Die Artisten im Zirkus Rogall proben für ihre Weihnachtsshow, die am 16. Dezember starten soll. Noch wissen sie aber nicht, ob sie die Manege für das Publikum freigeben dürfen.
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Während des ersten Lockdowns war der Zirkus bereits lahmgelegt und saß in Teltow fest. Hier füttert Tochter Celine-Michelle Rogalli die Ponys mit einer Futterspende. Die Anwohner hatten das Berliner Familienunternehmen damals sehr unterstützt.
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Das Zirkuszelt hat Platz für rund 200 Gäste: Um den Mindestabstand einzuhalten, dürfen aber nur 150 Zuschauer auf einmal die Weihnachtsshow besuchen.
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Die Mitarbeiter haben in der ganzen Stadt 150.000 Flyer verteilt, 1500 Werbetafeln aufgestellt und 1000 Plakate in der ganzen Stadt geklebt. Bis Sonntag soll das Zirkuszelt stehen, damit die Artisten mit ihren Proben für das neue Winterprogramm beginnen können. Doch ob sich all die Mühe und Kraft lohnen werden und sie am 16. Dezember tatsächlich vor Publikum in der Manege stehen werden, diese Frage kann ihnen derzeit noch niemand beantworten. Die alteingesessene Berliner Zirkusfamilie Rogalli (www.circus-rogall-berlin.de) sitzt in ihren Wohnwagen an der Birkbuschstraße in Lankwitz und bangt um ihren diesjährigen Weihnachtszirkus und damit auch um ihr Lebenswerk. Der derzeitige Lockdown hat sie nun schon zum zweiten Mal in diesem Jahr lahm gelegt.

„Wenn wir nicht auftreten dürfen, sind wir wirtschaftlich am Ende“, sagt Zirkusdirektor Roman Rogalli vom Zirkus Rogall, der sich ohne i am Ende schreibt. Der KURIER berichtete bereits in der Vergangenheit über die Existenznot des Unternehmens in der Corona-Krise. Während des ersten Lockdowns saßen sie monatelang in Teltow fest, weil sie wegen der Ausgangsbeschränkungen der Behörden nicht weiter auf Tournee gehen durften. Damals wurden sie von Anwohnern mit Geld- und Futterspenden unterstützt, da sie nach eigenen Angaben von staatlicher Seite keine Unterstützung bekamen. Er habe zwar seinen Antrag bei der Investitionsbank eingereicht, aber bis heute nichts gehört, so berichtet Roman Rogalli.

Doch der Zirkusdirektor schöpfte neue Hoffnung, als sie im Oktober endlich wieder mit ihrem Programm in Biesdorf starten konnten. „Unsere neue Show ‚Colours of Life‘ lief gut und wir waren trotz der Personenbeschränkungen zufrieden“, so Rogalli. Nun steht er erneut vor einem Problem, da er nicht weiß, ob er mit dem Weihnachtszirkus in diesem Jahr starten darf. „Sollten wir nicht spielen dürfen, ist das für uns eine Katastrophe“, sagt Rogalli. Denn es sei das Haupteinnahmegeschäft der Zirkusfamilie, zu der neben ihm noch seine Ehefrau Angela (38), Tochter Celine-Michelle (22) und die zwei Söhne Fielano (13) und Georgis (10) sowie die drei Angestellten und 50 Tiere gehören. Sie müssten von diesen Einnahmen nicht nur die laufenden Kosten zahlen, sondern im Januar auch die Versicherungen für das ganze Jahr für ihren Fuhrpark mit zehn Lkw und die 50 Tiere bezahlen. „Das Heizöl für eine Woche kostet uns mehrere Tausend Euro und die Werbemittel für unseren Weihnachtszirkus haben uns insgesamt 5000 Euro gekostet. Das Geld muss ja irgendwoher kommen“, sagt der Zirkus-Chef.

Doch noch wollten sie sich die Hoffnung nicht nehmen lassen und vertrauen darauf, dass sie ihre neue Show „Auf der Suche nach Weihnachten“ vom 16. Dezember bis 5. Januar präsentieren können. Sie hätten den Eröffnungstermin bereits weit nach hinten geschoben, um Zeit zu gewinnen. Denn ursprünglich sollte der Weihnachtszirkus bereits am 5. Dezember starten. „Wir haben viele Elfen, Weihnachtsmänner und Kunstschnee und Glitzer in unser Programm eingebaut und unsere Pferde tragen weiße Engelsflügel“, verrät Rogalli. Ob die Kinder und ihre Eltern allerdings in den Genuss kommen werden, die über Monate einstudierten Darbietungen anzuschauen, hängt davon ab, wie die Bundesregierung in der kommenden Woche über die Maßnahmen im Dezember entscheiden wird.

Der Berliner Zirkus Rogall existiert schon seit 1977 und wurde damals von Roman Rogallis Eltern Sonja und Hans-Jürgen Rogalli gegründet. Nun steht ihr Sohn vor der größten Herausforderung seiner bisherigen beruflichen Karriere: Er muss das Unternehmen durch die Pandemie bringen. Bloß wie? Das Traurige sei, dass sie sich so handlungsunfähig fühlten. „Wir haben uns an sämtliche Hygienevorschriften gehalten und alle Daten unserer Gäste sorgfältig erfasst. Bislang ist uns nicht ein Corona-Fall bekannt. Ich weiß nicht, was wir noch machen sollen“, sagt Roman Rogalli. 

Solange noch nichts entschieden ist, kann der Zirkus auch noch keine Ticktes für die Vorstellungen verkaufen. Normalerweise hat der Kartenvorverkauf für ihre Weihnachtsshow um diese Zeit bereits begonnen. „Viele haben schon angefragt, aber wir müssen sie weiterhin vertrösten. Das ist für beide Seiten sehr unbefriedigend“, erklärt Rogalli. Für das Geschäft sei die unklare Situation nicht gerade verkaufsfördernd. Ihm sind die Hände gebunden. Roman Rogalli wartet auf ein Weihnachtswunder.