Polizisten haben besonders viel Kontakt zu Personen, die möglicherweise mit dem Corona-Virus infiziert sind. Am Wochenende musste eine Einheit in Quarantäne. Foto: Tim Brakemeier/dpa

Die Polizei hat  jetzt ebenfalls zwei bestätigte Corona-Fälle. Mehr als 60 Polizisten wurden daraufhin  für 14 Tage nach Hause in Quarantäne geschickt. Es stellt sich die bange Frage: Was passiert, wenn weitere Polizei-Einheiten und auch Feuerwehrleute in Quarantäne müssen?

Auslöser für die Quarantäneverfügung der Amtsärztin sind zwei Polizisen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben. Die Unterkunft der betroffenen Diensstelle wird samt ihren Sanitäranlagen von weiteren Beamten genutzt. Die betroffenen Polizisten befinden sich in häuslicher Isolation, bestätigte die Gesundheitsverwaltung.

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Aber was ist, wenn morgen eine weitere Hundertschaft in Quarantäne geschickt wird und übermorgen ein ganzer Polizeiabschnitt oder eine Feuerwache – und wenn das immer so weitergeht? Im Polizeipräsidium will sich eine Koordinierungsgruppe zur Corona-Thematik in den nächsten Tagen mit der Gesundheitsverwaltung beraten. Was passiert, wenn sich immer mehr Beamte infizieren und nach und nach weitere Dienstellen in Quarantäne geschickt werden, wissen viele Polizisten nach eigenem Bekunden nicht.

„Wenn wir innerhalb einer Hundertschaft einen Fall haben, setzt das potenziell 100 Kräfte außer Gefecht“, sagt Benjamin Jendro von der Gewerkschaft der Polizei. Er empfiehlt, in den nächsten Wochen Einsätze, wenn möglich, eher mit kleineren Einheiten durchzuführen. „Dann muss vielleicht nur ein Zug herausgenommen werden und nicht gleich eine ganze Hundertschaft.“ Es komme darauf an, den Kreis der Betroffenen so gering wie möglich zu halten. Das schaffe man nur mit flexiblen Dienstplänen und der Beschränkung auf die Kernaufgaben. Für Ereignisse wie diese haben die Behörden  sogenannte Pandemie-Pläne. Sie schreiben etwa vor, was zu tun ist, wenn ein Drittel und mehr Personal ausfällt. Würden Polizei und Feuerwehr die strengen Quarantäne-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts nicht mehr umsetzen können, dann müsste der Katastrophen-Fall ausgelöst werden. Dann bräuchten Polizisten und Feuerwehrleute zum Beispiel nicht mehr zur Sicherheit in Quarantäne.  

Wenn Mitarbeiter einer Feuerwache in Quarantäne kommen, müssen andere Feuerwachen die Arbeit übernehmen

Doch vom „Kat-Fall“ ist Berlin weit entfernt. „Wir haben 17500 Kolleginnen und Kollegen im Vollzug und würden so etwas lange durchhalten“, sagt Polizeisprecher Thilo Cablitz. „Wenn jeden Tag 100 Beamte für zwei Wochen in Quarantäne müssten, dann würden nacheinander 1400 Beamte wieder in den Dienst zurück kehren.“ Bei der Feuerwehr befasst man sich laut Behördensprecher Thomas Kirstein mit der Pandemie schon seit mehreren Wochen. Seine Behörde habe frühzeitig einen Pandemiestab gegründet. „Natürlich kann es sein, dass sich ein Feuerwehrmann infiziert. Unsere Mitarbeiter haben viele Kontaktpersonen“, sagt er. Wenn die Mitarbeiter einer Feuerwache in Quarantäne kämen, müssten andere Feuerwachen die Arbeit übernehmen.

Im allerschlimmsten Fall könne man die Mehrbelastungen auffangen durch die zeitweise Verlängerung des Schichtdienstes von 44 auf 48 Stunden pro Woche. Dadurch hätte man Kirstein zufolge mehr Leute zur Verfügung. Die Überstunden müssten dann wohl bezahlt werden. Bisher hatte der Rettungsdienst vier Fahrten von Corona-Patienten. Bei drei Fahrten trugen die Sanitäter Schutzkleidung. Beim ersten, dem „Patienten null“, waren sie ungeschützt. Sie sind in Quarantäne. Symptome zeigen sie bisher nicht.