Gästebtreuer Rico R. aus Lichtenberg sitzt seit 41 Tagen auf der MS-Berlin fest und kann nicht von Bord gehen. Foto: privat

Schon sechs Wochen lang hat er keinen festen Boden mehr unter seinen Füßen gespürt. Rico R. (30) aus Lichtenberg weiß nicht mehr, wie es sich anfühlt an Land spazieren zu gehen, denn er sitzt seit Beginn der Corona-Krise rund 2400 Kilometer Luftlinie vor der Küste Gibraltars (Spanien) als Gästebetreuer auf der MS-Berlin fest.

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Die „MS Berlin“ ist auf hoher See gefangen. Foto: privat

„Ich hätte nicht geglaubt, dass mich mal so ein Abenteuer erwartet“, sagt Rico R. Vor seinem Job auf der MS-Berlin arbeitete er im Club „The Pearl“ an der Fasanenstraße als Gastronomieleiter. Doch seit knapp einem Dreivierteljahr betreut der Berliner nun auf der MS-Berlin, dem ehemaligen Traumschiff aus der ZDF-Serie, die Gäste an Bord und schippert durch die Karibik. Seit dem 13. März sind seine Gäste auch seine Kollegen.

Angst an Bord

„In Havanna wurden wir von der Corona-Krise überrascht und konnten keine neuen Gäste empfangen“, sagt er. Es hätten sich bedrückende Szenen abgespielt, das Gepäck hätte schon zur Verladung im Hafen bereit gestanden, aber die Urlauber hätten das Schiff nicht betreten dürfen und seien zurück zum Flughafen gebracht worden. Die kubanische Regierung habe der Besatzung bereits einen Abend zuvor eine Ausgangssperre verhängt. Behördenmitarbeiter seien mit Mundschützen und Gummihandschuhen an Bord gekommen und seien sehr distanziert gewesen „Ich wollte mit ein paar Kollegen in Havanna in eine Bar gehen, aber wir durften das Schiff nicht mehr verlassen“ erinnert sich Rico R.

Welt ohne Angst: Hier feiert Rico noch am Strand. Foto: privat

Drei Tage lang hätten sie dann noch mit etwa 180 Mitarbeitern im Hafen gelegen, ohne dass sie von Bord gehen durften. Dann habe der Kapitän verkündet, dass sie nach Gibraltar aufbrechen würden und versuchen würden, dort anzulegen. „Je näher wir Europa kamen, desto mehr erfuhren wir über das Corona-Virus. In der Karibik hatten wir schlechten Internet-Empfang und Fernsehen und waren deshalb schlecht informiert“ Die schrecklichen Bilder in den Nachrichten habe Angst an Bord verbreitet und sie hätten Sorge gehabt, an Corona zu erkranken.

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Sehnsucht nach der Heimat

Die spanischen Behörden verweigern der MS-Berlin bis heute das Anlegen in Andalusien. „Wir liegen vor Gibraltar und können die Weiterfahrt nicht planen, da es noch keine einheitlichen nationalen und internationalen Vorgaben gibt“, sagt FTI Cruises-Sprecherin Susanne Wohlgemuth dem KURIER. Aber: Am 7. Juni sei ein Anlauf in Bremerhaven vorgesehen. „Ob wir daran festhalten können, lässt sich aktuell nicht bestimmen“, so Wohlgemuth.

Vor der Krise schwamm Rico noch mit einem Mantarochen. Foto: privat

Rico R. und seine Kollegen versuchten das Beste aus der Situation zu machen. „Wir reinigen Teppiche, lackieren Böden und versuchen uns mit Malkursen und Kickerturnieren abzulenken.“ Sein Arbeitgeber unterstütze sie dabei sehr. Sie bekämen weiterhin Gehalt, genügend zu essen und zu trinken und sogar kostenloses W-Lan. Doch die Sehnsucht nach der Heimat werde mit jedem Tag größer. Rico R. sagt: „Obwohl wir zum Glück alle gesund sind, ist es beängstigend, nicht zu wissen, wann wir wieder nach Hause kommen.“