Mit Husten in Schule oder Kita? Geht auch in Corona-Zeiten, sagt die Senatsverwaltung – solange kein Fieber dazukommt.
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Das Wetter wird unbeständiger, und schon sind die ersten kleinen Rotznasen wieder unterwegs. Vor allem Kleinkinder und Grundschüler fangen sich leichte Erkältungen schnell mal ein. Blöd nur, dass die Symptome oft ähnlich sind wie bei einer Corona-Infektion. Die Vorsichtsmaßnahmen: Kinder sollen zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Aber wann ist krank wirklich krank? Vier Wochen nach Schulstart hat die Senatsverwaltung einen Leitfaden herausgegeben. Endlich!

Lehrer und Eltern haben händeringend darauf gewartet. In so manch einer Grundschule in Berlin wurden bei den ersten Elternabenden die Leitfäden anderer Bundesländer ausgehändigt. Darauf zu lesen: „Hat das Kind Schnupfen, soll es zwei Tage zu Hause bleiben. Kommen keine weiteren Symptome dazu, kann es Schule oder Kita wieder besuchen.“ Husten ist dagegen ein Ausschlusskriterium und verlangt eine Krankschreibung.

Was nicht schön klingt für berufstätige Eltern, die ihre Kinder folglich selbst betreuen müssen, ist doch aber immerhin eine Orientierungshilfe. Und bietet auch Lehrern und Erziehern eine Grundlage, auf der sie entscheiden können, ob sie ein Kind abholen müssen.

Wann darf mein Kind in die Kita oder Schule gehen? Mit dieser Grafik gibt die Senatsverwaltung verunsicherten Eltern und Lehrern eine Hilfestellung. Grafik: Galanty Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie Berlin

Nun, fast vier Wochen nach dem Schulstart in Berlin und damit nach der Rückkehr zum Regelbetrieb, bietet die Berliner Senatsverwaltung endlich eine Hilfestellung an. Ein überfälliger Schritt. „Uns haben viele Berichte von Eltern erreicht, dass ihre Kinder nach Hause geschickt wurden, weil sie beispielsweise Schnupfen hatten“, sagt Landeselternsprecher Norman Heise dem KURIER.

Mit einer online veröffentlichen Grafik nimmt der Senat medizinische Laien, die Eltern, Lehrer und Erzieher nun mal oft sind, an die Hand. Hier heißt es: Husten und Schnupfen ohne Fieber – das Kind darf in Schule oder Kita gehen. Sofern sich sein Gesundheitszustand nicht verschlechtert. Bei Temperaturen über 37,5 Grad Celsius muss das Kind zu Hause bleiben, auch bei nur leicht erhöhter Temperatur. Erst wenn es 24 Stunden fieberfrei ist, darf es in die Betreuung.

Auch die Alarmzeichen für eine Corona-Infektion verdeutlicht die Senatsverwaltung in der Grafik noch einmal. Zwei Tage in Folge Fieber über 38,5 Grad Celsius, Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, verminderter Geruchs- oder Geschmackssinn, Muskel- und Gliederschmerzen, anhaltender Husten und Kurzatmigkeit sowie jegliche Erkältungssymptome nach Kontakt mit Personen, die mit Corona infiziert sind oder aus Risikogebieten zurück gekommen sind.

Über die Hilfe können sich nicht nur Eltern freuen, sondern auch Berlins Kinderärzte. Auch die Befürchtungen von Jakob Maske, dem Berliner Sprecher des Verbands der Kinder- und Jugendärzte, hatten sich zunächst bewahrheitet. „Wir haben seit Schulbeginn einen deutlichen Anstieg an Kindern und Jugendlichen, die mit Symptomen wie einem simplen Schnupfen vorstellig werden, weil die Schulen sie zum Arzt geschickt haben. In manchen Fällen wurde sogar gesagt, sie bräuchten ein negatives Testergebnis“, berichtete Maske dem KURIER.  Er müsse sich, wie alle Berliner Kinderärzte, gerade täglich mit dem Wunsch vieler Eltern herumärgern, er möge ihr Kind „gesundschreiben“. „Das machen wir einfach nicht“, sagt Maske.