Corona lässt sogar den Weihnachtsmann verzweifeln. Foto: imago images/Sabine Gudath

Nach einem schwierigen Jahr hatten viele Berliner auf eine entspannte Adventszeit gehofft. Doch klar ist: Das Weihnachtsfest wird in diesem Jahr ganz anders werden als bisher. Das bekommen momentan vor allem jene zu spüren, die die schönsten Tage des Jahres planen und organisieren. Viele Dinge, die sonst normal waren, sind in diesem Dezember anders, schwierig oder unmöglich.

Dass Weihnachten in diesem Jahr anders wird als bisher, ist sogar in der größten Weihnachtswichtel-Werkstatt der Stadt zu spüren. Sie liegt in der Haynauer Straße in Lankwitz, in einem eher unscheinbaren Gebäude. Hier, aufgeteilt auf mehrere Hallen, verpacken ehrenamtliche Helfer schon seit Wochen Überraschungspäckchen für arme Kinder auf der ganzen Welt. „Weihnachten im Schuhkarton“ heißt die Aktion, die es in diesem Jahr zum 25. Mal gibt. Die Idee: Schuhkartons werden gefüllt mit Spielzeug, Süßigkeiten und Hygieneartikeln – und in verschiedene Länder transportiert.

Hannelore Rennspieß (69) kommt seit 2006 jedes Jahr in die Weihnachtswerkstatt. Dieses Mal sortiert sie die Sachspenden – auch gestrickte Mützen sind dabei.
Foto: Berliner KURIER / Gerd Engelsmann

In diesem Jahr findet sich ein neuer Artikel in den Päckchen: die Alltagsmaske. „Das gehört 2020 dazu“, sagt Hannelore Rennspieß, die am Eingang einer der Packhallen die Sachspenden sortiert. Rennspieß ist 65 Jahre alt, kommt seit 2006 jedes Jahr in die Packfabrik – und auch im Corona-Jahr führte daran kein Weg vorbei. „Ich mache das mit Leib und Seele“, sagt sie. Aus einer großen Kiste holt sie einen Stapel Stoffmasken in bunten Farben, einzeln eingeschweißt. „Es ist schön, dass wir so viele Masken bekommen haben und in möglichst viele Kartons welche stecken können“, sagt sie.

Auch in der Wichtelwerkstatt gilt: Maske tragen, Abstand halten

Während viele ihre Schuhkartons zu Hause packen und zu einer Sammelstelle bringen, entstehen in den Hallen in Lankwitz Pakete aus Sachspenden, außerdem werden abgegebene Päckchen auf verbotene Güter kontrolliert. Für die Arbeit in der großen Werkstatt hat sich einiges verändert: Die Helfer, die hier anpacken, müssen in diesem Jahr Masken tragen, sie arbeiten in mehreren Schichten, Desinfektionsmittel stehen bereit, die Wegeführung ist geregelt, die Helfer sind auf mehrere Packräume verteilt.

Die Winterwelt am Potsdamer Platz war bereits aufgebaut, soll nun aber wieder abgebaut werden. Foto: imago images/Future Image

Laut Plan sollen sich in diesem Jahr 250.000 Schuhkartons auf die Reise machen. Der Zustrom an Helfern sei aber etwas geringer als in den Vorjahren, sagt Sprecherin Jessica Martens. „Normalerweise haben wir pro Jahr etwa 5000 ehrenamtliche Helfer – ob wir die in diesem Jahr zusammenkriegen, wissen wir noch nicht“, sagt sie. „Corona macht sich bemerkbar. Es gibt auch immer wieder Firmen, die uns in der Vergangenheit ihre Mitarbeiter für einen Hilfseinsatz geschickt haben. Das bleibt aber aus, weil auch sie lieber auf Nummer sicher gehen wollen.“

Es gelten in jedem Fall die üblichen Richtlinien: Abstand, Maske, Desinfektion. Und wir empfehlen, die Bescherung im Freien abzuhalten, wenn ein Weihnachtsmann kommen soll.

Petra Henkert, Weihnachtsmannbüro Zeuthen

Auf Nummer sicher gehen wollen auch andere – sogar die Weihnachtsmänner der Stadt. Viele Familien buchen sich gern einen Rauschebart zum Fest, um die Kinder zu überraschen. Klappt das auch mit Corona? „Wir bereiten alles vor und arbeiten an einem Hygiene-Leitfaden“, sagt Petra Henkert, Chefin des „Weihnachtsmannbüros“ in Zeuthen, dem KURIER. Sie vermittelt Weihnachtsmänner und Engel für Events, aber auch an Familien in Berlin und Brandenburg. Normalerweise seien zu diesem Zeitpunkt im November schon alle Buchungsformulare geschlossen. „Aber in diesem Jahr sind viele Familien zurückhaltender – und die Weihnachtsmänner auch“, sagt Henkert. Denn einige Rauschebärte gehören aufgrund des Alters zur Risikogruppe.

Auch eine Online-Bescherung ist im Jahr 2020 möglich

Man arbeitet an Konzepten, um den Besuch des Weihnachtsmannes auch in diesem Jahr zu ermöglichen. „Es gelten in jedem Fall die üblichen Richtlinien: Abstand, Maske, Desinfektion. Und wir empfehlen, die Bescherung im Freien abzuhalten, wenn ein Weihnachtsmann kommen soll. Aber das ist natürlich abhängig vom Wetter“, sagt Henkert. Denkbar sei auch eine Online-Bescherung. Henkert hofft, dass sie trotz der Pandemie auch in diesem Jahr viele Rauschebärte und Familien zusammenbringen kann. „Denn auf diesen magischen Moment im Dezember freuen sich nicht nur die Kinder, sondern tatsächlich auch unsere Weihnachtsmänner“, sagt sie.

Der Weihnachtsmann wurde vor dem Himmelpforter Weihnachtspostamt begrüßt, das Amt bleibt aber zu. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dp

Anderswo ist es mit den magischen Momenten längst vorbei. Die Weihnachtsmärkte sind, zumindest zu großen Teilen, Geschichte. Einige Betreiber hielten noch an ihren Plänen fest, doch nun zwingt die Situation auch die letzten Standhaften in die Knie. Am Alexanderplatz wird es keine Weihnachtsmärkte geben und die Winterwelt am Potsdamer Platz wird wieder abgebaut. Auch ein Großprojekt in Hoppegarten musste abgesagt werden: Hier war die Errichtung eines temporären Freizeitparks geplant. Das „Winter-Wunderland“ sollte die Berliner auf das Gelände der Galopprennbahn ziehen. „Die Vorbereitungen wurden bereits heruntergefahren, viele Arbeiten laufen allerdings für die Eröffnung im November 2021 weiter“, teilten die Organisatoren mit. Nur wenige Märkte behalten die Hoffnung auf ein verspätetes Geschäft.

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Die Weihnachtspost muss in diesem Jahr eher im Stillen beantwortet werden. Zwar wurde der Weihnachtsmann traditionell im Weihnachtspostamt in Himmelpfort begrüßt, zu beobachten ist der Rauschebart aber nicht: Das Postamt, sonst beliebtes Ausflugsziel, bleibt zu. Trotzdem sind Tausende Wunschzettel eingegangen. Nach der Anzahl der Briefe ist die Postfiliale in Himmelpfort die größte in Deutschland: 2019 trafen bis Heiligabend rund 294.000 Wunschzettel aus 65 Ländern ein.