Schlager-Star Uwe Jensen prangert die TV-Sender an: „Wir finden in den öffentlich-rechtlichen Programmen kaum noch statt.“ Foto: Gudath

Die Sonne scheint, kein Wölkchen trübt den Himmel. Uwe Jensen (72) ist bestens gelaunt, als er in Köpenick den KURIER auf ein Käffchen empfängt. Dennoch tobt im Innern des DDR-Schlager-Stars ein heftiges Gewitter. Warum? „Die Corona-Krise hat deutlich gemacht, wie stiefmütterlich die öffentlich-rechtlichen TV-Sender Schlager-Künstler aus dem Osten behandeln“, sagt er.

Wer Jensen kennt, weiß: Er ist ein ruhiger, sympathischer Künstler. Und er ist ein guter Gastgeber, nicht nur daheim. Etwa in seinen Shows „Wiedersehen macht Freude“, die leider im Frühjahr wegen Corona ausfielen. Nun sollen sie im Herbst nachgeholt werden, mit Stars wie Jürgen Walter, Chris Doerk oder Roberto Blanco. Jensen steckt mitten in den Vorbereitungen. „Und ich arbeite an meinem ersten Weihnachtsalbum – und das mitten im Sommer“, erzählt er.

Haben sich auf ein Käffchen getroffen: Uwe Jensen und KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke. Foto: Gudath

Dann platzt es aus ihm heraus: „Alle Sänger und Musiker haben es gerade schwer, weil sie wegen Corona nicht auftreten können“, sagt Jensen. „Da wäre es schön gewesen, wenn gerade die ARD-Fernsehsender, die wie der RBB oder der MDR in Ostdeutschland beheimatet sind, in dieser Krise auch zu ihren Künstlern aus der Region stehen. Doch wir finden in den Programmen so gut wie gar nicht mehr statt. Obwohl auch wir, wie jeder in diesem Land, fleißig Gebühren zahlen, damit diese Sender mitfinanzieren.“

Der Ärger kam bei Jensen hoch, als er im Frühjahr drei Folgen der Corona-Show „Du bist nicht allein“ im MDR sah. „Ich habe mitgezählt: Es kamen 63 Künstler vor, davon waren nur nur neun aus dem Osten“, sagt er. „Wo waren Frank Schöbel mit ,Pass auf dich auf' oder Jürgen Walter mit ‚Heimat‘ und noch viele andere DDR-Stars, die mit ihren Liedern gut zur Sendung gepasst hätten?“

Der RBB sei nicht besser, so Jensen. „Der Sender produziert keine Shows, zeigt nur die MDR-Produktionen“, sagt er. „Die werden nun überall ständig wiederholt und zeigen stets die üblichen Verdächtigen: Hansi Hinterseer, Florian Silbereisen, DJ Ötzi, Andrea Berg, Helene Fischer und Co.“

Wenn da Ost-Stars auftreten, sind es nur wenige: Wie Ute Freudenberg, Ben Zucker oder Stefanie Hertel, die in der Silberstein-Show „Die Schlager des Sommers“ gegen eine Übermacht von West-Stars antrat, die der MDR gerade wiederholte. Eine Ausnahme ist „Schlager meiner Heimat“, wo Ross Antony ostdeutsche Künstler präsentiert.

Uwe Jensen reicht das nicht. „Wir feiern bald den 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und noch immer dominieren Künstler aus den alten Ländern die Shows der Sender, die sich gerne als ostdeutsche Heimatsender darstellen.“

Dem Sänger geht es nicht nur um die alten DDR-Stars, wie er unterstreicht. „Es gibt so viele junge ostdeutsche Talente, die bei den Sendern kaum eine Auftrittschance bekommen“, so Jensen. „Etwa das Duo Hardy & Heroes aus Dessau, die mit dem Song ,Im Osten geboren‘ auf ihrem Internetkanal über eine Million Mal geklickt wurden.“

Jensen machte seinen Ärger unter anderem auch im Internet öffentlich. „Ich bekam viele Zuschriften, die mir recht gaben.“ Und die Reaktion der Sender? „Man lege Wert darauf, einer großen Bandbreite von Künstlern eine Plattform zu geben“, erklärte etwa der MDR gegenüber der Zeitschrift Super-TV.

Schlager-Star Uwe Jensen („Ein Freund, der zu dir hält“) steht seit über 45 Jahren auf der Bühne. Foto: Wächter