Angehörige sorgen sich um ihre Verwandten in den Heimen. Foto: Imago

Kann die demente Omi nicht doch zu uns nach Hause kommen? Der Opa von der Familie gepflegt werden? Familien sind verzweifelt und wollen ihre Angehörigen aus Altersheimen holen – aus Angst vor Corona. Denn es wird immer
schwieriger, die Alten und zu Pflegenden vor Ansteckung zu schützen.

Lesen Sie hier unseren Corona-Newsblog >>

Die Nachrichten aus Pflegeheimen in Würzburg und Wolfsburg, wo es vor Kurzem eine Häufung an Covid-19-Erkrankungen und Todesfälle bei betagten Bewohnern gab, machen es deutlich: Sind ältere Menschen in Heimen dem Virus ausgesetzt, haben sie der Erkrankung oft wenig entgegenzusetzen. Nicht umsonst appellieren Patientenschützer angesichts knapp werdender Schutzmaterialien auch in Pflegeheimen eindringlich an die Politik. „Wenn es brennt, reicht es nicht, Geld zu überweisen. Es müssen auch Personal und Material geschickt werden“,
sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch.

Schon jetzt seien Familien oft verzweifelt. „Die rufen bei uns an und wollen wissen, wie sie ihre Angehörigen aus den Heimen holen können, damit sie sich nicht mit Corona infizieren“, berichtete Brysch. Auch ambulante Pflegedienste haben kaum noch Zugriff auf Mundschutze und Desinfektionsmittel. „Die hoffen, dass sich das Personal darauf einlässt und trotzdem arbeiten geht. Das ist Russisches Roulette“, so Brysch.

Inhaftierte in Tegel und Moabit nähen Atemmasken

Ältere Menschen sind besonders gefährdet, an einer Coronavirus-Infektion zu sterben. 87 Prozent aller Toten seien 70 Jahre und älter, hatte RKI-Präsident Lothar Wieler am Dienstag gesagt. In allen Berliner Bezirken sind nach Angaben des Reinickendorfer Amtsarztes Patrick Larscheid inzwischen auch einzelne Alten- und Pflegeheime von der Pandemie betroffen. „Ein großes Problem sind die Pflegenden. Sie tragen den Erreger auch hinein. Und auf sie können wir ja nun schlecht verzichten“, sagte Larscheid.

Einen Fall wie Würzburg mit zwölf Toten in einem Seniorenheim habe Berlin zum Glück noch nicht. „Aber wegen der miserablen Ausstattung mit Barrieremaßnahmen und auch Basishygienemaßnahmen schon im Normalfall kann sich so etwas an jedem Ort in Deutschland wiederholen“, ergänzte er. Derweil nähen in den Berliner Männer-Gefängnissen Tegel und Moabit Inhaftierte jetzt Atemmasken. Ein Teil davon soll an die Johanniter in den Bereich der Altenpflege gehen, so Sprecher Sebastian Brux.