Arzu Bulut und Lale Yanik vor ihrem Restaurant im Prenzlauer Berg. Foto: Berliner Kurier/Markus Wächter

Ein traditionell türkisches Essen beginnt immer mit einer gedeckten Tafel voller Meze. Kleine orientalische Tapas wie Linsenköfte oder gerollte Weinblätter etwa, die neben Paprikapasten oder Cacik, einem Joghurt-Gurken-Minz-Dip, stehen. Arzu Bulut, 48, und Lale Yanik, 52, haben es bereits in ihrer Kindheit so kennengelernt. „In unserer Kultur ist das Kochen ein Ausdruck von Liebe“, sagt Bulut. Türkische Mütter würden anders kochen, weil sie ihrer Familie das gewisse Wohlgefühl im Leben geben wollten.

Wer mit Bulut und Yanik spricht, kann dieses Wohlgefühl spüren. Es ist ein angenehmes Selbstbewusstsein, das einem im Gastraum ihres geschlossenen Restaurants „Osmans Töchter“ im Prenzlauer Berg entgegentritt. Kein Wunder. Die beiden Unternehmerinnen trotzen der Corona-Krise und haben ihr auf persönliche Geschmackserlebnisse ausgerichtetes Restaurantkonzept über den einzigen bundesweiten Onlineshop für Meze in den digitalen Raum verlagert. In einer Welt mit Pandemie klingt ihre Kultur des Teilens zwischen vielen Menschen auf den ersten Blick nur bedingt funktionabel.

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Doch zum Wohlfühlen gehört für Bulut und Yanik vor allem Produktsicherheit. So wurde beispielsweise bereits vor der Pandemie jede Snack-Schale im Lokal mit separatem Servierbesteck gereicht. Um das Wohlbefinden für den eigenen Körper zu steigern, verwendet man bei „Osmans Töchter“ ausschließlich die Essenz aus natürlichen Rohstoffen. Alle Produkte kommen ohne Geschmacksverstärker, Konservierungs- und Zusatzstoffe aus. Von dieser gesünderen Alternative zu herkömmlichen Tapas aus dem Einzelhandel sind die beiden überzeugt.

Mehr noch: Auch wenn man sich aktuell nur im engsten Kreis sehen kann, sollen Buluts und Yaniks Mezes in den Haushalten Freude auf den Tisch bringen. „Essen bringt zusammen. Nicht nur die Einnahme von Speisen, sondern bereits der Herstellungsprozess, durch den man mit der Familie oder Freunden ins Gespräch kommen kann“, sagt Yanik. Die Gastgeberrolle der beiden scheint klar formuliert: „Ich habe noch nie Gäste zu mir nach Hause eingeladen, ohne etwas zu essen zu planen“, sagt Bulut. „Bei uns steht immer Essen auf dem Tisch.“

Ausdauer ist eine der wichtigsten Tugenden auf dem Weg zum Erfolg

Eine klassische Gastronomielaufbahn haben die beiden Freundinnen, die das Restaurant in der Pappelallee seit 2012 führen, dabei nicht absolviert. Bulut hat BWL studiert, Yanik war früher als Schauspielerin aktiv. Kennengelernt haben sich die beiden bei einem befreundeten Gastronomen. Aus der Freundschaft und etlichen Gesprächen sei irgendwann die Idee eines eigenen Restaurants geboren worden. „Wir fanden damals, dass die türkische Küche in Berlin unterrepräsentiert ist“, sagt Bulut. „Dabei entdecken unsere Landsleute ihre Küche seit etwa acht Jahren neu. Da tut sich sehr viel in der Türkei.“ Die Entwicklung der Meze-Kultur wollten Bulut und Yanik nach Deutschland tragen.

Was ein Fettabscheider oder ein Konvektomat ist, wussten die beiden Frauen in der Anfangszeit nicht. „Die Vision hat aber von Beginn an gestimmt und wir haben nie aufgegeben“, sagt Bulut. Ausdauer sei eine der beiden wichtigsten Tugenden auf dem Weg zum erfolgreichen Unternehmen. Etwas mit genügend Leidenschaft zu tun, sei die andere. 2019 eröffneten sie eine Dependance in Charlottenburg.

In der Produktionsküche werden die Mezes frisch zubereitet und abgefüllt.

Foto: Berliner Kurier/Markus Wächter

Die Aufgaben rund um Osmans Töchter sind klar verteilt: Bulut kümmert sich überwiegend um Buchhaltung und Controlling, Yanik schaut sich die Prozesse in der Küche vor Ort an und ist Weinspezialistin. „Das Abschmecken lassen wir uns aber beide nicht nehmen“, sagt Yanik. Dafür schauen sie zurzeit in der Produktionsküche für ihren Onlineshop in der Lychener Straße, nur eine Straße hinter der Pappelallee gelegen, vorbei. Dort kochen türkische Hausfrauen all die Meze-Rezepte, die Bulut und Yanik gemeinsam mit einem Istanbuler Koch entwickelt haben.

Verschickt wird ab einem Mindestbestellwert von 39 Euro

Die Gerichte seien dabei der einzige Erfahrungswert gewesen, den die beiden in puncto digitalem Business gehabt hätten. Alles andere sei Neuland gewesen. „Ich habe mir das einfacher vorgestellt“, sagt Bulut. „Es gab so viele Herausforderungen, zum Beispiel wie man Essen am besten in Schraubgläser abfüllt oder wie man die Kühlkette einhält.“ Wie gehen Bulut und Yanik mit Problemen um? Wenn sie mal nicht derselben Meinung seien, setzen sie auf den Rat von einer neutralen dritten Person und lassen dann die Mehrheit entscheiden.

Zwischen 6 und 18 Euro kosten die 23 verschiedenen Meze-Produkte. Verschickt wird ab einem Mindestbestellwert von 39 Euro. Für Selbstabholer in Berlin gibt es keinen Mindestkaufwert. Mit welchem Gefühl gehen Bulut und Yanik in die nächsten Wochen? Mit einem guten. „Es gibt mindestens 300 verschiedene Meze und jedes Jahr kommen Neuinterpretationen der reichhaltigen türkischen Küche hinzu“, sagt Bulut. „Osmans Töchter“ wollen sie alle nach Berlin bringen und mit den Menschen teilen.