Eine 18 Meter hohe Pappel ist auf die Fahrbahn einer Straße in Niedersachsen gekracht. In unserer Region blieben die Sturmschäden überschaubar. imago/localpic

Es geht immer noch einen Tick verrückter: Nach dem irren April macht auch der Mai, was er will. Die Temperaturen gehen rauf und runter. Total unterkühlt war die Woche gestartet, am Dienstag gab es etwas, das Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net) als „Herbst- oder Wintersturm“ bezeichnet. Bis Freitag bleibt es wieder kühl, bevor dann am Sonnabend die Temperaturen kräftig steigen. Und dann der Sonntag: „Er bringt auf einen Schlag den Hochsommer“, so Dominik Jung. In unserer Region peilen die Höchstwerte am Muttertag bereits die 25-Grad-Marke an, doch verbreitet könnten es noch mehr werden. Die höchsten Werte erwartet Wetterexperte Jung im Südwesten Deutschlands bis zu 30 Grad: Das wäre der erste Hitzetag des Jahres 2021! „Das ist eine Achterbahnfahrt, die erlebt man beim Wetter in dieser Form auch eher selten“, wundert sich Jung.

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Und dann dieser stürmische Wind: Am Dienstag wurden am Brocken sage und schreibe 140 km/h gemessen. Am hessischen Gipfel Wasserkuppe wurden 110 km/h gemessen – laut Jung „die stärkste Böe die in einem Mai seit Messbeginn im Jahr 1959 gemessen wurde“. Den kräftigsten Wind gab es in West- und Norddeutschland. Auch in unserer Region war die Feuerwehr vorbereitet, es blieb jedoch bei einzelnen umgestürzten Bäumen. Größere Verkehrsbeeinträchtigungen blieben aus.

Nach Sturm „Eugen“ wird es ganz schön kühl bleiben.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung

Und nun? „Nach Sturm ‚Eugen‘ wird es ganz schön kühl bleiben“ – bis Sonnabend wird es laut Dominik Jung auch so bleiben, bis sich sehr warme Sahara-Luft aus Nordafrika über Spanien zu uns vordringt. Sie bringt allerdings nicht nur den Hochsommer zu uns, sondern auch Saharastaub, der den freien Blick auf den Himmel trüben könnte. Auch kräftige Gewitter kündigen sich aus Westen an, aber bislang sieht es so aus, als könnten diese unserer Region zunächst erspart bleiben.

Hochsommerwetter bleibt Eintagsfliege: Schneefälle in Süddeutschland!

Perfektes Hochsommerwetter, allerdings mit einem Haken: Er wird wohl nur eine Eintagsfliege bleiben. Immerhin sieht es so aus, dass wir im Osten noch eine Verlängerung zu Anfang nächster Woche bekommen, während es im Nordwesten schon wieder kühler wird. Dienstag und Mittwoch bekommt es Süddeutschland geradezu mit einem neuen Wintereinbruch zu tun: In höheren Lagen sind schon wieder Schneeflocken möglich! „Dieses Wetter ist echt verrückt“, bringt es Diplom-Meteorologe Dominik Jung auf den Punkt.

Durchwachsen wird es wohl auch bis zum Monatsende weitergehen. „Ein stabiles Frühlingshoch ist nicht in Sicht.“ Stattdessen ein bisschen aus allen Jahreszeiten: „Nachtfröste für den Winter, Sturm für den Herbst, 30 Grad für den Sommer und irgendwas dazwischen für den Frühling“, kommentiert Jung.

Auffällig: Dieses Jahr ist stark von Wetterextremen geprägt. „Erst Rekordkälte im Februar, dann schlagartig Ende Februar Rekordwärme bis 22 Grad“, so der Wetterexperte. „Dann war es im März wochenlang kühl und zum Monatsende gab es wieder einige Tage Rekordwärme und Topwerte bis 27 Grad.“ Und dann der April: So kalt wie seit 40 Jahren nicht mehr war er! Der Mai ist mit einem Herbstturm gestartet und bringt uns nun den Hochsommer. Ein Extrem folgt aufs andere. Für dieses Wetterextrem findet Dominik Jung einen sarkastischen Begriff: „Willkommen Klimawandel.“