Berlin - So kam in diesem bis dahin als von vielen zu kalt empfundenen Sommer zumindest im August doch noch Freude auf. Ab dem 4. konnte man sich tagsüber aus den wärmenden Stoffschichten pellen.  Nachts allerdings klapperten am 5. die Zähne vor Kälte, nur 10,4 Grad – ganz schön heftig!

Aber wie gesagt, tagsüber war das Sommerglück perfekt, eine richtige Hitzewelle mit einem Hoch names Detlef,  rollte an. 28,3 Grad, 30,3 Grad, 33 Grad, 35 Grad, 36 Grad –  Stück für Stück ging es auf dem Thermometer weiter höher. Bis zum besagten 21., an dem es dann einigen wiederum schon zu viel wurde. Wie eine schwere Decke lag die Hitze über der Stadt. Nicht lange, schon am nächsten Tag rauschte der Wert runter auf erträglichere 26,4 Grad. Kleiner Zwischenaufschwung bis zum 27., dann ging es mit dem Tief Lynn hinab auf 20 Grad und danach war die Pracht vorüber, Ende, aus, vorbei, Adieu, lieber Sommer. Mit um die 23 Grad mickerte es so vor sich hin, Zeit, die Strümpfe wieder anzuziehen.

Gartenbesitzer hatten es ab der Monatsmitte etwas leichter, da fiel an sieben Tagen, dem 18., 21., 22., 25., 26., 27. und 30., das lästige Sprengen und Gießen aus – es regnete. Nicht genug, das waren nur 73 Prozent vom langjährigen Monatsmittel mit 59 Litern pro Quadratmeter. Das wurde um knapp 16 Liter unterschritten.

Sturm gab’s auch, sein Name war Kirsten und die kam mit Böen bis zu 70 und 85 Kilometern pro Stunde aus Südwesten. Die Windsbraut pustete so tüchtig, dass am 26. einige Bäume umfielen. Zum Beispiel aufs Gleisbett, der Zugverkehr der Linie S7 zwischen Griebnitzsee und Babelsberg war zwei Stunden lang unterbrochen. Ebenfalls unterbrochen war die S2 zwischen Buch und Zepernick. In Neukölln stürzte eine Baumkrone in der Nacht zum 27. in der Richardstraße auf drei geparkte Autos. DWD-Diplom-Meteorologe Tobias Reinartz erklärt das Unglück: „Im Sommer sind die Bäume jahreszeitbedingt noch voll belaubt und bieten damit dem Wind eine große Angriffsfläche. Während im laubfreien Winter Bäume im Allgemeinen erst ab Windstärke 10 (etwa 90 km/h) klein beigeben, reicht im Sommer dafür oft schon Windstärke 9 (etwa 80 km/h). Dazu kommt in einigen Regionen noch die Trockenheit der vergangenen Wochen, sodass dort die Wälder durch Trockenstress ohnehin schon sehr geschwächt in den stürmischen Mittwoch gehen. Bei diesen könnte dann bereits Windstärke 8 reichen (etwa 70 km/h), um zumindest dickere Äste auf den Boden krachen zu lassen.“

Bundesweit lag der diesjährige Sommer mit 18,2 Grad Durchschnittstemperatur um 1,9 Grad über dem Mittel der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990, berichtete ein Sprecher über die bisherige Auswertung der rund 2000 Wetterstationen des Deutschen Wetterdienstes. Nach den zwei sehr trockenen vorangegangenen Sommern gilt: Mit rund 230 Litern pro Quadratmeter Niederschlag verfehlte der Sommer 2020 sein Soll von 239 Litern pro Quadratmeter nur leicht. Beim Sommerwetter hat die Region Berlin-Brandenburg in diesem Jahr im bundesweiten Vergleich Spitzenwerte erreicht. Am wärmsten war es nach der vorläufigen Bilanz des DWD für die Monate Juni bis August in Berlin mit einer Durchschnittstemperatur von 20 Grad. Brandenburg nimmt danach Platz 2 mit 19,3 Grad ein. Bei der Zahl der Sonnenscheinstunden liegt Brandenburg mit 695 Stunden hinter Berlin mit 710 Stunden. Der Mittelwert für Deutschland wurde mit rund 675 Stunden Sonnenscheindauer im Sommer errechnet. Mit 135 Liter Regen auf einem Quadratmeter wurde in Berlin bundesweit der geringste Niederschlag gemessen. In Brandenburg waren es 155 Liter pro Quadratmeter.