Bei einer Impfpflicht ist vor allem eins wichtig: Es müssen genug Dosen vorhanden sein. Imago

Eine neue Impfwelle kommt auf Berlin zu. Grund ist die erneute Debatte um die geplante bundesweite Einführung der Impfpflicht, die zum Teil in der Stadt schon praktiziert wird. So müssen sich Feuerwehrleute bis Mitte März gegen Corona piksen lassen. Für Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern gilt das ebenfalls. Sogar Friseure und Reinigungskräfte in den Kliniken sind zum Impfen verpflichtet. Doch ist Berlin mit seinen Impfzentren und den Hausärzten auf den Ansturm auch vorbereitet?

Laut dem Statistischen Landesamt müssen sich aktuell etwa 714.000 Berliner impfen lassen, die älter als fünf Jahre sind und bisher noch keinen Piks gegen Corona bekommen haben. Möglichkeiten dafür gibt es genug in der Stadt. Die Gesundheitsverwaltung verweist darauf, dass neben den drei Impfzentren im ICC, an der Messe Berlin und dem einstigen Flughafen Tegel auch Hausärzte und mobile Stationen in Einkaufszentren (wie Spandauer Arcaden, Ring-Center) oder auf der Trabrennbahn Karlshorst derzeit das Impfen anbieten.

Doch reichen auch diese Kapazitäten, sollte die neue Bundesregierung im Frühjahr eine allgemeine Impfpflicht einführen? Denn in diesem Fall kommt eine Menge Arbeit auf die Berliner Impfstellen zu.

Am einstigen Flughafen in Tegel ist eines der drei Berliner Impfzentren. Dort können derzeit täglich 4000 Berliner geimpft werden. dpa

Senat rechnet mit 2,5 Millionen Impfungen

„Bei einer allgemeinen Impfpflicht für Erwachsene, Erst-, Zweit- und Auffrischimpfung betreffend, wären in Berlin maximal etwa 2,5 Mio. Impfungen durchzuführen“, sagt eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung dem KURIER. Doch die Behörde von Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) gibt sich optimistisch. „Mit der aktuell zur Verfügung stehenden Infrastruktur wäre diese Impfleistung in voraussichtlich drei bis vier Monaten zu bewältigen“, sagt die Sprecherin.

Da Berlin infrastrukturell gut aufgestellt sei, wären voraussichtlich nur wenige Tage nötig, um entsprechende Maßnahmen im Falle einer allgemeinen Impfpflicht vorzubereiten, so die Behörden-Sprecherin. Doch trifft dies auch in der Praxis zu?

Mit der Impfpflicht kommt viel Arbeit auf die Ärzte zu. Die Praxen seien gut vorbereitet, erklärt die KV-Berlin. dpa

Der KURIER fragte beim Berliner Deutschen Roten Kreuz nach, das ein Impfzentrum in Tegel betreibt. Dort werden aktuell im Schnitt 4000 Berliner täglich gegen Corona geimpft. Termine seien sofort verfügbar. Im Falle einer allgemeinen Impfpflicht sei man schon jetzt gut vorbereitet.

„Die drei Impfzentren und die Impfstellen absolvieren zur Zeit täglich 17.000 Impfungen“, sagt DRK-Sprecher Karsten Hintzmann. „Im Monat wären das 500.000 Impfungen, vorausgesetzt, die entsprechende Zahl an Dosen werde auch geliefert.“

Seit November vergangenen Jahres gebe es einen verstärkten Andrang auf die Impfzentren und -stationen in der Stadt. Der Grund seien die Verschärfung der Corona-Maßnahmen. „Die Menschen wollen weiter am öffentlichen Leben teilnehmen, entscheiden sich daher zu dem Schritt, sich impfen zu lassen“, sagt Hintzmann. „Dazu kommt, dass sich viele Berliner die dritte Auffrischungsimpfung geben lassen, seit dem der Abstand zur letzten Impfung von sechs auf drei Monaten gesenkt wurde.“

Aus Sicht der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin sind die Impfkapazitäten ausreichend, um eine Impfpflicht aufzufangen. Nach ihren Berechnungen könnten pro Tag rund 33.000 Impfungen in den teilnehmenden Praxen durchgeführt werden. Allein im Dezember waren es insgesamt 660.000 Impfungen. „Das war bisher der impfstärkste Monat“, sagt KV-Sprecherin Dörthe Arnold. „Derzeit impfen rund 2700 Praxen an fünf bis sechs Tagen pro Woche.“

Jetzt können auch die Apotheker impfen

Die KV wirbt bereits seit vergangenen November für eine Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. „Um die aktuell vorherrschende Omikron-Variante einzudämmen, hätte es sie bereits vor Wochen geben müssen“, erklärt der Vorstand. „Jetzt ist die Omikron-Wand da.“

Auch die Apotheker können nun beim Impfgeschehen mit eingreifen. Allerdings muss das in separaten Räumen geschehen. dpa

Bei einer Impfpflicht können nun auch die Berliner Apotheker in das Geschehen mit eingreifen. Seit Dienstag ist die dafür vor einem Monat im Bundestag beschlossene Regelung nun im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Damit könnten die 700 Apotheker in Berlin sofort mit dem Impfen loslegen. Die Schulungen laufen. 200 Apotheker sind bereits ausgebildet. „Das Interesse ist groß“, sagt Stefan Schmidt, Sprecher des Berliner Apotheker-Vereins. Wie viele Apotheker dabei sein werden, kann er jedoch nicht sagen.

Zusätzlich prüft der Senat, in welchen der 49 Familienzentren in den Bezirken auch Impfungen für die ganze Familie durchgeführt werden können. Mit diesem niederschwelligen Angebot wolle man vor allem an Berliner herantreten, die sich bisher nicht impfen lassen wollen.

Bei einer allgemeinen Impfpflicht kommt es aber vor allem darauf an, dass auch genug Impfdosen vorhanden sind. Das Ganze stehe und falle, wenn durch den Bund nicht ausreichend hohe Impfstofflieferungen nach Berlin kommen, erklären Senat, Ärzte und Apotheker. Problematisch sei laut KV Berlin noch immer die Unzuverlässigkeit bei der Lieferung der Vakzine.