Eine Woche Frühling mitten im Kältemonat Februar: Das Winterwetter spielt verrückt. Foto: Imago/Karl-Heinz Sprembe

Auch erfahrene Meteorologen reiben sich gerade die Augen: Wann haben wir eigentlich jemals einen derart krassen Wetterwechsel in einem Monat erlebt? Gerade noch wurden extrem kalte Temperaturen weit unterhalb von minus 20 Grad gemessen, und nun schlägt das Pendel in genau die entgegengesetzte Richtung: „Uns erreichen die für die Jahreszeit wohl wärmsten Luftmassen, die möglich sind“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung (wetter.net).

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Passend genau zum Wochenende umarmt uns ein prächtiges Frühlingshoch mit reichlich Sonnenschein. Vom Winter wird schon in den kommenden Stunden in unserer Region kaum noch etwas zu spüren sein: Fielen in Teilen Brandenburgs gerade noch Schneegriesel und gefrierender Sprühregen, erreichen die Höchstwerte am Dienstag laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bereits plus fünf Grad. Das bedeutet: Die Schneemassen schmelzen dahin, auch wenn das Eis auf den zugefrorenen Gewässern dafür noch Tage brauchen wird. Vorsicht: Mit jedem Grad wächst die Gefahr, auf den dünner werdenden Eisschichten einzubrechen. Verbote und Aufrufe, das Eis nicht zu betreten, hatten in den vergangenen Tagen Tausende Berliner ignoriert, dabei viel Spaß gehabt, sich aber auch teils in Gefahr begeben. Von der Havel musste die Feuerwehr gerade einen Mann von einer dahintreibenden Eisscholle retten!

Klimawandel begünstigt Extremwetter

Und jetzt das andere Extrem: Frost durch überfrierende Nässe kann es zwar in der Nacht zu Mittwoch noch geben, doch dann klettern die Temperaturen zielstrebig auf zweistellige Werte zu. Mittwoch sind 8 Grad, drin, Donnerstag schon örtlich 10 Grad. Ab dem Wochenende ist der Winter wie ausgeknipst. In unserer Region sind bis zum Sonntag ziemlich sicher 15 Grad bei Sonnenschein drin, ab Sonntag und zu Beginn der nächsten Woche hält Wetterexperte Jung deutschlandweit sogar Spitzenwerte von bis zu 20 Grad für möglich. Wer sich zufällig gerade in den Alpen aufhält, kann sich bei Föhn auf bis zu 23 Grad freuen – und das in der zweiten Februarhälfte! Solche Temperaturen wären sonst erst Anfang oder Mitte April zu erwarten, aber nicht in diesem Hochwintermonat.

Diplom-Meteorologe Jung wundert sich, dass der Februar, in Berlin bislang sage und schreibe 6 Grad zu kalt, am Ende sogar als zu warmer Wintermonat enden könnte! „Dann wäre es nach Dezember und Januar der dritte zu warme Wintermonat in Folge, und damit wäre auch dieser Winter mal wieder ein Mildwinter gewesen“, so Jung. Dazu kommt: Wir werden die auf uns zukommende Wärme bei viel Sonnenschein noch als noch wärmer als die gemessenen Werte empfinden. 

Wetterexperte Jung hält einen Zusammenhang mit dem Klimawandel für naheliegend: Dieser „sorgt dafür, dass die Wetterextreme und die Schwankungen auch beim Wetter immer größer werden“. Klar könne es mal im Februar auch ungewöhnlich warm werden. „Aber in der Regel passiert das an einem oder maximal zwei Tagen.“ Dass es nun offenbar gut eine Woche extrem warm werde, das sei dann doch sehr ungewöhnlich.

Und dennoch: „Den Winter sollten wir aber noch nicht abschreiben. Der kann sich auch im März noch mal zu Wort melden. Vielleicht wird es Anfang März wieder etwas kälter. Dazu kann man aktuell aber noch nichts Genaues sagen. Wir müssen abwarten“, erklärt Wetterexperte Dominik Jung.