Nicht jeder lässt sich impfen - und das sorgt für Diskussionen.  Foto: Oliver Berg/dpa

Geht es nach einigen Politikern sollen Impfschwänzer bald wie Schwarzfahrer mit Bußgeldern rechnen müssen. Andere setzen auf mehr Impf-Motivation. Was tun?

Seit Wochen hat sich auch wegen der sinkenden Inzidenzen eine Impfmüdigkeit eingeschlichen. Zwar werden allein in den sechs Berlinern Impfzentren täglich durchschnittlich bis zu 3000 Menschen geimpft. Doch ausgelastet sind die Zentren nicht mehr – da helfen auch die Warnungen gegen die Virus-Variante Delta nicht. Längst gibt es Debatten darüber, wie die Impfkampagne neuen Schwung kriegen könnte.

Sorgen bereiten vor allem jene, die einen Termin in einem Impfzentrum vereinbaren, aber diesen dann unentschuldigt schwänzen. Denn jeder Piks kostet den Steuerzahler rein rechnerisch bis zu 200 Euro - auch, wenn dieser gar nicht verabreicht worden ist. Am Wochenende warnte bereits SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach davor, dass die Impfzentren auf dem Serum sitzen bleiben könnten, wenn Menschen nicht zum vereinbarten Termin erschienen. Er und andere forderten Bußgelder für Impfschwänzer – und zwar zwischen 25 und 30 Euro. Doch schafft das Impfanreize?

Berlins DRK-Chef Mario Czaja bekräftigte im Gespräch mit dem KURIER:  „Es ist nicht solidarisch, einen Termin im Impfzentrum nicht abzusagen und deswegen einfach verfallen zu lassen. In solchen Fällen halte ich eine Geldstrafe in Höhe von 25 bis 30 Euro für angemessen.“ Dabei, so Czaja, gehe es „natürlich nicht darum, das Geld einzunehmen, sondern um eine höhere Impfdisziplin und bessere Solidarität“. Czaja spricht ausdrücklich für die Impfzentren, nicht für die Arztpraxen. In den Impfzentren haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, in ihren Doctolib-Konten bis zu vier Stunden vorher online  einen Termin zu stornieren. Bei weniger als vier Stunden geht es nur noch telefonisch über die Servicehotline unter 030 90 28 22 00 (Mo.–So. 7-18 Uhr).

5 bis 10 Prozent aller Impflinge lassen ihre Termine in den sechs Berliner Impfzentren verfallen

Nach Czajas Aussage lassen derzeit 5 bis 10 Prozent aller Impflinge ihre Termine in den sechs Berliner Impfzentren verfallen, in anderen Bundesländern seien die Zahlen noch höher. Das sei vor allem deswegen „eine problematische Entwicklung“, weil gleichzeitig immer noch viele auf einen Termin warteten, sagt Czaja.

Technisch wäre das Erheben einer solchen Strafgebühr problemlos möglich, sagt Czaja. Schließlich habe man die relevanten Kontaktdaten der Impflinge. Jetzt wäre es am Senat, die Geschäftsbedingungen entsprechend zu ändern und eine mögliche Strafe darin aufzunehmen. Grundsätzliche Unterstützung erhielt Czaja vom Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin, Burkhard Ruppert, der selbst eine Kinderarztpraxis im Bezirk Reinickendorf betreibt. Dieser warnte jedoch vor einem großen organisatorischen Aufwand. Es gehe aus seiner Sicht eher darum, eine Debatte anzustoßen. „Eine Diskussion darüber, dass es einfach nicht in Ordnung ist“, einen Termin ohne Absage verstreichen zu lassen. „Es ist noch nicht so lange her, dass wir nicht genug Impfangebote machen konnten“, sagte Ruppert dem KURIER.

Es geht eher um die Frage, wie die Menschen von der Impfung überzeugt werden können

Ruppert steht damit im Widerspruch zu Andreas Gassen, dem Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Gassen steht auf dem Standpunkt, dass man Impfschwänzer nicht belangen, sondern noch mehr Impfanreize schaffen sollte. Ein Punkt für ihn ist, endlich vollständig Geimpften und Genesenen ihre Privilegien zurückzugeben – unter anderem, dass ab spätestens Ende September die Maskenpflicht entfalle.

Verhalten ist auch die Reaktion der Bundesregierung. Regierungssprecher Steffen Seibert bekräftigte am Montag, dass keine Strafen für Impfschwänzer geplant seien. Er appellierte daran, einen Termin, wenn dieser nicht wahrgenommen werden könne, „rechtzeitig abzusagen“. Seibert appellierte eindringlich fürs Impfen: „Wir dürfen uns jetzt nicht trotz sinkender Inzidenzen der Illusion hingeben, dass man jetzt nicht mehr gefährdet sei.“

Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es auf Anfrage des KURIER: „Wir wollen zur Impfung einladen, nicht mit Strafen drohen und abschrecken.“ Es gehe eher um die Frage, wie die Menschen von der Impfung überzeugt werden können. Die Sprecherin: „Wir rufen alle dazu auf, sich doppelt zu impfen. Denn erst die komplette Impfserie schützt richtig vor den aktuell bekannten Virusvarianten.“

Anreize schaffen - diesen Weg will auch das DRK in Sachsen gehen: Dort wird an einem Bonussystem gearbeitet. Wer zum Impf-Termin erscheint, soll Rabatte für Dienstleistungen oder Produkte bekommen.