Weihnachten - ein Fest zum Davonlaufen? Markus Wächter

Nun ist es also da, dieses Weihnachten. Das zweite Jahr in Folge ganz anders, als wir es gewohnt sind. Wirklich? Ganz anders? 

Weihnachten ist doch, wenn die Tür hinter einem zufällt und alles ist wie immer. Der Baum, der bunte Teller, die lieben Menschen, die selben Lieder, dieselbe Geschichte: Von einem Kind, das die Welt retten soll. Auch wer nicht an den christlichen Ursprung des Fests glaubt, kann mit dem zugrunde liegenden Prinzip Hoffnung etwas anfangen. Hoffnung, dass das Morgen besser wird. Dass immer wieder ein Neuanfang gelingen kann, zwischen den Menschen, im Großen wie im Kleinen.

Dafür steht Weihnachten 

Dafür steht Weihnachten: In den Tagen in denen es am dunkelsten ist im Jahr, zünden wir Kerzen an und öffnen unsere verletzlichen Herzen. Auf dass sie sich mit Liebe und Mitgefühl füllen. Das ist Weihnachten und daran ändert kein Virus auch nur einen Deut. 

Weihnachten ist die Zeit, auszusteigen aus dem Alltagskarussell, das einem in seiner rasenden Fahrt den Blick fürs Wesentliche vernebelt. Weihnachten ist die Zeit der Rituale, die Sicherheit geben. Ich habe von einer Frau gehört, die stellte jedes Jahr zu Weihnachten Nussknacker und Pyramiden auf. In diesem Jahr sind sie alle im Schrank geblieben. Corona hat ihr das Fest verdorben. Ihr Herz hat sie aus lauter Angst und Wut verschlossen. Dagegen hilft nur eins: Eierlikör. 

Corona unterm Weihnachtsbaum

Ja, klar Corona sitzt mit unter jedem noch so glitzernden Baum, aber vielleicht gelingt es uns ja, das Virus für ein paar Stunden oder Tage mit etwas mehr Abstand zu betrachten? Stellen Sie sich Corona vor, wie eine nervige Tante, die immer und ungebeten ihren Senf dazu gibt. Sie mischt sich ein, hat immer ein „Aber“ parat und verdirbt einem jeglichen Spaß.  An Heiligabend aber hält Tante Corona, beseelt von Eierlikör und Plätzchen, einfach mal die Klappe. 

Ich wünsche uns, dass wir heute mindestens drei Dinge nennen können, für die wir dankbar sind.  Um dann drei Eierlikörchen darauf zu trinken. Mindestens. Umgeben mit den Menschen, die uns wirklich gut tun - meist sind das je eh nicht mehr als die gerade erlaubte Anzahl -  können wir dem Ende eines verrückten Jahres entgegen sehen. Und dem Beginn eines neuen. Vielleicht ist das kommende Jahr das, in dem Corona seinen Schrecken endgültig verliert? Es schadet nicht, Vertrauen in das Leben zu haben.