Roland Türk steht vor der Witty's-Filiale am BER.
Foto: Gerd Engelsmann

Abbauen, schließen, verkaufen: All diese Begriffe beschreiben den Job von Roland Türk in den vergangenen 30 Jahren wohl am treffendsten. „Ich werde immer dann gerufen, wenn Firmen Probleme bekommen“, sagt der Mann mit schwarzem Jackett und randloser Brille über sein Berufsprofil.

Eigentlich will er am liebsten im Hintergrund bleiben. Mit einem Blick auf seine Visitenkarte ist das allerdings schwer vereinbar. Dort steht unter anderem: CEO-Geschäftsführungen, Vermögens-, Treuhand- und Grundstücksverwaltungen. Türk leistet die klassische Unternehmensberatung, tritt aber auch als Geschäftsführer in vorderster Front auf, wenn es sein muss. Immer mit dem Ziel, Fehler zu beheben und einen Betriebsschluss zu verhindern. Für welche Firmen Türk derzeit alles arbeitet, das will er, ebenso wie sein genaues Alter, nicht preisgeben. Bis auf eine.

Zwei Buden betreibt man in der Stadt

Denn Türk erlebt gerade etwas, das für ihn in seiner Vita neu ist. Das erste Mal muss er nichts abwenden oder ausbremsen, sondern etwas aufbauen: das Gastaufkommen an einem Currywurst-Imbiss. Seit Beginn der Corona-Pandemie ist Türk Geschäftsführer der Berliner Bio-Currywurst-Kette Witty’s. Es war der Wunsch von Ernst-Hermann Exter, der das Unternehmen Ende der 90er-Jahre gegründet hatte, in dieser Phase jemand Externes hinzuzuholen. Zwei Buden betreibt man derzeit in der Stadt. Eine weitere Filiale ging zur Eröffnung des BER Ende Oktober am Flughafen in Betrieb – und erwirtschaftet trotz geringer Fluggastzahlen einen für Türk „zufriedenstellenden“ Umsatz.

Während die gesamte restliche Gastronomie am BER innerhalb des Lockdowns ihre Türen schloss, laufen die Fritteusen und Grills bei Witty’s weiterhin täglich heiß. Es ist der einzige Shop, der dort noch warme Küche anbietet. Wie kann das an einem Ort gelingen, der nicht nur wie leergefegt wirkt, sondern momentan fast ausschließlich einigen Geschäftsreisenden als Dreh- und Angelpunkt dient?

Auf Flugpassagiere kann er nur hoffen

„Wenn man ein gutes Produkt hat, ist mit einem Geschäft auf der Luftseite eines Flughafens eigentlich immer garantiert, dass es läuft“, sagt Türk. Der Klassiker bei Witty’s, die Bio-Currywurst, kostet 4,50 Euro und besteht aus Bio-zertifiziertem Fleisch, das meist aus Brandenburg oder Bayern angeliefert wird. Zusätzlich sei wichtig, dass die Wurst wenig Fett habe. Den Geschmack könne man auch durch die gewisse Würzung erzeugen, sagt Türk, der sich selbst einmal pro Woche eine Currywurst ohne Darm genehmigt.

Das Produkt allein enträtselt im Fall von Witty’s allerdings noch nicht den Absatz von rund 150 Würsten pro Tag am BER. Dazu muss man einen Blick auf Türks Kommunikationsstrategie werfen. Bereits früh hat er damit begonnen, dem Flughafenpersonal seine Würste schmackhaft zu machen. „Ich habe ununterbrochen Mails an die Fluggesellschaften geschrieben“, erzählt er. Die dortigen Mitarbeiter seien in der Krise nun die Umsatzträger. Auf Flugpassagiere kann er nur hoffen.

Erstaunlich dabei ist, dass Türk keine Mails auf seinem Mobiltelefon empfängt, wie er sagt, auch Messenger-Programme habe er darauf nicht installiert. Er sei kein Fan davon, Verträge unterwegs auf dem Handy zu lesen. Türk schätzt das persönliche Gespräch und nutzt das Smartphone einzig und allein zum Telefonieren. „Kontakt halte ich dennoch nach wie vor zu allen“, sagt er. Den Beweis dafür liefert er am Sicherheitsschalter. Türk fragt das diensthabende Personal, ob sie nicht heute zum Mittagessen vorbeikommen wollen. Wie jeden Mittag.

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Sein Handwerk gelernt hat der gebürtige Berliner in den 70er- und 80er-Jahren als Büroleiter bei einem West-Berliner Konkursverwalter. Dort, in West-Berlin, kannte jeder jeden, erzählt Türk, und so sei er früh mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen. Seine Dialogfähigkeit wird ihm auch in Zukunft helfen, beispielsweise dann, wenn er mit dem Bürgermeister von Schönefeld darüber sprechen will, ob nicht ein Outdoor-Imbiss von Witty’s in der Stadt aufgestellt werden könne. In Schönefeld musste dieser auf der Landseite mittlerweile schließen.

Bis es soweit ist, denkt Türk aber erstmal darüber nach, wie er die Passagiere des Linienflugverkehrs auf seinen Wurst-Imbiss aufmerksam machen kann. Er rechnet damit, dass es bereits ab dem 1. April zu einem erhöhten Fluggastaufkommen kommen wird. Mit einem Schild in der Halle stehen will Türk nicht, so viel verrät er.

Eine erweiterte Produktpalette könnte neue Anreize schaffen. Man habe schon Rührei getestet, Kuchen anzubieten sei auch eine Option. „Alles aber im kleinen Bereich“, sagt Türk. Er selbst wird es schon groß aufziehen. Und dann, wenn die Krise einigermaßen überstanden ist, wird Türk das Unternehmen verlassen. Seine Fähigkeiten werden dann auf einer anderen Geschäftsführerposition gefragt sein.