Kustos Bernhard Heeb erklärt die Funde, darunter eine möglicherweise ägyptische Amphore, die der „Ausgräber“ aus Scherben zusammengesetzt hatte. dpa/Wolfgang Kumm

Scherben machen glücklich. Jedenfalls, wenn sie sehr alt und lange verschollen waren. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor-  und Frühgeschichte, ist jedenfalls ganz aus dem Häuschen über Bruchstücke antiker griechischer Tongefäße, ein paar bronzene Wikinger-Schnallen, trojanische Marmor-Idole und einen Mörser-Stößel aus schwarzem Stein. Insgesamt rund 1500 Objekte, die ein Berliner Maler aus den Kriegstrümmern des Martin-Gropius-Baus geborgen, aber lieber behalten hatte.

Peter Grämer (1939-2018) hatte in Berlin an der Kunsthochschule studiert und mit einigen Kommilitonen ein Hobby: Sie gruben bis Mitte der 1960er Jahre in den zerbombten Trümmern des  Martin-Gropius-Baus in der  Niederkirchnerstraße in Kreuzberg  nach den Stücken aus dem dort angesiedelten Museums für Vor- und Frühgeschichte.

Darunter waren Ausgrabungsfunde, die der Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann Berlin vermacht hatte. Es waren Stücke aus dem Depot: Wertvoller Besitz des Museums war noch rechtzeitig ausgelagert worden, darunter Schliemanns goldener „Schatz des Priamos“, den dann allerdings die Sowjetunion als Kriegsbeute behielt.

Gertrud Dorka, 1947 bis 1958 Direktorin des Museums für Vor- und Frühgeschichte, hatte kaum Mittel, um Kriegstrümmer und die darunter verschütteten Ausstellungsstücke zu trennen. Benjamin Pritzkuleit

Vor einigen Monaten wandte sich die Witwe des Künstlers per Mail an das Museum. „Wir sind beinahe hinten übergefallen“, sagt Kustos Bernhard Heeb, als er vom darauf folgenden Besuch im Zehlendorfer Haus berichtet: Im Atelier des Malers, in Schränken, Schachteln, Kisten, auch im Keller waren die Stücke gelagert, sorgfältig verpackt.

Künstler hielt seine Funde mit Tusche fest

Daneben gab es drei Kladden, in denen Grämer die wichtigsten Fundstücke aquarelliert und die Fundorte in der Ruine kartiert hatte.

Museumsdirektor Matthias Wemhoff mit einer der Kladden, in die der „Nachkriegs-Archäologe“ Peter Grämer seine Funde getuscht hatte. Benjamin Pritzkuleit

Grämer habe sich viel Mühe gemacht, dem Ursprung der Funde nachgeforscht, und teilweise die Bruchstücke zusammengesetzt. So wie die große Amphore, die möglicherweise von einer Ägypten-Reise Schliemanns stammt, die er 1888 mit seinem Freund, dem Berliner Arzt und Anthropologen Rudolf Virchow, unternommen hatte.

Finder fand die Funde zu schön, um sie zurückzugeben

Er habe wohl immer vorgehabt, die Stücke dem Museum zurückzugeben, erklärt Heeb, sie dann aber möglicherweise doch zu lieb gewonnen und am Ende vielleicht altersbedingt nicht mehr übergeben können. Seine Witwe, die krankheitsbedingt an der Vorstellung der Funde im Archäologischen Zentrum (Mitte) nicht teilnehmen konnte, habe seinen Wunsch posthum schließlich in die Tat umgesetzt.

Einige Stücke werden vom 12. Mai an  in der Schliemann-Ausstellung auf der Museumsinsel (James-Simon-Galerie, Neues Museum) zu sehen sein.

Eine Auswahl der Museumsstücke, die der Künstler Peter Grämer aus den Trümmern Martin-Gropius-Baus geborgen hatte. Benjamin Pritzkuleit

Appell an andere „Ausgräber“ und ihre Erben: Gebt uns die Funde zurück

Wemhoff und Heeb hoffen auf die Rückgabe weiterer Funde aus der „Beute“ von Grämers Mit-Ausgräbern, die man nicht habe ermitteln können. Zu fürchten hätten sie oder ihre Erben nichts, außer riesengroßer Dankbarkeit. Sie könnten sich über die Mail-Adresse h.junker@smb.spk-berlin.de ans Museum wenden.