Große Freude in Berlin: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten der Hauptstadt ist von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt worden. Das im südkoreanischen Busan tagende Welterbekomitee stimmte der Erweiterung des Denkmal-Ensembles der Berliner Siedlungen der Moderne am Sonntag zu.
Damit handelt es sich nicht um einen komplett neuen Eintrag, sondern um eine Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“. Zu dieser gehören nun insgesamt sieben Siedlungen – darunter auch die bekannte Hufeisensiedlung in Neukölln und die Weiße Stadt in Reinickendorf. Deutschlandweit gibt es damit 55 Welterbestätten.
„Papageiensiedlung“ war erst ein Spottname
Die zwischen 1926 und 1931 unter Federführung des Architekten Bruno Taut (1880–1938) erbaute Waldsiedlung ist wegen ihrer bunten Häuser auch als „Papageiensiedlung“ bekannt und gilt als herausragendes Beispiel des Neuen Bauens.
Ihren Beinamen hat die Siedlung allerdings keiner Liebeserklärung zu verdanken: Die Nationalsozialisten prägten den Spitznamen ursprünglich abschätzig, um die moderne, farbenfrohe Architektur Tauts als „entartete Kunst“ zu diffamieren. Heute tragen die Bewohner den Namen mit Stolz.

Schon damals jede Wohnung mit eigenem Bad
Neben Taut waren auch die Architekten Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg an der Planung beteiligt, die Bauleitung hatte die Architektin Ludmilla Herzenstein inne. Auf dem Gebiet des Grunewalds errichtet, umfasst das Quartier über 1100 Geschosswohnungen und 800 Einfamilienhäuser – Platz für rund 15.000 Menschen.
Tauts Vision von erschwinglichem, aber dennoch lebenswertem Wohnraum stieß im damals von Villen geprägten Zehlendorf zunächst auf heftige Kritik; der örtliche Bezirksbürgermeister soll die Bauten als „Zigarrenkistenkunst“ verspottet haben.
Anders als in den beengten Mietskasernen der Innenstadt, wo sich mehrere Parteien oft eine Toilette teilten, verfügte in Zehlendorf jede Wohnung über eigene Küche und Bad – dazu kam für jedes Haus ein eigener Mietergarten.
Die naturnahe Architektur lockte aber schon früh Künstler und Schriftsteller an, die das Quartier lange prägten. Auch die direkt in den U-Bahnhof integrierten Ladenzeilen waren damals eine Neuheit.

