Ingrid Gärtner und Erich Jäger wohnen in der Bülowstraße. Immer wieder fällt die Heizung aus. Volkmar Otto

Als gäbe es nicht genug Ärger auf dem Wohnungsmarkt Gesamt-Berlins, haben jetzt Mieter eines einzelnen Bezirks mit besonderem Frust zu kämpfen. Im Norden von Berlin-Schöneberg platzen am laufenden Meter Rohre, verrecken Heizungsanlagen und geben Aufzüge ihren Geist auf. Der Ärger hat inzwischen die Politik erreicht.

Betroffen von den Havarien sind oft Häuser des landeseigenen Gewobag-Konzerns. Er besitzt allein im Schöneberger Norden 4925 Wohnungen und 249 Gewerbeeinheiten.

Der Berliner Abgeordnete Sebastian Walter (Grüne) wollte mithilfe einer schriftlichen Anfrage Erkundigungen einholen, denn immer mehr Mieter beklagen sich über unhaltbare Zustände in ihren Häusern.

Allein von Oktober 2021 bis Februar 2022 gab es 3847 Meldungen

Konkret wollte Walter vom Senat wissen: „Wann sind in den Wohnanlagen der Gewobag, bzw. in den von der Gewobag verwalteten Wohnanlagen im Schöneberger Norden in der aktuellen Heizperiode Heizungsanlagen, Warmwasser und/oder Fahrstühle ausgefallen bzw. waren defekt?“

Die Antwort fiel wenig schmeichelhaft für den Konzern aus. Allein von Oktober 2021 bis Februar 2022 gab es 3847 Meldungen zu  Heizungsproblemen. Zwar gab es oft Mehrfachmeldungen, wie der Senat betont, dennoch ist die schiere Summe der Meldungen beträchtlich.

Häufige Ausfallgründe seien Rohrbrüche sowie defekte Pumpen, die zu Reparaturen führen würden. „Darüber hinaus führen auch vereinzelte Gassperrungen durch Netzbetreiber zu Ausfällen“, erklärte die Senatsbauverwaltung, vertreten durch Staatssekretär Christian Gaebler.

Heizungs- und Aufzugsanlagen, die aufgrund ihres Baualters störanfällig sind

Bei den Aufzugsanlagen sieht es kaum besser aus. Im Gebiet Schöneberger Norden hat die Gewobag in eigenen Immobilien insgesamt 98 Aufzugsanlagen. Bei zehn Aufzugsanlagen habe es in 2021 insgesamt 66 Störungen gegeben. Und zwar in der  Steinmetzstraße 17 und 18, der Alvenslebenstraße 7 und 8, der Frobenstraße 4, 13, 14 und 15 und in der Bülowstraße 94 und 95, hieß es.

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Gaebler: „Bei 39 Meldungen dauerte die Behebung länger als 2 Tage. In 2022 gab es bis zum Berichtsstand Januar 2022 Störungen bei acht Aufzügen, die innerhalb von 2-4 Tagen behoben wurden.“

Der Abgeordnete Walter, der sich in seiner Anfrage auch auf Medienberichte bezog, wollte abschließend wissen, wie sich die Gewobag die relative Häufung und das Ausmaß der Ausfälle bei den Anlagen in ihren Immobilien im Schöneberger Norden erkläre.

Schon 30 Kessel in den Heizanlagen ausgetauscht

Der Senat antwortete daraufhin: „Im Gebiet Schöneberger Norden gibt es eine Vielzahl von Heizungs- und Aufzugsanlagen, die aufgrund ihres Baualters störanfällig sind. Bei den angeführten Presseberichterstattungen ist zu berücksichtigen, dass es zu einzelnen größeren Ausfällen mehrfach Berichte verschiedener Medien gab, die sich auf dieselben Ausfälle bezogen.“ Über die Havarien hatte auch der KURIER berichtet.

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Immerhin, so der Senat, seien in den Jahren 2015 bis 2021 bereits 30 Kessel in den Heizanlagen ausgetauscht worden. „Dieser Austauschprozess wird in den nächsten Jahren fortgesetzt. Für die Heizungsanlage Kleiststraße ist die Planung zur Durchführung umfassender Modernisierungsmaßnahmen aktuell veranlasst worden. Des Weiteren wird das Anlagenmonitoring der Gewobag weiter ausgebaut, sodass zentrale Ausfälle frühzeitig bemerkt werden.“

Auch bei den Aufzügen blickt man optimistisch in die Zukunft: „Für 2022 sind Investitionen für 5 Aufzugsanlagen bereits beauftragt. Für 2023 plant die Gewobag derzeit Investitionen für 15 Aufzugsanlagen im Gebiet Schöneberger Norden“, so Staatssekretär Gaebler.