es, die Bestände zu reduzieren und so die ASP-Verbreitung zu stoppen.  Das Ministerium appellierte an die Jäger, sofort flächendeckend Wildschweine erlegen.  Für jede genommene Probe von einem verendet gefundenem Wildschwein erhalten die Jäger nach den Angaben eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.

In der Jagdsaison 2019/2020 wurden so viele Wildschweine in Brandenburg erlegt wie noch nie. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Ob mehr Jagd auch hilft, ist unklar. Zwar stieg die Zahl der im vergangenen Jagdjahr 2019/2020 erlegten Wildschweine im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent auf die Rekord-Strecke von 102.131 Tieren an. Dennoch deutet laut Ministerium nichts darauf hin, dass die Gesamtpopulation zurückgeht. Das dürfte auch in Berlin so sein, wo in der vergangenen Jagdsaison 1563 Wildschweine geschossen worden waren. Berlin zahlt Abschussprämien zwischen 20 Euro für einen Frischling und 80 Euro für eine Bache über 50 Kilogramm.

Im Landkreis Spree-Neiße sind seit Montag vier spezielle Suchhunde aus dem Saarland bei der Suche nach Wildschweinkadavern im Einsatz. Ein weiterer Hund werde am Dienstag erwartet, der die Trupps unterstützen werde, sagte Gabriel Hesse, Sprecher des Verbraucherschutzministeriums.