Sirenen auf Dächern bleiben heutzutage meist still. Foto: imago images/Christian Ohde

Der 10. September ist dieses Mal ein spezieller Tag: der Nationale Warntag. Das klingt erst einmal irritierend, aber auch folgerichtig. Denn die Zeiten, in denen die Feuerwehrsirenen heulten, sind längst vorbei. Heute regieren auch bei den Rettungskräften die Handys. Trotzdem gibt es nun den bundesweit ersten Warntag.

Am Donnerstag 11 Uhr wird dann flächendeckend von der nationalen Warnzentrale des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz ein Probealarm ausgelöst über Sirenen, Warn-Apps sowie über Radio- und Fernsehsender.

Doch in Berlin bleibt es draußen stumm, zwar wird der Alarm über Warn-Apps und ähnliches weitergeleitet. „Doch Sirenenalarm gibt es nicht“, sagte Martin Pallgen, Sprecher des Innensenators. In Berlin wurden in den 90er Jahren die Zivilschutzsirenen abgebaut. Der Grund: Berlin ist zu dicht besiedelt und eine Sirene aus einem Bezirk wäre noch in einem anderen zu hören, deshalb könne nicht lokal gewarnt werden.

Der Hintergrund für den Warntag ist, dass der Bund und die Länder 2019 beschlossen, ab diesem Jahr an jedem zweiten Donnerstag im September diesen Tag durchzuführen. Einerseits soll die Bevölkerung sensibilisiert werden für mögliche Unglücksfälle und Katastrophen wie schwere Unfälle, Hochwasser oder Waldbrände. Das Motto lautet: Wer Bescheid weiß, was die Sirenentöne bedeuten, kann sich besser und schneller schützen. Andererseits soll kontrolliert werden, ob alle analogen und digitalen Warn-Mittel in Notfall gut funktionieren.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, dass sich Berlin am Warntag beteiligt: „Insbesondere bei unvorhergesehenen Ereignissen, wie Großbränden oder weiträumigen Stromausfällen, sind schnelle und vor allem verlässliche Informationen und Warnungen unerlässlich.“ In Berlin können Warnungen im Ernstfall von der Polizei, der Feuerwehr oder der Senatsinnenverwaltung ausgelöst werden. Das kann über Radio, Fernsehen, Lautsprecherwagen oder Apps erfolgen -aber eben nicht über Sirenen.

Dabei gelten Sirenen als „Warnmittel mit Weckeffekt“. Deshalb soll bundesweit um 11 Uhr ein auf- und abschwellende Heulton auf eine Gefahr hinweisen, dann sollen die Leute ihr Radio anschalten oder sich im Internet informieren. Auch die WarnApp des Bundes namens NINA versendet eine Nachricht. Als Entwarnung wird um 11.20 Uhr ein einminütiger Dauerton erklingen - aber nur dort, wo es Sirenen gibt. Oder es wird eine Entwarungsnachricht über die App verschickt. Der Nachteil bei der Alarmierung per App ist natürlich, dass man sich die App erst aufs Handy geladen haben muss.

Schon seit Jahren gibt es Kritik daran, dass die Sirenen in Berlin nach dem Ende des Kalten Krieges abgeschafft wurden. Denn es gibt auch viele Leute, die nicht den ganzen Tag das Radio anhaben oder die die Warn-App nicht auf dem Handy haben, oder die Pendler sind. All die wären zum Beispiel bei einem massiven Stromausfall nicht informiert.

Früher war Sirenenalarm üblich. In der DDR war es zum Beispiel so, dass jeden Mittwoch um 13 Uhr alle Sirenen im Land heulten. Die klassische Sirenenwarnung stammt noch aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs. Damals wurde mit den Sirenen der Luftalarm ausgelöst und anschließend Entwarnung gegeben, wenn die feindlichen Luftangriffe vorbei waren.

Nach dem Krieg gab es dann verschiedenen Sirenen-Töne für Feueralarm, Katastrophenalarm oder ABC-Alarm, also wenn die Gefahr von atomaren, biologischen oder chemischen Explosionen ausgeht.

Wie das Brandenburger Bunkermuseum Fuchsbau bei Bad Saarow mitteilt, wurde der Alarm in der DDR mittwochs immer zentral ausgelöst. Das ist weitgehend unbekannt. In dem einstigen militärischen Gefechtsstand gab es eine „Warn- und Alarmzentrale“ (WAZ), die seit dem 5. Mai 1971 den Alarm zentral steuerte. Die Signalauslösung wurde in die damaligen Bezirksstädte übermittelt und dann an alle Sirenen weitergeleitet.