Pollerbau am Zugang zum Mauerpark in der Gleimstraße. Hier sind die Absperrungen fast fertig Gerd Engelsmann

Berlin kann auch schnell, wenngleich man über diese Aktion geteilter Meinung sein dürfte: Der Mauerpark in Prenzlauer Berg wird zugepollert. Nicht, um Spaziergänger im Park vor Schleichverkehr zu schützen. Es geht um die Abwehr von Terrorgefahren.

Bisher fiel der Mauerpark vor allem durch kollektive Besäufnisse, schrille Musikveranstaltungen, herrliche Sonnenuntergänge, manische Müßiggänger und durch das Treiben gemeiner Taschendiebbanden auf. Erst Ende September machte Polizeipräsidentin Barbara Slowik darauf aufmerksam: „Dass Jugendliche, die wegen der Pandemie einiges nachzuholen haben, oft einfach zu laut sind und leider oft auch den Respekt gegenüber meinen Kolleginnen und Kollegen vermissen lassen, ist das eine.“ Dass der Park jetzt allerdings auch zum Tummelplatz für Terroristen werden könnte, dürfte viele überraschen.

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Wer an diesem Wochenende zum Mauerpark spaziert, wird jedenfalls feststellen, dass die Behörden durchaus nicht auf Scherze aus sind. Die Berliner Morgenpost berichtet, dass die Sperr-Poller an Gleim- und Bernauer Straße errichtet werden. Zuvor hatte es wohl eine Abstimmung zwischen Landeskriminalamt (LKA) und dem zuständigen Bezirk Pankow dazu gegeben.

Blick in den Mauerpark, tagsüber genießen Menschen die grüne Oase. Sabine Gudath

Bisher ist kein Attentatsversuch dokumentiert worden

Stadtrat Vollrad Kuhn (65, Grüne) sagte zur B.Z.: „Mit einer durchgehenden Pollerreihe am südlichen und nördlichen Parkzugang soll eine Durchfahrt mit einem Fahrzeug im Rahmen eines möglichen Amoklaufs oder eines Terroranschlags verhindert werden.“

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Überraschen dürfte das vor allem Anwohner und regelmäßige Müßiggänger im Park. Denn bisher ist kein einziger Attentatsversuch dokumentiert worden. Es steht davon auch nichts in Polizeimeldungen.

Kuhn selbst konnte die Aktion bisher erfolgreich unter dem Radar fliegen lassen. Auf seinem Twitter-Account, den er als Vize-Bürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste betreibt, finden sich jede Menge Neuerungen im Bezirk, nicht aber die fragliche Anti-Terrormaßnahme am ehemaligen Todesstreifen.

So twitterte Kuhn vor gut einer Woche: „Unser #Fahrradbügel Programm geht weiter voran. In der Buchholzer Straße wurden heute 2 Anlagen für 12 Räder fertiggestellt. Nummer 3 folgt in Kürze.“

Und am 6. Oktober hieß es an derselben Stelle: „Heute habe ich den #Spielplatz in der Falkenberger Str. 151-155 wiedereröffnet. Die Anlage bietet nun ca. 4.800 qm Spielfläche mit breiten Wegen, viel Grün sowie miteinander verwobenen Spiel-, Sport und Aufenthaltsangeboten mit Ruhebereichen und Sitzgruppen.“ Barrieren kommen bei Kuhn auf Twitter zuletzt nur am 21. September vor: „Heute haben wir in der Zufahrt zur Kreuzung Danziger/Greifswalder Straße neue Schwellen eingebaut. Diese dienen bis zum Umbau der Kreuzung als Provisorium zur Abtrennung des Radfahrstreifens.“

Alexander Puell (47), Vorsitzender des Vereins Freunde des Mauerparks, zeigte in der B.Z. Verständnis für die Anti-Terror-Maßnahme: „Der Mauerpark als Ort der Freiheit und Begegnung ist ein gefährdeter Ort, den man schützen muss. Trotzdem sollte er frei von Herrschafts- und Machtzeichen bleiben.“

Unklar blieb, ob mit der Maßnahme – die Kosten belaufen sich übrigens auf 500.000 Euro – weitere Einschränkungen verbunden sind. Etwa dauerhafte verstärkte Polizeipräsenz, heimliche Observationen, verdachtsunabhängige Personen- und Gruppenkontrollen. Völlig unklar ist auch, ob die Aktion auf weitere Parks und Plätze in der Stadt ausgedehnt wird.