Ein Reisender geht mit einem Koffer zu einem Check-in-Schalter. Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Mittwoch einen ganztägigen Warnstreik am Hauptstadtflughafen BER angekündigt. 
Ein Reisender geht mit einem Koffer zu einem Check-in-Schalter. Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Mittwoch einen ganztägigen Warnstreik am Hauptstadtflughafen BER angekündigt.  dpa/Paul Zinken

Es droht ein Mega-Chaos am Hauptstadtflughafen BER. Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Mittwoch (25. Januar) einen  Warnstreiks angekündigt. Betroffen seien die Bodenverkehrsdienste, die Flughafengesellschaft und die Luftsicherheit. Gleich frühmorgens wird mit dem Streik begonnen, der den ganzen Tag andauern soll. Damit fallen alle Flüge (300 Starts und Landungen) aus, über 35.000 Passagiere sind betroffen. Der KURIER erklärt mithilfe eines Reiserechtsanwaltes, was Reisende jetzt tun sollen und wie sie dennoch an ihr Ziel kommen könnten.

Trotz Streik – wie komme ich an mein Reiseziel?

Die Flughafengesellschaft bittet betroffene Passagiere, sich bei ihrer Airline zu Umbuchungen und alternativen Reisemöglichkeiten zu informieren. Das empfiehlt auch Reiserechtsanwalt Paul Degott. „Es ist günstiger, wenn sie die Airline in der Pflicht lassen, sich um eine zeitnahe Ersatzbeförderung zu kümmern“, sagt er.

So sei es durch Hilfe der Airline vielleicht möglich, mit der Bahn zu einem anderen Flughafen zu fahren und von dort zu fliegen. Bei innerdeutschen Flügen bieten die Airlines ihren Kunden oft auch Bahntickets an, um ans Ziel zu kommen.

Die Lufthansa teilte mit, man habe den Kunden Alternativen angeboten, etwa Flüge am Dienstag und Donnerstag oder Bahnfahrten. „Wir informieren unsere Kunden und bieten Ihnen soweit möglich alternative Verbindungen am Dienstag oder Donnerstag sowie Umbuchungen auf die Bahn an“, teilte die Fluggesellschaft Eurowings mit.

Easyjet, derzeit die wichtigste Fluggesellschaft am BER, riet den Kunden, den Status des jeweiligen Fluges online zu überprüfen. Auf der Webseite des Unternehmens war am Dienstag zu sehen, dass viele Flüge auf Donnerstag verschoben wurden, wenige wurden gestrichen. Umleitungen zu anderen Flughäfen sind demnach nicht vorgesehen.

Ryanair kündigte online an, dass die Kunden per Email oder SMS über Veränderungen bei ihren Flügen informiert würden. Umleitungen zu den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sind nach Angaben des Betreibers, der Mitteldeutschen Flughäfen AG, nur jeweils zwei geplant (Stand Dienstag, 15 Uhr).

Im Frühjahr 2022 traten Mitarbeiter des Sicherheitspersonal am BER in den Warnstreik. Auch damals kam es zu Problemen bei der Abfertigung der Reisenden, Flüge fielen aus.
Im Frühjahr 2022 traten Mitarbeiter des Sicherheitspersonal am BER in den Warnstreik. Auch damals kam es zu Problemen bei der Abfertigung der Reisenden, Flüge fielen aus. dpa/Paul Zinken

Alternativ haben Reisende bei einem Flugausfall auch das Recht, sich das Geld erstatten zu lassen. Dann müssen sie sich aber selbst darum kümmern, wie sie dennoch ans Ziel kommen. Oft zahlt man dabei am Ende drauf und hat zusätzlich den Organisationsaufwand.

Habe ich Ansprüche auf Entschädigung?

„Entscheidend ist, wer da streikt“, sagt Degott. Laut Gewerkschaft Verdi sind die Bodenverkehrsdienste, die Flughafengesellschaft und die Luftsicherheit zum Warnstreik aufgerufen. Die Frage sei, sagt Degott, ob man die Dienste dem Flugbetrieb der Airline zurechnen kann. „Wenn das so wäre, dann kämen Ausgleichsansprüche in Betracht.“

Wie hoch mögliche Entschädigungen bei kurzfristigen Annullierungen sind, legt die EU-Fluggastrechte-Verordnung fest. Sie liegen zwischen 250 und 600 Euro - je nach Entfernung zum Ziel und dem Zeitpunkt, wann die Passagiere über die Flugstreichung informiert wurden.

Und wie sieht es in diesem Fall aus? Beim Bodenpersonal, das unter anderem fürs Einchecken der Passagiere zuständig ist, könne man Ansprüche durchaus ableiten, sagt Degott.

„Die Airlines werden zwar mauern und sagen, dass sie mit denen nichts zu tun haben - aber das stimmt ja so nicht, denn sie brauchen sie zum Abfertigen.“ Auch wenn das Bodenpersonal von einem anderen Dienstleister kommt, handelt es im Auftrag der Airline und könne durchaus als Personal der Airline gelten, lautet seine Einschätzung.

Warnstreiks beim Sicherheitspersonal und bei der Flughafengesellschaft, die am BER ebenfalls die Arbeit niederlegen sollen, sind indes eher nicht dem Risikobereich der Airline zuzurechnen.

Fazit: Möglicherweise bestehen Ansprüche auf Ausgleichszahlungen, aber absolut klar liegt der Fall hier nicht.

Was ist, wenn der Pauschalurlaub verspätet startet?

„Bei einer Pauschalreise ist der Veranstalter in der Pflicht“, sagt Degott. Wer aufgrund des Warnstreiks beispielsweise erst einen Tag später in den Urlaub fliegt, kann den Reisepreis anteilig mindern. Das heißt, man zahlt dann für einen Tag weniger.

Wer sich genauer über mögliche Entschädigungen bei Flugausfällen und Verspätungen belesen will, dem bietet die Stiftung Warentest online unter www.test.de/Fluggastrechte eine umfassende Übersicht.