Katja Riemann (v.l.), Katja von Garnier (Regisseurin) und Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz und Svenja Jung kommen zur Deutschlandpremiere des Films „Fly“ in den Berliner Zoo-Palast. dpa/Matzka

Können die tanzen, wow! Aber das wussten wir ja schon. Immerhin sind die Flying Steps aus Kreuzberg weltberühmt. Seit ihrem Gründungsjahr 1993 hat die biegsame Berliner Breakdance-Truppe mehrere Weltmeisterschaften gewonnen. Zeit also, ihnen endlich ein Denkmal zu setzen.

Zum Beispiel mit einem Kinofilm. Das übernahm Regisseurin Katja von Garnier. Die 54-Jährige erzählt mit „Fly“ eine ganz besondere Geschichte, die Geschichte von Bex (stark getanzt und noch stärker gespielt von Svenja Jung). Zu Goethes Zeiten hätte man das, was Katja von Garnier uns da zeigt, einen Entwicklungsroman genannt: Junge Frau baut Scheiße, kommt in den Knast, lernt dort tanzen und den guten Geist der Gemeinschaft kennen, und wieder in Freiheit, findet sie ihren Platz im Leben. So ist das mit Bex.

Ben Wichert und Svenja Jung in einer Tanzszene aus dem Film „Fly“. Studiocanal

Sie ist 20, Paketbotin  und sitzt nach einem wirklich dämlichen Unfall im Gefängnis. Gut für sie: Die Haftanstalt bietet zur Resozialisierung einen Tanzkurs an. Erst hat Bex natürlich null Bock darauf, dann aber fängt sie Feuer und entfesselt ihre Leidenschaft. Die Tanzszenen mit Mitgliedern der Flying Steps sind beeindruckend akrobatisch, absolut nichts für Leute mit Flugangst. Aber wer hat das schon, wenn er ins Kino geht?

Herrlich: Jasmin Tabatabai als mackerhafter Drill Sergeant

Herrlich: Jasmin Tabatabai als mackerhafter Drill Sergeant, der die Tänzer und „Resis“, wie die Resozialisierungskohorte genannt wird, antreibt: „Wie gut ihr tanzen könnt, ist mir scheißegal. Mich interessiert, wer ist bereit, seine Geschichte zu erzählen?“ 

Auch noch zu sehen: Katja Riemann als Dr. Goldberg, die Bex zur Tanzstunde überredet, und Nicolette Krebitz als schüchternes JVA-Tantchen. Und da klingelt’s natürlich auch schon, oder? Die drei gehören nämlich zur Stammbesetzung von Garnier. 1997 hatte die Regisseurin mit dem Roadmovie „Bandits“ schon mal eine Resozialisierungsgeschichte mit Knackis auf die Leinwand gebracht. Und alle drei – Riemann, Tabatabai und Krebitz – waren damals dabei.

Für Donnerstagabend hatte der Verleih Studiocanal zur Weltpremiere von „Fly“ in den Zoo-Palast geladen. Alle Gäste mussten brav ihren Impfnachweis zücken, dann durften sie mit Bier, Cola und Popcorn ins große Kino, und am Ende war der Applaus dann kein Applaus, sondern ein Jubelsturm. Gefeiert wurde später in der Flying-Steps-Academy in der Kreuzberger Lobeckstraße. Ab 14. Oktober im Kino.