Der Angeklagte ist ein Ex-Bauunternehmer. Er soll einen Straßenmusiker bestohlen haben. Pressefoto Wagner

Knapp vier Euro hatte Maurizio (35) in einem Pappbecher gesammelt. Kleingeld, das sich der Straßenmusiker mit Gitarre ehrlich verdient hatte. Doch dann kam ein Dieb.

Nach dem schäbigen Klau am U-Bahnhof Schlesisches Tor steht nun Mieszko R. (45) vor Gericht. Einst Unternehmer in der Baubranche. Doch nach der Trennung von seiner Frau soll der zweifache Vater in Schieflage geraten sein.

Der Ex-Geschäftsmann aus Polen traf am 14. März 2020 in Kreuzberg auf Maurizio C. Dessen Bühne sind Bahnhöfe, Plätze oder Parks. Musik lag in der Luft, als R. auf den U-Bahnhof zusteuerte. Er blieb im Eingangsbereich in der Nähe von C. stehen, schien den Gitarrenklängen zu lauschen. Plötzlich langte er zu.

Lesen Sie auch: Fälscher aufgeflogen: Polizei beschlagnahmt über 800 Impfpässe>>

Die Anklage: „Er nahm das Münzgeld und steckte es in seine Hosentasche.“ C. forderte sein Geld zurück. R. weigerte sich. Die Anklage: „Er schlug Maurizio C. mit der rechten Faust auf die Nase.“ Die Verteidigerin verlas nun: „Es gab eine Auseinandersetzung.“ R. habe gehauen, er wisse aber nicht mehr, warum er es tat.

Der Angeklagte: „Ich kam gerade aus Polen, konnte nirgends Geld umtauschen“

Aufgebracht grätschte der Angeklagte, ein bulliger Glatzkopf, dazwischen: „Stimmt nicht! Erstens bin ich Linkshänder, zweitens sieht man es, wenn ich geschlagen habe.“ Er habe den Musiker gebeten, ihm Kleingeld zu geben. Angeblich hatte er 500 Zloty (rund 109 Euro) in der Tasche. Der Angeklagte: „Ich kam gerade aus Polen, konnte nirgends Geld umtauschen.“

Lesen Sie auch: Tierkadaver waren in Plastik- und Holzkisten: 100 tote Katzen bei einem 81-Jährigen entdeckt>>

Er habe zwar die Münzen genommen – „aber ich bot an, alles nach dem Umtausch zurückzugeben“. Keine Familie, keine Bleibe, viel Verzweiflung und Wut. R. soll auf dem Weg nach Holland gewesen sein, um einen Job als Feldarbeiter anzutreten. In Berlin aber wurde der Mann – bis dahin ohne Vorstrafe – mehrfach ein Fall für die Polizei.

Der Ex-Geschäftsmann jammerte nun: „Das Leben auf der Straße – meine Psyche fiel auseinander.“ Fortsetzung: Mittwoch.