Menschen stehen an einem Osterfeuer im brandenburgischen Seeburg. dpa

In Brandenburg und anderen Regionen Deutschlands lodern am Wochenende wieder vielerorts die traditionellen Osterfeuer. Der urige Brauch hat in Zeiten des Klimawandels allerdings seine Unschuld verloren. Die Feuer lösen bei vielen Menschen wohlige Gefühle aus: Brennendes Holz verbinden viele mit Wärme, Gemütlichkeit, Gemeinschaft. Und so versammeln sich ja auch viele Menschen vor dem Feuer, um Ostern zu feiern.

Massive Feinstaub-Belastung durch Holzverbrennung

In nicht wenigen Haushalten lodern Holzscheite allerdings auch außerhalb der Ostertage in Holz und Pelletöfen. Einer der bekanntesten Meteorologen des deutschsprachigen Raumes, Jörg Kachelmann, prangert das Heizen mit Holz schon seit geraumer Zeit an. „Holz- und Pelletöfen machen nicht nur krank, sondern auch dumm“, schreibt Kachelmann in einem Tweet, in der er von einer „skrupellosen Waldverbrenner-Lobby“.

In dem Post geht es darum, dass offenbar viele Leute glauben, Pellets und Holz stamme aus Holzabfällen, die ohnehin anfallen. Tatsächlich, wie sich nun während des Ukraine-Krieges herausstellt, stammen viele Lieferungen aus Russland und der Ukraine, werden nun knapp. Doch der Hauptkritikpunkt am Heizen mit Holz ist die massive Umweltbelastung: Mehr als 90 Prozent des Feinstaubes im Winterhalbjahr, so Kachelmann, stammt aus Holz- und Pelletöfen.

Die Frage ist nun, gilt das auch für das Osterfeuer? Mehrere Dutzend davon finden nun in Berlins Umland statt. Schädigt auch dieser Brauch die Umwelt, und wenn ja, wie ist das zu bewerten? Ein Faktencheck.

Behauptung: Der Feinstaub von Osterfeuern schadet der Umwelt. Stimmt das?

Bewertung: Tatsächlich belasten große Feuer die Umwelt. Osterfeuer brennen allerdings unter Auflagen, um Schäden einzudämmen. Zudem kommt es aufs Wetter an.

Fakten: Osterfeuer belasten die Natur eindeutig. Der Übeltäter ist klar: der beim Verbrennen entstehende Feinstaub. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) produziert ein größeres Feuer mit Gartenabfällen innerhalb von sechs Stunden etwa so viel Rauch und Rußpartikel – darunter Feinstaub – wie 250 ältere Autobusse an einem Tag. Das kann sich auf die Gesundheit auswirken: Denn Feinstaub kann etwa die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System schädigen.

Allerdings betont Ute Dauert, beim Umweltbundesamt (UBA) zuständig für die Beurteilung der Luftqualität, dass Schäden durch Osterfeuer von mehreren Faktoren abhängen können: So hat das Wetter Einfluss auf die Feinstaubbelastung. Kräftiger Wind könne die Schadstoffe rasch verteilen, und Niederschlag wasche sie aus der Atmosphäre aus, sodass die Feinstaubbelastung der Luft sinke. Weht allerdings wenig Wind, dann können Schadstoffe über Stunden oder gar Tage in der Luft bleiben und sich in der unteren Atmosphäre anreichern.

Deutlich stärkere Feinstaubbelastung durch Silvesterfeuerwerk

Osterfeuer lassen Dauert zufolge die Feinstaubbelastung nicht so stark ansteigen wie etwa das Silvesterfeuerwerk, da sie zu unterschiedlichen Zeiten am Osterwochenende und zudem in geringerem Umfang abgebrannt werden. An Silvester springen die Feinstaubemissionen in den Stunden nach Mitternacht auf 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter im Stundenmittel. Das entspricht laut UBA rund einem Prozent der jährlich freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland.

Zum Vergleich: Der Feinstaubgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter darf in einer Region nicht häufiger als 35-mal im Jahr überschritten werden. Der zulässige Jahresmittelwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Durch Osterfeuer können Grenzwerte zeitweise deutlich überschritten werden

Dem Bundesumweltministerium zufolge können durch Osterfeuer zwar Grenzwerte zeitweise überschritten werden. Doch sei – insbesondere in Norddeutschland – eine hohe Feinstaubbelastung auf nur wenige Tage im Jahr beschränkt. Daher müsse man den Brauch nicht verbieten.

Aus dem niedersächsischen Umweltministerium heißt es: „Die Feinstaubbelastung ist seit Jahren auf niedrigem Niveau.“ Osterfeuer würden keine Überschreitungen dieser Grenzwerte verursachen. Die Tage, an denen der Feinstaubgrenzwert überschritten werde, seien kontinuierlich seit Jahren zurückgegangen.

Während Corona-Pandemie zwei Jahre lang Osterfeuer untersagt

Wegen der Corona-Pandemie waren zwei Jahre lang keine Osterfeuer möglich. Auch 2019 waren einige wegen der Trockenheit aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Generell dürfen Osterfeuer nur unter Auflagen der Bundesländer oder Gemeinden brennen. So sind dafür bestimmte Zeitfenster vorgesehen.

Tiere sind durch Osterfeuer besonders gefährdet, wenn das Tage oder Wochen zuvor aufgeschichtete Material direkt verbrannt wird. Denn sie nutzen die Holzstapel als Unterschlupf und Teillebensraum, wie Ursula Bauer vom Schutzverein Aktion Tier erklärt. Deshalb gehört es oft zu den Auflagen, das vorbereitete Holz vor dem Anzünden umzuschichten.

Nach zwei Jahren Pause: Wieder zahlreiche Osterfeuer in Brandenburg

Nach der weitgehenden Aufhebung der Corona-Beschränkungen sollen dieses Jahr zum Osterfest in zahlreichen Städten und Gemeinden Brandenburgs wieder Osterfeuer lodern. „Nach zwei Jahren Pandemie können sich die Menschen im Land Brandenburg wieder auf traditionelle Bräuche während der Osterfeiertage freuen und zusammenkommen“, sagte der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Jens Graf, auf Anfrage. In vielen Fällen würden die Feste von den Feuerwehren oder Sportvereinen organisiert.

Nicht nur in den großen Städten Potsdam, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel lebt der Brauch in vielen Ortsteilen wieder auf. Nach einer Übersicht des Gemeindebundes werden unter anderem auch in Oranienburg, in Neuruppin, Perleberg, im Amt Elsterland, in Königs Wusterhausen, im Amt Schlieben und im Amt Niemegk Osterfeuer veranstaltet. In Mühlenbeck, Zühlsdorf, Treuenbrietzen und Luckenwalde laden die Feuerwehren am Karsamstag zum Osterfeuer ein. In Kyritz lodert das Feuer im Berlitter Schlosspark, bei einem Fest mit den in Berlitt untergebrachten ukrainischen Kriegsflüchtlingen.

Im Spreewald seien daneben noch viele weitere Osterbräuche zu erleben, berichtete Graf. „Im Mittelpunkt stehen die berühmten sorbischen Ostereier mit ihren vielfältigen Verzierungen“, sagte er. „Aber auch das Ostersingen, zahlreiche Osterfeuer, der Wendische Kirchgang und die traditionellen Ostersemmeln können dieses Jahr wieder live miterlebt werden.“