Ein Bild der getöteten Fabien vor Gericht imago/Wagner (Archivbild)

Die quälende Frage, warum Fabien Martini vor mehr als dreieinhalb Jahren sterben musste, sie ist eigentlich bereits vor Gericht beantwortet worden. Doch das Urteil nach dem tödlichen Zusammenstoß eines Funkstreifenwagens mit dem Auto der jungen Frau haben beide Parteien angefochten. Am Donnerstag hat der Berufungsprozess gegen einen Berliner Polizisten begonnen. Der 53-Jährige war im Dezember 2020 wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr und zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung des Amtsgerichts Tiergarten hatten sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage Berufung eingelegt. Nun prüft das Landgericht den Fall.

Von 132 km/h und 91 km/abgebremst

Der Beamte war am 29. Januar 2018 in Berlin-Mitte mit Blaulicht, Signalhorn und überhöhter Geschwindigkeit auf dem Weg zu einem Einsatz, als er den Wagen der jungen Frau rammte, die gerade einparken wollte. Laut Ermittlungen war der Polizist nach einer Tunnelausfahrt mit bis zu 132 Stundenkilometern unterwegs. Bei der Kollision sei noch eine Geschwindigkeit von 91 Stundenkilometern festgestellt worden, hieß es in dem zu Beginn des Berufungsprozesses verlesenen Urteil der ersten Instanz. Die 21-Jährige verstarb noch am Unfallort.

Der Fall hatte öffentlich große Wellen geschlagen. Erst Monate nach Beginn der Ermittlungen wurde bekannt, dass eine im Krankenhaus genommene Blutprobe des Fahrers Alkohol enthalten haben soll. Es kam der Verdacht auf, dies habe vertuscht werden sollen. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer mitangeklagt. Das musste aber nach einem Gerichtsbeschluss fallen gelassen werden, weil die beschlagnahmte Patientenakte des Polizisten nicht als Beweismittel verwendet werden durfte.