Beleuchtetes Brandenburger Tor: Berlins Bürgermeisterin Giffey will die Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden nach Mitternacht abschalten.
Beleuchtetes Brandenburger Tor: Berlins Bürgermeisterin Giffey will die Beleuchtung an öffentlichen Gebäuden nach Mitternacht abschalten. dpa/Christophe Gateau

Die steigenden Spannungen mit Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine führen bereits zu drastischen Einschränkungen vor allem für einkommensschwache Berlinerinnen und Berliner: Lebensmittelpreise haben sich teils verdoppelt, die Energiekosten drohen bald unbezahlbar zu werden. Beim Gas geht bei vielen die Angst um, ob im Winter die Bude kalt bleibt.

Angesichts der Ungewissheit, ob es möglicherweise zu Einschränkungen bei der Gasversorgung kommt oder Ärmere ihre Stromrechnung nicht mehr mehr bezahlen können, versichert Brandenburgs SPD-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach: Privathaushalte werden auch im Falle von Gasknappheit vorrangig versorgt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte das am Dienstag infrage gestellt. Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) will hingegen Verbraucher vor Strom- und Gassperren schützen.

In Berlin setzt die Politik ein klares Zeichen: Energie muss gespart werden, und zwar zuerst dort, wo sie notfalls auch verzichtbar wäre. So spricht sich Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey dafür aus, öffentliche Gebäude wie das Rote Rathaus oder das Brandenburger Tor nach Mitternacht nicht mehr anzustrahlen. „In der Lage, in der wir sind, muss man alle Möglichkeiten zum Energiesparen prüfen“, sagte Giffey der Deutschen Presse-Agentur.

Öffentliche Gebäude in Berlin sollen ab Mitternacht nicht mehr angestrahlt werden

„Auch bei der Straßenbeleuchtung muss es eine Abwägung von Sicherheitserfordernissen und Einsparmöglichkeiten geben“, so die SPD-Politikerin weiter. „Aber die Frage ist, was ist nice to have und wo kann man in diesen Zeiten sagen, wir fahren an der einen oder anderen Stelle runter.“

Manche Gebäude ab Mitternacht nicht mehr anzustrahlen, sei ein vernünftiger Kompromiss. „Es geht darum, zuerst da zu sparen, wo es nicht so schmerzhaft ist“, sagte Giffey. „Wenn ich sage, wir schauen uns hier im Rathaus unsere Beleuchtung an oder unsere Vorlauftemperaturen bei den Heizungen, dann heißt das ja nicht, dass irgendjemand frieren muss.“

Funkturm, Brandenburger Turm, Rathaus Charlottenburg: Wo es in Berlin zappenduster werden könnte

Auch an den öffentlichen Orten und in den öffentlichen Einrichtungen zu schauen, wo lasse sich der Verbrauch senken, sei legitim. „Und das sollte man auch überlegen - was nicht heißt, dass Berlin dann dunkel ist. Es geht um maßvolle Einschränkungen, die leicht umzusetzen sind und schnell einen Beitrag zum Einsparen leisten können.“

Lesen Sie auch: Andauernde Autobahn-Blockaden: Berlins Justizsenatorin will nicht eingreifen>>

Das Ziel müsse sein, insgesamt achtsamer zu werden. „Ich glaube, dass wir alle Möglichkeiten zum Energiesparen nutzen müssen“, so die Regierende Bürgermeisterin. „Ich bin als Kind so groß geworden: Wenn keiner im Zimmer ist, wird das Licht ausgemacht. Das ist ganz einfach und nichts Neues.“

Angesichts der Energieknappheit und stark gestiegener Preise für Strom oder Gas hatte Berlins FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja am vergangenen Wochenende angeregt, öffentliche Gebäude wie den Funkturm, das Brandenburger Tor, die Siegessäule oder das Rathaus Charlottenburg nach Mitternacht nicht mehr anzustrahlen. Der Bundestag will dagegen auch bei Energieknappheit den Reichstag weiterhin anstrahlen.