Einsatz im Osten Berlins: Voll mit Passagieren besetzt, schippert jetzt der Wal-Dampfer  Moby Dick auf der Spree Richtung Müggelsee. Das sieht man im westlichen Reinickendorf, wo das legendäre Schiff stationiert  war, gar nicht gerne. Ralf Drescher

Er sieht wie ein Wal aus und ist die Dampferlegende aus dem einstigen guten, alten West-Berlin. Fast jeder kennt das berühmte Ausflugsschiff „Moby Dick“, das nun ausgerechnet zu seinem 50. Geburtstag sein bisher angestammtes Revier im Westen der Stadt verlassen hat. Der Dampfer machte von seinem Heimathafen Tegel einfach rüber nach Treptow, um 33 Jahre nach dem Mauerfall nun von dort erstmals auf dem Müggelsee im Osten Berlins zu schippern. Die Treptower und Köpenicker freuen sich, im Bezirk Reinickendorf ist man sauer.

Lesen Sie dazu jetzt auch: Verkehrsunternehmen warnt: DAS sollten Sie mit dem 9-Euro-Ticket auf keinen Fall tun – denn dann wird es unbrauchbar! >>

Sorgt Moby Dick für eine neue Ost-West-Mauer in den Köpfen der Berliner? Denn während das Schiff gerade auf der Dahme durch die Köpenicker Altstadt und auf dem Müggelsee seine Runden dreht, schlugen die Wellen auf der vergangenen Bezirksverordnetenversammlung in Reinickendorf recht hoch. Die Abgeordneten können und wollen nicht verstehen, warum die „Stern- und Kreisschiffahrt“ entschied, dass Moby Dick in diesem Jahr nicht mehr den Hafen in Tegel als Standort hat.

Lesen Sie auch:: Horoskop für Mittwoch, den 8. Juni 2022: So wird Ihr Tag heute – laut Ihrem Sternzeichen >>

Im Hafen am Tegeler See war die Moby Dick jahrelang stationiert. imago-images/Jürgen Ritter

West-Dampfer im Osten: Bürgermeister will Moby Dick zurückhaben

Mit dem Wegzug des legendären Wal-Dampfers würde der Tegeler See seinen Touristen-Anziehungspunkt verlieren. Wenn der Dampfer nun in anderen Gewässern sei, wäre es für den Standort in Tegel nicht sehr förderlich, hieß es.

Lesen Sie auch: Blutgeschwür, Wolga-Bootsmann und Grüne Wiese: So mixte sich die DDR in den Rausch>>

„Wir sind schon sehr enttäuscht gewesen, als wir von der Entscheidung der Reederei hörten“, sagte Bezirkssprecher Michael Hielscher dem KURIER. Der Umzug von Moby Dick nach Treptow-Köpenick sei „nicht nachvollziehbar“. Mit dem Fehlen der Moby Dick würden von Tegel aus auch die beliebten Dampfertouren in die City-West entfallen. Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) sprach von einem erheblichen Verlust und forderte in einem Schreiben die „Stern- und Kreisschiffahrt“ auf, dass die Reederei den Standortwechsel rückgängig mache.

Reinickendorfs Bürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) will, dass Moby Dick wieder nach Tegel kommt. SPD

Die von der ostwestfälischen Werft Büsching & Rosemeyer gebaute Moby Dick ist seit 1972 im Besitz der Reederei. Das über 48 Meter lange Schiff kann bis zu 400 Passagiere aufnehmen, tourte bisher auf der Havel, der Spree, auf dem Wannsee und dem Tegeler See. Nach dem Mauerfall ist das Wal-Schiff auch in Potsdam unterwegs gewesen.

Lesen Sie auch: Olympiastadion in Flammen: Berliner in Sorge – aber keine Angst, es ist nur Rammstein!>>

Wal-Dampfer Moby Dick wird Attraktion beim Köpenicker Sommer

Nun entschloss die „Stern- und Kreisschiffahrt“, den Dampfer auch durch Gewässer fahren zu lassen, wo die Moby Dick bisher noch nicht wahr – wie auf dem Müggelsee im Osten, der der größte See in Berlin ist.  Als besonderer Höhepunkt zum „Köpenicker Sommer“ wird der silberne Wal-Dampfer vom 17. bis 19. Juni direkt vom Köpenicker Hafen Luisenhain zum Müggelsee fahren, drei Mal täglich für jeweils 90 Minuten.

Die Freude darüber ist bei den Köpenickern und auch Touris groß. „Die Entscheidung, die legendäre Moby Dick auch einmal in unserer Region fahren zu lassen, war längst überfällig“, sagt Mathis Richter, Chef des Köpenicker Tourismusvereins. „Die Nachfrage nach den Touren, die bei uns jetzt eingehen, ist enorm. Und wer in Tegel Moby Dick vermisst, kann gerne zu uns kommen. So weit ist ja Treptow-Köpenick nicht von Reinickendorf entfernt. Schließlich gehört das Schiff zum gesamten Berliner Stadtbild.“

So sieht es auch die Reederei, die die Aufregung der Reinickendorfer Bezirkspolitiker wegen des Standortwechsels nicht verstehen kann. „Die Moby Dick ist ein Schiff der Stern- und Kreis und nicht nur ein Tegel-Schiff“, sagte Sprecherin Patrizia Sprengel dem KURIER. „Wenn ein anderes unserer Schiffe den Standort wechselt, nimmt das kaum jemand wahr.“

Der legendäre Wal-Dampfer aus dem Westen schippert am Köpenicker Hafen Luisenhain vorbei. Ralf Drescher

Moby Dick schippert im Osten: Reederei kann Aufregung nicht verstehen

Es gab auch keinen Ärger, als vor Jahren die Moby Dick im Hafen Wannsee ankerte und nicht in Tegel. „Dass unsere Schiffe auch auf anderen Touren und Gewässern fahren, ist ganz normal“, sagt Sprecherin Sprengel. Dies wäre nun auch der Grund gewesen, warum die Moby Dick in dieser Saison von Treptow aus auf Spreefahrt zum Müggelsee geht. Dies heißt aber nicht, dass die Moby Dick nun Tegel für immer fernbleiben wird.

Lesen Sie auch: Bleibt das 9-Euro-Ticket über den Sommer hinaus? Immer mehr fordern es!>>

Laut Reederei gibt es in Tegel noch die „Havel Queen“, ebenfalls einer der beliebten Dampfer der „Stern- und Kreisschiffahrt“. Allerdings ist sie für Touren in die City-West zu groß. Daher werde die Reederei in diesem Jahr keine dieser Touren von Tegel aus anbieten können.

Eine Alternative könne man nicht anbieten. Coronabedingt kommen von den insgesamt 31 Dampfern nur 19 Schiffe in diesem Jahr zum Einsatz. Fehlendes Personal sei der Grund. Wegen der Pandemie-Einschränkungen in der Vergangenheit, in denen Berlins Dampfer nicht das volle Programm fahren durften, hatten sich Mitarbeiter andere Jobs gesucht, so die Sprecherin. „Vor allem fehlt es uns an Schiffführern“, sagt Sprengel. Ersatz für solche speziell qualifizierten Frauen und Männer zu finden, sei sehr schwierig.