Die Gärten der Welt mit der Seilbahn in Marzahn-Hellersdorf: Der Vorschlag, hier einen Russischen Garten zú errichten, wird nicht realisiert.
Die Gärten der Welt mit der Seilbahn in Marzahn-Hellersdorf: Der Vorschlag, hier einen Russischen Garten zú errichten, wird nicht realisiert. Imago/Jürgen Ritter

Die Idee war  nicht schlecht. Es herrschte noch Frieden in Europa, als vor über einem Jahr der damals frischgewählte CDU-Bundestagsabgeordnete Mario Czaja vorschlug, dass in seinem Wahlkreis Marzahn in den Gärten der Welt ein „Russischer Garten“ entstehen soll. Nach erster Begeisterung im Bezirk sind die Pläne nun vom Tisch. Die für die Gärten der Welt verantwortliche landeseigene Grün Berlin GmbH lehnt das Vorhaben ab. Ist etwa der Angriffskrieg des Russen-Diktators Wladimir Putin auf die Ukraine der Grund?

Wir erinnern uns: Nach dem es in den Gärten der Welt einen „Chinesischen Garten“, einen „Orientalischen Garten“, einen Irrgarten, einen „Italienischen Renaissancegarten“ oder einen „Englischen Landschaftsgarten“ gibt, sollte dort nun auch ein Russischer Garten entstehen. Mario Czaja machte sich im September 2021 für diese Idee in seinem Bezirk stark.

In Marzahn-Hellersdorf, wo einst die  Rote Armee das erste Mal Berliner Boden betrat, um die Stadt zu befreien, wo Unternehmen gute Kontakte zu Russland hätten und wo derzeit immerhin 35.000 Spätaussiedler aus Russland leben, es russische Supermärkte gebe – da sollte nun als Zeichen des guten Zusammenlebens auch ein „Russischer Garten“ her, schlug damals der CDU-Politiker. So ein Symbol könnte auch die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland wieder normalisieren. Etwa auch durch eine Kooperation mit dem Botanischen Garten in Moskau.

Nun über ein Jahr später wollte jetzt der Berliner Abgeordnete Kristian Ronneburg (Linke) in einer parlamentarischen Anfrage vom Senat wissen, was aus dem Plan geworden ist. In der Antwort der Senatsumweltverwaltung wird der Betreiber der Gärten der Welt zitiert. Die Grün Berlin GmbH, die unter anderem auch den Spreepark im Plänterwald verantwortet, teilt danach kurz und knapp mit:  „Nein, eine Projektumsetzung ist nicht beabsichtigt. Es wird vonseiten der Grün Berlin GmbH konzeptionell und räumlich als nicht realisierbar eingeschätzt.“

Der Botanische Garten in Moskau - deren Experten hätten bei dem Aufbau des Russischen Gartens in Marzahn helfen können.
Der Botanische Garten in Moskau - deren Experten hätten bei dem Aufbau des Russischen Gartens in Marzahn helfen können. Imago/Maksim Blinov

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Wegen Putin kein„ Russischer Garten“ in Marzahn: Betreiber sieht keinen Platzbedarf

Hat man etwa den Plan für einen „Russischen Garten“ wegen des Putin-Kriegs in der Ukraine nun auf Eis gelegt? Denn anfangs war die Reaktion auf dem Czaja-Vorschlag sehr positiv. Eigentlich keine schlechte Idee, fand auch Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD). Grundsätzlich würde man sich über jede Erweiterung freuen, „die wir bei unseren international beliebten Gärten der Welt haben“, erklärte er.

Mario Czaja, CDU-Generalsekretär, machte den Vorschlag für den Russischen Garten in Marzahn.
Mario Czaja, CDU-Generalsekretär, machte den Vorschlag für den Russischen Garten in Marzahn. dpa/Christoph Soeder

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Allerdings gab es bei Lemm dann Anfang des Jahres Bedenken. Grund war der russisch-ukrainische Konflikt. Wenige Tage vor dem Putin-Angriff auf das Nachbarland machte der Bezirksbürgermeister im Februar diesen Jahres daher einen Rückzieher.

Mit dazu beigetragen hatte auch ein weiterer Vorschlag von Czaja, den dieser Tage zuvor dem Bezirksamt unterbreitet hatte: Damit der Bezirk bei dem Kosten spart, könne das Russische Haus in Berlin die Finanzierung übernehmen. Brisant: Das Russische Haus an der Friedrichstraße, das aus dem einstigen sowjetischen Kulturzentrum aus DDR-Zeiten hervorging, untersteht als Kultur- und Veranstaltungszentrum direkt dem Kreml.

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Der „Chinesische Garten“ in den Gärten der Welt: Viele internationale botanische Anlagen gibt es dort auf dem Gelände - warum nicht auch einen „Russischen Garten“? Doch wegen des Krieges gegen die Ukraine scheinen solche Vorhaben nicht machbar zu sein.
Der „Chinesische Garten“ in den Gärten der Welt: Viele internationale botanische Anlagen gibt es dort auf dem Gelände - warum nicht auch einen „Russischen Garten“? Doch wegen des Krieges gegen die Ukraine scheinen solche Vorhaben nicht machbar zu sein. Imago/Schoening

Kein Hotel in den Gärten der Welt

Geld aus Moskau für einen Russischen Garten in den Gärten der Welt zu nehmen, wäre angesichts des russisch-ukrainischen Konflikts ein Problem, erklärte Lemm im Februar dem RBB. Nach dem Putin aus dem Konflikt einen Angriffs-Krieg machte, dürfte der Traum vom Russischen Garten seitens des Bezirkes und des Senats wohl endgültig ausgeträumt sein.

Laut der aktuellen Senatsanfrage des Linken-Abgeordneten Ronneburg platzt noch ein weiteres Traumprojekt in Marzahn. So war vor Jahren die Rede, dass offenbar ein Hotel auf dem Areal der Gärten der Welt entstehen sollte. Nun heißt es in der Antwort zu der parlamentarischen Anfrage: „Derzeit liegen keine Pläne zur Errichtung eines Hotels in den Gärten der Welt vor. Es ist nicht Aufgabe der Grün Berlin GmbH Hotels zu errichten oder zu betreiben.“ Und das Bezirksamt „hat keine Beschlüsse zu einem solchen Hotel gefasst“.