Einsatzkräfte der Polizei begutachten den Schaden an der Haltestelle. Foto:  Morris Pudwell

Schock in Weißensee! Nachdem Polizisten auf eine mit Messer und Schere bewaffnete Frau in Weißensee schossen, ist am Donnerstag ein Zeugenvideo in den sozialen Netzwerken veröffentlicht worden. Der Clip wurde auf Instagram bis zum Nachmittag über 73.300 Mal angeschaut. Die Bilder zeigen, wie Polizisten mit vorgehaltenen Schusswaffen die Frau zwischen Autofahrern und einem Bus auffordern, sich auf den Boden zu legen.

Die Frau schlängelt sich jedoch schnellen Schrittes an den Fahrzeugen vorbei. Die Polizisten rufen dem Busfahrer sowie den Autofahrern und den Führern von zwei stehenden Straßenbahnen zu, sie sollen alle Türen schließen. „Bleib stehen, Fräulein!“, brüllt einer der Beamten. Es herrscht große Anspannung und Hektik. Die Frau ist allein, schreit ein Polizist einem Kollegen zu. Immer ertönt das Wort „Messer “.

In einer zweiten Perspektive ist zu sehen, dass die Polizisten Verstärkung bekommen haben. Ein Hund bellt, kurz darauf enden die Aufnahmen. Schüsse sind auf dem Video nicht zu hören. Es sind dramatische Szenen, die für die Frau im Krankenhaus enden.

In der Nacht zu Donnerstag hatten Polizisten an der Straßenbahnhaltestelle Albertinenstraße in der Berliner Allee mehrere Schüsse auf die 68-Jährige abgefeuert. Zwei Schüsse durchschlugen das Sicherheitsglas, ein drittes Projektil schlug in eine beleuchtete Hinweistafel der BVG ein. Die Frau wurde am Bein getroffen.

Die Einsatzkräfte waren am Mittwochabend um 21.45 Uhr wegen einer Bedrohung alarmiert worden. Die Verdächtige soll einen Fahrgast mit einem Messer bedroht haben. Als zwei Beamte an der Tramhaltestelle eintrafen, war die Frau noch immer bewaffnet, sagte ein Polizeisprecher am nächsten Vormittag. „Trotz eines Warnschusses in die Luft missachtete die 68-Jährige die Aufforderungen. Sie ging mit einem Messer in der einen Hand und einer Schere in der anderen weiter auf die Polizisten zu“, erklärte Polizeisprecher Martin Halweg. Da von ihr eine Gefahr ausgegangen sei, gaben die Polizisten mehrere Schüsse auf sie ab.

Nach Polizeischüssen: Beamte hetzen Diensthund auf Frau

Trotz ihrer blutenden Beinverletzung soll sich die Frau rund 250 Meter in Richtung Greifswalder Straße geschleppt haben. Nach Eintreffen weiter Unterstützungskräfte hetzten die Beamten einen Diensthund auf die schwer verletzte Frau. „Das beendete den Fluchtversuch“, so der Polizeisprecher.

Die 68-Jährige wurde daraufhin vor Ort von Notfallsanitätern und einem Notarzt versorgt und anschließend in ein Krankenhaus transportiert. Lebensgefährliche Verletzungen habe sie der Polizei zufolge nicht erlitten.

Lesen Sie auch: Berlin-Polizei-Ticker >>

Die Spurensicherung des LKA Berlin sicherte bis zum Morgen Projektile und DNA-Spuren. Die Berliner Allee war von der Mahlerstraße bis Höhe Smetanastraße bis zum Morgen voll gesperrt. Eine Mordkommission hat wie üblich nach einem Schusswaffengebrauch eines Polizisten die weiteren Ermittlungen übernommen. Warum die Frau mit Messer und Schere unberechenbar auf der Straße umherirrte, war zunächst unklar. Der Polizei zufolge sollte sie im Laufe des Tages vernommen werden. Ihr Gesundheitszustand ließe das zu, hieß es.

2020: Berliner Polizisten feuerten 108 Schüsse aus Dienstwaffen ab

Berliner Polizisten haben im vergangenen Jahr mindestens 108 Mal im Einsatz mit ihrer Dienstwaffe geschossen. In einem Fall wurde 2020 durch den Einsatz einer Schusswaffe ein Mensch getötet. Dabei traf eine Polizeikugel unter anderem eine 33-jährige Frau in Friedrichshain, die dadurch starb. Sie soll in einem verwirrten Zustand in einer Wohnung Polizisten mit einem Messer bedroht und angegriffen haben. Außerdem schossen Polizisten im vergangenen Jahr 19 Mal versehentlich mit ihren Pistolen.

2019 hatte es noch 73 Fälle von beabsichtigten Polizeischüssen während laufender Einsätze gegeben. Weitere 26 Mal wurde unbeabsichtigt geschossen.