Für den Störenfried war der Zug nach einer Station abgefahren. Tausende Fahrgäste aber saßen mitten im Berufsverkehr fest.
Die dreiste Tour auf der S-Bahn-Linie S1 brachte Alex T. (21, Name geändert) nun vor Gericht. Ein Bürschchen aus Steglitz, lebte bis vor kurzem noch bei den Eltern, hatte viel Freizeit, sorgte immer wieder für Ärger - „bin auf dumme Gedanken gekommen“.
Wie am 21. Mai 2025. Gegen 17.15 Uhr schlich er am S-Bahnhof Friedenau in einen unbesetzten Führerstand in der Mitte des Zuges. Die Anklage lautet auf Hausfriedensbruch: „Er hielt sich dort unberechtigt auf.“
Zugführer alarmierte Notfall-Leitstelle
Beim nächsten Halt im Bahnhof Schöneberg wurde der falsche Fahrer entdeckt. Der echte Triebfahrzeugführer schloss den gesamten Zug ab, verständigte die Notfall-Leitstelle. Kein Rad drehte sich mehr. Stillstand auch für die nachfolgenden Züge – mit insgesamt 153 Minuten Verspätung.
Die Richterin: „Was hat Sie geritten?“ Der S-Bahn-Rüpel: „Ich hatte seit längerer Zeit einen Universalschlüssel – bekommen auf einem Graffiti-Event.“ Weil er den zufällig in der Tasche hatte, sei er „ganz spontan“ auf die Idee gekommen. Alex T.: „Die Entscheidung fiel in der Bahn, ich habe nicht wirklich nachgedacht.“
Sicherheitskräfte rückten an. Videoaufnahmen zeigen: Der Störenfried reichte den illegal erlangten Schlüssel aus dem Fenster, ein Kumpel konnte damit abhauen. T.: „Aber einen Monat später wurde der spezielle Schlüssel bei einer Kontrolle an einem Bahnhof einkassiert.“
Die lange Strafakte des T.
14 Einträge im Strafregister hat sich T. bereits eingehandelt. Dabei ging es um Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch. Er bekam Weisungen und Freizeitarbeiten, musste zuletzt für ein Wochenende in den Jugendarrest.
Der Staatsanwalt: „Es wurde alles versucht nach dem Jugendstrafrecht. Doch die Sanktionen brachten ihn nicht auf den rechten Pfad.“ Wieder sei T. auffällig geworden – „aus Jux und Dollerei“. Viele Fahrgäste seien zu spät nach Hause gekommen – „es nervt, wenn jemand bei der Bahn so einen Mist macht“.
Alex T. will ich inzwischen gebessert haben: „Ich unterstütze ältere Menschen im Alltag, beziehe Betten, gehe einkaufen.“ Im Monat verdiene er rund 1.000 Euro. Eine Ausbildung habe er im Blick: „Gesundheitskaufmann wäre mein Ziel.“
