A. ist vor wenigen Tagen 18 geworden und hat vor drei Tagen erfahren, dass er seinen MSA-Abschluss erfolgreich bestanden hat. Eigentlich könnte er sich darüber freuen. Doch seine Freude wird gerade von einem saftigen Bußgeldbescheid über 208,50 Euro getrübt. Weil er unerlaubt während der Corona-Ausgangsbeschränkungen auf einem gesperrten Spielplatz im Görlitzer Park Fußball gespielt hat und von zwei Polizisten erwischt wurde, muss er jetzt diese horrende Summer zahlen. „Ich weiß nicht, woher ich das Geld nehmen soll“, sagt er traurig.

Bezirksamt will Fall nochmal prüfen

A. floh vor vier Jahren mit seinem Onkel aus seiner Heimatstadt Kundus (Afghanistan). Er ließ seine drei Schwestern, zwei Brüder und seine Eltern zurück. „Mein Vater wurde von den Taliban verfolgt und ich sollte als ältester Sohn ein besseres Leben haben. Deshalb schickte er mich nach Deutschland.“ Der junge Flüchtling lebt in einer betreuten Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge am Ostkreuz und wird vom Staat finanziell unterstützt. Er kann auch nicht einfach arbeiten gehen, um das Geld, dass er zahlen muss, zu verdienen.

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Am 11. April kam es zu dem Vorfall auf dem Spielplatz. „Ich sah drei Jungen Fußballspielen und sie fragten mich, ob ich mitspielen möchte.“ Doch als er gerade den Ball ins Tor schoss, seien zwei Polizisten auf ihn zu gekommen und hätten ihm gesagt, dass Ball spielen verboten sei. „Sie wollten sofort meine Daten haben“, erinnert sich der Schüler.

A. bereut, was er getan hat, wie er sagt. „Es war blöd von mir, da ich ja wusste, dass es nicht erlaubt ist.“ Er sei einfach in dem Moment so froh gewesen, sich mal wieder bewegen zu können, dass er nicht über die Folgen nachgedacht hat. Der KURIER hakte beim zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nach: Ist das Bußgeld nicht ein bisschen hoch für einen Schüler, der zu dem Zeitpunkt der Ordnungswidrigkeit sogar noch minderjährig war? „Wir werden uns den Fall noch einmal genau in unserem Team anschauen und die Angelegenheit genauestens rekonstruieren“, teilt Sprecherin Sara Lühmann mit.

Bußgeld viel zu hoch

A. hat nach eigenen Angaben 220 Euro im Monat zum Leben zur Verfügung. Den Rest sparten seine Betreuer für seine Anwälte, die ihn während des Asylverfahrens juristisch zur Seite stünden. Er will nach dem erfolgreichen Abschluss der 10. Klasse weiter zur Schule gehen und noch sein Fachabitur machen und Polizist werden. Er sagt: „Es war schon immer mein Traumjob.“

Nun muss er allerdings erst einmal einen Weg finden, wie er seine 208,50 Euro Schulden loswerden soll. A. hofft, „dass er mit dem Bezirksamt wenigstens eine Ratenzahlung vereinbaren kann“.