Die attraktive Wilmersdorfer Pizzabäckerin in ihrem „Ristorante Numero Uno“ am Olivaer Platz.

Foto: Volkmar Otto

Drehbücher statt Pizza Funghi: Diese Berliner-Gastronomin kann nicht nur gut Pizza backen, sie versteht auch was vom Filmemachen! Romina Di Lella (38) betreibt das „Ristorante Numero Uno“ am Olivaer Platz und darf ihre Speisen im Lockdown derzeit wie alle Restaurantbetreiber nur außer Haus verkaufen. Schon als Kind half sie im Geschäft ihres bereits verstorbenen Vaters Maurizio aus. Jetzt steht sie abwechselnd am Steinofen des Familienunternehmens und am Set in Los Angeles.

„Es ist wichtig, dass man seinen Optimismus nicht verliert und aus allem das Beste macht“, sagt Di Lella. Dieser Satz überrascht aus dem Munde einer Gastronomin, die es während der Pandemie besonders hart getroffen hat. Sicherlich würde es der Wilmersdorferin mit den italienisch-rumänischen Wurzeln auch nicht so leicht fallen, wenn sie sich nicht schon vor Ausbrauch von Covid-19 ein zweites Standbein geschaffen hätte. Seit 2004 verfolgt sie ihren großen Traum: eine Karriere in Hollywood. 

Romina drehte an der Seite von Julias Roberts Bruder 

Der große Traum begann mit einer Ausbildung an einer Berliner Musicalschule. „Ich mochte schon als Kind gerne singen und tanzen. Mein Vater und ich haben häufig zusammen im Restaurant gesungen“, sagt Romina Di Lella. Das Show-Geschäft und Entertainen lagen ihr schon als Kind im Blut. Als Fotomodell in Mailand erhielt sie erstmals einen Einblick. Die Mutter, eine Rumänin, war eine erfolgreiche Luftakrobatin und gab das künstlerische Talent an die Tochter weiter.

Ihren ersten Auftrag erhielt Di Lella kurz nach  Abschluss ihrer Musicalausbildung in der Erlebnisgastronomie, als Darstellerin auf der Bühne des Palazzo in Berlin. Doch der hübschen Pizzabäckerin, die sogar in 15 Zentimeter hohen Highheels Pizza servieren kann,  gelang der Durchbruch, von dem viele junge Frauen träumen: Sie schaffte es bis nach Hollywood.

Romina Di Lella mit ihrem Regisseur Damian Chapa (links) und Schauspieler Ralf Moeller (Gladiator).

Foto: Privat

„Damian Chapa hat mich vor sechs Jahren auf der Berlinale entdeckt“, verrät sie.  Der amerikanische Schauspieler holte die talentierte Pizzabäckerin nach Amerika und dort drehte sie wenig später an der Seite von Eric Roberts, dem Bruder von Julia Roberts, und spazierte mit ihm gemeinsam über den roten Premieren-Teppich.

Im Action-Film „Enemy within“ spielte die Berlinerin eine Pole-Tänzerin, die in die Fänge der Drogen-Mafia gerät. Bereits in ihrem ersten Film „Love, Hate and Security“ spielte sie 2014 die Hauptrolle als sinnliche Adlige Giulietta di Messina, die gegen den Wunsch ihres Mannes, eines mächtigen Bankiers, die unstillbare Sehnsucht verfolgt, Salonsängerin zu werden.

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Zuletzt produzierte sie 2019 in Los Angeles „La Pistolera“. In dem Streifen schlüpft sie in die Rolle einer gnadenlosen Killerin. Dafür schrieb sie auch das Drehbuch und - wie für alle drei Filme - ihre Musik selbst. Wegen der Corona-Krise waren die Bedingungen erschwert, denn die Premiere musste entfallen. „Trotzdem wurde der Film in 14 Länder verkauft“, sagt sie und betont: „Mein Vater wäre sicherlich sehr stolz auf mich, wenn er das noch mitbekommen hätte.“

Rominas Film „Pistolera“. Wer einen romantischen Liebesfilm erwartet, sieht sich allerdings enttäuscht.

In Romina Di Lellas Brust schlagen zwei Herzen: Eines für die Gastronomie, das andere für den Film. Gerade schreibt sie an einem neuen Drehbuch für eine Serie, das auf der Handlung von „La Pistolera“ basiert und hat eine eigene Produktionsfirma gegründet, benannt nach ihrem Restaurant: „N1 Production“.

2014 erhielt ihr Vater die niederschmetternde Diagnose Krebs. Daraufhin übernahm seine Tochter sein Restaurant, damit Maurizio Di Lella mehr Zeit für sich und die Familie hatte. Die ehrgeizige Geschäftsfrau baute das Unternehmen komplett um und änderte auch den Namen.

Seit 13 Jahren besuchen viele Stammgäste, „darunter viele Prominente“, wie Romina sagt, das traditionelle Restaurant in Kudamm-Nähe und genießen Fisch- und Fleischvariationen, Pizza und Pasta. Die Tische sind wie in Italien liebevoll mit weiß-rot-karierten Decken dekoriert.

Vater starb nach einer Krebsdiagnose

Foto: Volkmar Otto
Romina Di Lella kann nicht nur Pizza backen, sondern auch schauspielern, tanzen, singen und Drehbücher schreiben.

Doch auch eine Erfolgsgeschichte wie diese hat Risse. Im August 2020 starb  das Familienoberhaupt an den Folgen seiner Erkrankung, seinen 70. Geburtstag konnte Maurizio Di Lella aber im März noch mit der Familie in seinem Restaurant feiern. Kurz danach aber kam der erste Lockdown und das Familienunternehmen schlitterte in die Corona-Krise. 

Aber Krisen stärken, sagt die Gastronomin. Und eine Powerfreu wie Romina Di Lella weiß auch, wie sie Risse wieder kitten kann. Nach dem Verlust des Vaters versucht sie, sein Lebenswerk nun trotz der Hindernisse sicher durch die Pandemie zu bringen.

„Ohne meine Einnahmen aus dem Filmgeschäft hätte ich das vermutlich nicht geschafft“, so Di Lella. Denn die beantragten staatlichen Hilfen seien immer erst drei Monate später überwiesen worden. „Das ist für einen Restaurantinhaber sehr schwer, weil die Miete und andere laufende Kosten jeden Monat pünktlich gezahlt werden müssen.“

Die Pizzabäckerin und Filmemacherin glaubt an so etwas wie Schicksal und sagt: „Man muss die Chancen rechtzeitig ergreifen, die immer im richtigen Moment zu einem kommen.“ Romina Di Lella hat sie zum Glück rechtzeitig erkannt.