Walter Plathe wird 70 - nur seine Hüfte nicht. Die ist noch taufrisch.  Foto: Christian Schulz

Nein, ganz generös einen ausgeben wird der Berliner Volksschauspieler Walter Plathe zu seinem runden Geburtstag nicht. Bevor ihn jetzt jemand bezichtigt, ein oller Geizhals zu sein, darf er sich selbst äußern: „Am Geburtstag bin ich auf Theatertournee.“ Den Abend des 5. November wird Plathe als Titelheld des Stückes „Monsieur Pierre geht online“ in Landau in der Pfalz auf der Bühne verbringen.

Das erspart dem Berliner den ganz großen Rummel zu seinem 70. Geburtstag. Er lacht: „Corona, die dusslige Kuh, hat damit ausnahmsweise nichts zu tun.“ Die erwies sich für ihn sogar als hilfreich. „Gerade als es damit anfing, war ich zu meiner regelmäßigen Durchsicht im Krankenhaus, wo festgestellt wurde, dass meine Hüfte nun wirklich runter ist.“

Weil die Theater sowieso gerade geschlossen waren, musste Plathe nicht lange überlegen, wann er die notwendige Operation in seinen Kalender schreiben sollte. Er nahm den großen Stillstand wegen der Pandemie als Wink des Schicksals: „Also habe ich dem Professor gesagt: Dann machen wir das doch gleich! So habe ich die erste Corona-Welle mit einer neuen Hüfte überbrückt. Aus Titan. Ich bin jetzt also ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.“

Der Herr am Klavier, auch das ist Walter Plathe. Foto: Christian Schulz

Seit reichlich 60 Jahren spielt Heinrich Zille im Leben von Plathe eine große Rolle: „Ich bin ja im Scheunenviertel, in der Ackerstraße, im zweiten Hinterhof groß geworden. Meine Tante schenkte mir im zarten Alter von acht oder neun Jahren einen Zille-Band. Ich schaute mir die Bilder an und sah, dass sich gar nicht viel verändert hatte. Die Teppichstange, wo verdreckte Gören drumherum spielten. Und aus dem dritten Stock kiekte ne Olle runter und rief: ‚Iphigenie, olle Sau, komm oben!‘ Zille schwebte in der Ackerstraße immer so ein bisschen über mir.“

Plathe gehört wie seine Kollegen Brigitte Grothum, Harald Juhnke, Wolfgang Völz und Günter Pfitzmann zu den Gründern des Berliner Zille-Museums in der Propststraße im Nikolaiviertel: „Ich hatte das Ding jahrelang an der Backe und habe lange um Unterstützung von der Stadt gekämpft. Jetzt haben wir vom Senat eine kräftige Finanzspritze bekommen, so dass wir sanieren können und uns auch mal Leihgaben holen und versichern können. Jetzt geht es aufwärts.“

Sein neuestes Buch „Habe die Ehre … Zille“ hat Walter Plathe in der Ich-Form über das Leben von „Pinsel-Heinrich“ geschrieben. Der Schauspieler, der Zille schon auf der Bühne spielte, ist sich der Gefahr starker, einnehmender Rollen bewusst.

Schließlich gab es diesen bekannten Schauspieler, der im Defa-Film Goethe darstellte und anschließend nicht so richtig den Rückweg aus der Rolle fand. Der geisterte als Goethe durch Weimar, was Plathe so kommentiert: „Ja, der hatte die Vollmeise! Ich habe meinen Sohn gebeten, mich auf solche Anzeichen aufmerksam zu machen.“

Wer selber mal schauen mag, wie es sich mit der Trennschärfe zwischen den Herren Plathe und Zille aktuell verhält: Am 18. Oktober um 16 Uhr stellt Plathe das Buch mit einer Lesung im Pfefferberg-Theater vor.